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Vincenzo Capodici
Reporter


«Sarkozy ist schon erledigt»

Aktualisiert am 23.04.2012

Die Rechte hat zwar die Mehrheit im Land. Dennoch wäre es ein Wunder, wenn Nicolas Sarkozy nach der Stichwahl in zwei Wochen französischer Präsident bleiben würde.

1/10 Der Amtsinhaber dürfte vor dem zweiten Wahlgang in die Offensive gehen, der Favorit kann aus der Defensive agieren: Nicolas Sarkozy und François Hollande. (Montage: DerBund.ch/Newsnet)

   

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Wahlen in Frankreich: Wer gewinnt die Stichwahl am 6. Mai?

Nicolas Sarkozy

 
41.0%

François Hollande

 
59.0%

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Das zweitgrösste EU-Land wählt den Staatspräsidenten. Bis der Sozialist François Hollande tatsächlich ins Elysée einziehen kann, stehen ihm noch zwei Wochen Konfrontation mit Nicolas Sarkozy bevor.

Stichwahl am 6. Mai

Umfrage sieht Hollande klar vorn

Der Sozialist François Hollande wird laut einer Umfrage vom Wahlabend auch die zweite Runde der französischen Präsidentschaftswahl gewinnen: Laut einer telefonischen Erhebung des Pariser Ifop-Institutes unmittelbar nach den ersten Prognosen am Sonntagabend würden sich 54,5 Prozent der Wähler für Hollande entscheiden, 45,5 Prozent für den konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy stimmen. Besonders beliebt ist Hollande demnach bei den Wählern unter 35 Jahren. Sarkozy hingegen überzeugt vor allem Franzosen über 65 Jahre. Der zweite Urnengang findet am 6. Mai statt.
Sollte sich Hollande bei der Stichwahl durchsetzen, wäre er der zweite sozialistische Präsident Frankreichs nach François Mitterrand. Dieser schied vor 17 Jahren aus dem Amt. Sarkozys Parteifreund Jacques Chirac gewann damals die Wahl. (vin/dapd)

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François Hollande hat die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy gewonnen. Trotz des knappen Vorsprungs werden dem Sozialisten die besten Aussichten auf einen Sieg in der Stichwahl am 6. Mai eingeräumt (siehe Infobox). Als entscheidend gilt das Verhältnis der Stimmen der beiden Lager. Gemäss ersten Berechnungen erreicht der linke Block rund 44 Prozent.

In der zweiten Runde dürfte Hollande wenig Mühe haben, die Stimmen der Anhänger von Jean-Luc Mélenchon auf sich zu vereinen. Linkskandidat Mélenchon hat kurz nach dem Urnengang dazu aufgerufen, den konservativen Präsidenten Sarkozy in der Stichwahl «zu schlagen». «Unser Volk scheint fest entschlossen zu sein, die Sarkozy-Jahre abzuschliessen», sagte Mélenchon, für den knapp zwölf Prozent der Franzosen stimmten. Auch die grüne Kandidatin Eva Joly, die auf zwei Prozent kam, sprach sich für Hollande aus.

Für die Stichwahl «bin ich in der besten Position», rief Hollande im zentralfranzösischen Tulle seinen Anhängern zu. «Am 6. Mai will ich einen Sieg, einen schönen Sieg», sagte er bei einem kurzen, umjubelten Auftritt. Laut Wahlforschern kann Hollande für das Duell in zwei Wochen nicht nur auf die Stimmen des linken Lagers, sondern auch auf Protestwähler des Front National (FN) hoffen.

Rechter Block mit UMP und MoDem kommt auf 37 Prozent

Der rechte Block, zu dem neben der Sarkozy-Partei UMP auch die Zentrumspartei MoDem von Präsidentschaftskandidat François Bayrou gezählt werden kann, kommt auf rund 37 Prozent. Schliesslich gibt es den Block der Rechtsextremen von Marine Le Pen mit 18 Prozent. Werden die Wähler von Sarkozy, Bayrou und Le Pen zusammengenommen, hat die Rechte sogar die Mehrheit im Land. Aber dies nützt Sarkozy praktisch nichts, weil diese Mehrheit nur theoretischen Wert hat.

Obwohl Amtsinhaber Sarkozy im Wahlkampf immer wieder FN-Anliegen thematisierte, haben den meisten Umfragen zufolge von den Wählern von Marine Le Pen nur etwa 30 Prozent vor, Sarkozy in der Stichwahl ihre Stimme zu geben. Die offizielle Position wird die Chefin des Front National am übernächsten Dienstag bekannt geben. Sarkozy hat sich schon in der ersten Rede nach den Hochrechnungen den Wählern am rechten Rand zugewandt. Die Beherrschung der Zuwanderung, der Wert der Arbeit und Sicherheit seien wichtig, sagte Sarkozy.

Le Pens Wahlkampfleiter Florian Philippot kündigte bereits an, man werde den konservativen Amtsinhaber nicht unterstützen. «Nicolas Sarkozy ist schon erledigt», sagte er.

Auch in der Mitte ist der Wunsch gross, Sarkozy wegzuhaben

Auch die Anhänger von Zentrumspolitiker Bayrou, für den heute zehn Prozent stimmten, dürften kein grosses Potenzial für Sarkozy bilden, denn auch in der Mitte ist der Wunsch gross, Sarkozy wegzuhaben. «Alles – ausser Sarkozy»: So lautet ein weitverbreiteter Slogan. Bayrou wollte vorerst keine Empfehlung für den zweiten Wahlgang abgeben. Er kündigte lediglich an, dass er den beiden Kandidaten zuhören und dann «seine Verantwortung» wahrnehmen werde.

In offiziellen Stellungnahmen betonen Parteiexponenten der UMP von Sarkozy und Mitstreiter wie Aussenminister Alain Juppé, dass noch nichts verloren sei. Sarkozy selber setzt die letzten Hoffnungen auf das TV-Duell gegen Hollande, das Anfang Mai stattfinden wird. Sarkozy verlangte am Sonntagabend, dass es drei Fernsehduelle geben solle. Hollande will nur ein Duell, wie es in Frankreich Tradition ist. Solche Auftritte im Fernsehen liegen dem begabten Wahlkämpfer Sarkozy, der immer wieder zur Grossmäuligkeit neigt. So sagte Sarkozy, dass er Hollande «zur Explosion bringen» werde.

Artikel mit Material der Nachrichtenagenturen AFP, DAPD und SDA (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.04.2012, 23:37 Uhr

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