Ausland

Saddam Hussein plante Attentat in Prag

Kurz vor seinem Sturz wollte der irakische Diktator Radio Freies Europa abstellen – mit einer Panzerfaust.

Saddam Hussein.

Saddam Hussein.

Touristen sind im Herzen Prags keine Seltenheit. Doch dass sich da ein Mann mit Fotoapparat so gar nicht für Wenzelsplatz und Karlsbrücke interessierte, sondern ständig um den hässlichen Klotz des ehemaligen Parlaments herumschlich, machte die tschechische Polizei stutzig. Sie forschte nach und stiess auf Pläne für einen Anschlag gegen das amerikanische Radio Free Europe. Die Pläne stammen aus dem Jahr 2000, wurden aber erst jetzt vom tschechischen Inlandsgeheimdienst (BIS) der Öffentlichkeit bekannt gegeben.

Nachrichten auf Arabisch

Radio Free Europe / Radio Liberty (Radio Freies Europa) wurde im Kalten Krieg von den USA ins Leben gerufen, um die Länder des Warschauer Pakts mit unzensierten Nachrichten aus dem Westen zu versorgen. Die Redaktion befand sich in München und übersiedelte 1995 nach Prag, in das ehemalige von den Kommunisten errichtete Parlamentsgebäude, gleich neben Nationalmuseum und Wenzelsplatz. Zu diesem Zeitpunkt wurden für den Irak produzierte Nachrichten auf Arabisch ausgestrahlt. Die Sendungen waren dem Regime Saddam Husseins ein Dorn im Auge. Im Frühling 2000 gab der Diktator den Befehl zum Anschlag in Prag. Er wollte die Stimme der Freiheit, die man im Irak über Mittelwelle empfangen konnte, zum Schweigen bringen.

In der gegenüber dem Parlamentsgebäude gelegenen Washington-Strasse mieteten die Iraker eine Wohnung und planten, die Radioredaktion mit einer Panzerfaust zu beschiessen. Die Waffe russischen Typs kann bis zu 30 Zentimeter dicken Stahl durchschlagen. Die Operation wurde von der irakischen Botschaft in Prag geleitet, und die beteiligten Agenten waren als Diplomaten akkreditiert. Allerdings konnte der tschechische Geheimdienst einen Spitzel in die Botschaft schleusen und erfuhr so relativ früh von den Anschlagsplänen. Einige Diplomaten wurden noch im Jahr 2000 ausgewiesen, die Vorbereitungen für das Attentat gingen dennoch weiter. Mit diplomatischer Post wurden weitere Waffen geliefert.

Panzerfaust im Keller gefunden

Anfang April 2003 marschierten US-Truppen im Irak ein und stürzten Saddams Regime. Damit kamen auch keine Befehle mehr aus Bagdad an die irakische Botschaft in Prag. Allerdings dauerte es noch mehrere Wochen, bis das Waffenarsenal ausgehoben werden konnte. Im Keller des Hauses fand die tschechische Polizei 11 Pistolen, 4 Maschinenpistolen, 2000 Patronen und auch die Panzerfaust.

Das alte Parlamentsgebäude wurde als Schutz gegen Anschläge von der Polizei mit Betonsperren gesichert. Seit einiger Zeit ist Radio Free Europe in einem besser zu schützenden Gebäude am Stadtrand von Prag untergebracht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.12.2009, 07:07 Uhr

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