Ausland
Sarkozy erhält die Quittung
Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 05.05.2012 61 Kommentare
Wahlen in Übersee haben begonnen
In Frankreich hat mit der Öffnung von Wahllokalen in Übersee die entscheidende Runde der Präsidentenwahl begonnen. Ab Mittag (1200 MESZ) konnten am Samstag 5000 Wahlberechtigte auf den Inseln Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Atlantikküste ihre Stimmzettel abgeben.
Im Laufe des Tages sollten in weiteren Überseegebieten wie den Karibikinseln Guadeloupe und Martinique die Wahllokale öffnen. Auf dem französischen Festland wird erst am Sonntag gewählt. (sda)
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Online: Die Stichwahl
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Ist das Rennen tatsächlich schon gelaufen? Nach einer langen, inhaltsarmen und gehässigen Kampagne wählen die Franzosen am Sonntag ihren Präsidenten. Und alles deutet darauf hin, dass es ein neuer sein wird: Der Sozialist François Hollande geht als Favorit in die Stichwahl.
Alle vier Umfrageinstitute, die am Freitag ihre letzten Studien publiziert haben, sehen ihn als Sieger – mit 5 bis 6 Prozent Vorsprung auf Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. Rechnet man den Schnitt der Umfragen aus, ergibt sich ein Kräfteverhältnis von 52,8 zu 47,2 Prozent. Neun von zehn Franzosen sagen, sie seien sich ihrer Wahlabsicht sicher. War es das also?
Nimmermüder Sarkozy
Sarkozy wurde bis zuletzt nicht müde, seinen Sieg anzukündigen. Seinen Anhängern rief er zu, er spüre eine «grosse Welle». So behielt er sein Wahlvolk mobilisiert. So gelang es ihm auch, den Rückstand auf Hollande in den letzten zwei Wochen zu verringern. Jeder zweite Wähler des Front National honoriert den radikalen Rechtskurs des Präsidenten. Mehr als jeder dritte Wähler aus dem Zentrum will ebenfalls für Sarkozy stimmen. Vielleicht kommen noch mehr dazu. Für einen Wahlsieg müssten die Voten aus verwandten Parteien aber deutlich zahlreicher sein.
Und das wären sie wohl nur dann geworden, wenn einer der Bewerber, die im ersten Wahldurchgang ausgeschieden waren, eine Empfehlung für Sarkozy ausgegeben hätte. Doch das tat keine(r) – eine Premiere in der 5. Republik. Nie seit 1958 ging ein Amtsinhaber ohne Wahlhilfe anderer Kandidaten ins Finale. Mehr noch: Seine möglichen Wahlhelfer Marine Le Pen vom Front National und François Bayrou vom Mouvement Démocrate bauen auf Sarkozys Niederlage. Le Pen hofft dies aus strategischen Gründen, weil das ihren Aufstieg begünstigen würde. Sie wird leer einlegen, und viele ihrer 6,4 Millionen Wähler werden sie wohl imitieren.
Der Zentrist hinter Hollande
Bayrou hofft auch aus persönlichen Gründen auf Sarkozys Abwahl. Er teilt zwar dessen Pläne für mehr Budgetdisziplin, konnte ihn als Person aber nie leiden. Sarkozys letzte Rechtskurve hielt er nun gar für «brutal» und im «Widerspruch zu unseren Werten». Bayrou geht noch weiter als Le Pen: Drei Tage vor der Stichwahl gab er bekannt, dass er Hollande wählen werde.
Auch das hat es in der 5. Republik noch nie gegeben: Kein Zentrist vom Kaliber Bayrous (3,3 Millionen Stimmen im ersten Wahlgang) hat sich je hinter einen sozialistischen Kandidaten gestellt. Frankreichs politische Mitte war zwar immer heterogen und volatil, eine Ansammlung von sozialen Christdemokraten und Liberalen: Doch sie gehörte selbst dann zur Familie der Rechten, wenn sie sich nicht explizit mit ihr verbündete. Der Bruch Bayrous kündigt also eine Neuordnung der Rechten an – vielleicht eine epochale.
Bayrou wird kein Linker werden. Doch er rechnet wie Le Pen damit, dass die grosse bürgerliche Sammelpartei Union pour un Mouvement Populaire (UMP) nach einer Abwahl Sarkozys implodieren würde und sie dann die Trümmer einsammeln und sich zu Leadern der neuen Rechten hochschwingen könnten: Die Frontistin als Anführerin einer nationalistischen, populistischen Rechten; der Zentrist als Versammler von Liberalen, Christdemokraten und linken Gaullisten. Es ist kein Zufall, dass Bayrou, der selber kein Neogaullist ist, Sarkozy nun der Verletzung gaullistischer Werte bezichtigt.
Beamte bringen sich in Position
Selbst in der engsten Entourage des Präsidenten ist der Glaube an eine Wiederwahl geschwunden. Sein Premier François Fillon wird so zitiert: «C’est cuit!» – unkulinarisch übersetzt: Der Mist ist geführt! Frühere Minister Sarkozys haben sich hinter Hollande gestellt. Auch Sänger, Schauspieler und ein Kollektiv von vierzig Ökonomen outeten sich als «Hollandistes».
In den Ministerien bringen sich seit Monaten hohe Beamte in Position, weil sie fürchten, sie könnten im Zug des Machtwechsels ihre Jobs verlieren. Hollande fühlte sich bemüssigt, die vielen Funktionäre und Botschafter, die bei ihm anklopften, zu Zurückhaltung zu drängen. Auch die vorfrühe Euphorie der Seinen, die sich bereits um Posten balgen sollen, massregelt er. Er erinnert sie daran, dass noch nichts gewonnen sei, dass die Franzosen erst noch wählen müssten. Oft aber wechselte auch er vom Konditional ins Futur, wenn er von sich in der Rolle des Präsidenten sprach. Vorsicht ist geboten. Demoskopen könnten sich ja auch täuschen. Aber gleich alle? Und über Monate? (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.05.2012, 09:43 Uhr
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61 Kommentare
noch ist es ein klein wenig zu früh zum jubeln
>> doch danach hoffe ich dass bald auch die merkel gegen eine stabile >rot / ROT / grün / priaten< regierungsqualition ausgewechselt wird
>> wir brauchen in europa wieder eine soziale marktwirtschaft
>> sonst haben wir bald wieder den feudalismus mit noch reicheren und mehr armut
>> ich hoffe auf den druck von der strasse, den SP und SGB schlafen
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Sarkozy scheint Geschichte zu sein. Hollande wird den Niedergang deutlich beschleunigen. All die hohen Beamten, das Heer staatlicher Oekonomen und die Minister, die sich schon vor der Wiederwahl neu an Hollande klammern, wären zu entlassen. Zudem wären die Fesseln zu lössen, die schon jetzt das Unternehmertum einschränken. On verra le contraire, malheureusement. Adieu la France ! Antworten
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