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Ausland

Schleier und Rauch

Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 14.05.2011 92 Kommentare

Was das Burkaverbot in Frankreich bringt – und was eben nicht. Musliminnen ersetzen den Schleier nun durch das Kopftuch. Von einem Durchbruch kann kaum die Rede sein.

In Frankreich gar nicht gerne gesehen: Frauen in Burkas sind Auslöser eines Verbots gegen die gänzliche Vermummung.

In Frankreich gar nicht gerne gesehen: Frauen in Burkas sind Auslöser eines Verbots gegen die gänzliche Vermummung.
Bild: Keystone

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Unter dem Eindruck internationaler Grossereignisse, beschäftigt mit Beben in Japan und der arabischen Welt, hätte man ja beinahe vergessen, dass sich Europa kürzlich mit den vermeintlich wirklich zentralen Fragen unserer Zeit befasste: mit der Bedrohung durch spitze Türmchen und Ganzkörperschleier, durch Minarette und Burkas.

Die Franzosen debattierten die Schleierfrage mit besonderer Verve. Und sie erliessen ein Verbot der Vermummung samt Androhung von Bussen und Benimmkursen. Die Republik schien in Gefahr, bedrängt von vielleicht 2000 Burkas. Vor einem Monat trat das Gesetz in Kraft. Nun gibt es erste Zahlen und Erkenntnisse. Die Realität, es war zu erwarten, kann der Debatte das Wasser nicht reichen.

Unter Juristen ein unpraktikables Gesetz

Frankreichs Innenminister schätzt die Anzahl der Protokollaufnahmen auf «27 oder 28». 27- oder 28-mal also hielt ein Polizist im öffentlichen Raum eine Frau im Niqab an, dem hier gebräuchlichen Ganzkörperschleier, forderte sie auf, das Gesicht für die Kontrolle freizulegen, und nahm sie nach ihrer Weigerung mit auf den Posten für die Identitätsprüfung. Bussen über 150 Euro aber, wie sie vorgesehen sind, wurden bisher keine gesprochen. Das jedenfalls versichert die Vereinigung «Hände weg von der Verfassung», die in dem Verbot eine Stigmatisierung der Muslime sieht und alle Geldstrafen bezahlen will, die in Zukunft fällig werden. Wenn es denn je welche geben wird: Unter Juristen gilt das Gesetz als unpraktikabel.

Aus Schulen und Spitälern hört man, es gebe verschleierte Frauen, die beim Portier kurz ihr Gesicht zeigten, bevor sie die Hülle wieder zurechtrückten. Auch die Polizei berichtet von zwischenzeitlichen Entblössungen. Verzeigt wird sehr selten. Eine Frau im Niqab paradierte unlängst provokativ vor der Französischen Nationalversammlung und wurde wegen unbewilligten Demonstrierens gebüsst – nicht wegen des Schleiers. Manche Frauen sollen den Niqab mittlerweile abgelegt haben und öffentlich nur noch das Kopftuch tragen. Alles deutet also darauf hin, dass die Republik auch diese vermeintlich zentrale Herausforderung meistern wird. Nicht dank des Verbots. Eher deshalb, weil die Aufregung grösser war als das Problem. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.05.2011, 11:49 Uhr

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92 Kommentare

Michael Bernhard

14.05.2011, 16:02 Uhr
Melden 79 Empfehlung

2. Teil: welche vor 1400 Jahren für Begebenheiten die damals zählten, formuliert wurden. Im Gegensatz zum Christentum gab es im Islam noch keine Aufklärung und die Erkenntnis, dass die heilige Schrift nicht wortwörtlich auf die Moderne übertragen werden kann. Zudem ist der Islam, obwohl dauernde Gegenbeteuerungen kommen, latent frauendfeindlich ausgestaltet. Antworten


Hans Müller

14.05.2011, 13:34 Uhr
Melden 77 Empfehlung

Das Burkaverbot funtioniert offensichtlich, auch wenn der Artikelschreiber sich das Gegenteil einreden will. So wie es bei Tempo-Bussen immer noch Tempo-Bolzer gibt, gibt es bei Burka-Bussen immer noch Burka-Bolzer(innen). Aber eben deutlich weniger, und nicht immer mehr. Antworten



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