Ausland
«Retten Sie das Leben meiner Mutter»
Aktualisiert am 28.04.2012 32 Kommentare
Artikel zum Thema
- Strafprozess gegen Timoschenko vertagt
- Europäische Politiker stellen sich gegen die Ukraine
- Timoschenko tritt in den Hungerstreik
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Im Ringen um das Schicksal von Julija Timoschenko setzt ihre Tochter Jewgenija grosse Hoffnungen in die Weltöffentlichkeit, allen voran in Deutschland. Mit einem dramatischen Appell bat die 32-Jährige um Hilfe. «Retten Sie das Leben meiner Mutter, bevor es zu spät ist», sagte sie der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Ein Prozess gegen ihre Mutter wurde derweil auf Anordnung des zuständigen Richters vertagt. Ihre Anwälte erklärten, ihre Mandantin sei prozessunfähig und müsse wie von Ärzten der Berliner Charité empfohlen im Ausland behandelt werden.
Der Umgang der Ukraine mit der früheren Ministerpräsidentin Timoschenko erregte derweil weiter die Gemüter – in Berlin wie in Brüssel. Der deutsche Bundesaussenminister Guido Westerwelle zeigte sich über Berichte über Misshandlungen der Politikerin schockiert. EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle stellte gar die Aussicht der Ukraine auf eine Kooperation mit der Europäischen Union infrage.
Einen Tag nach der Bombenserie in Timoschenkos Geburtsstadt Dnipropetrowsk, bei der nach neuen Angaben mindestens 30 Menschen verletzt wurden, tappten die ukrainischen Ermittler bei der Suche nach möglichen Drahtziehern noch immer im Dunkeln.
Seit gut einer Woche im Hungerstreik
«Das Schicksal meiner Mutter und meines Landes sind jetzt eins. Wenn sie stirbt, stirbt auch die Demokratie», sagte Jewgenija Timoschenko. Ihre Mutter befindet sich seit gut einer Woche im Hungerstreik. Nach Aussage der Tochter ist sie «sehr schwach». «Sie trinkt nur Wasser. Ihre Rückenschmerzen sind viel schlimmer geworden, seitdem sie gegen ihren Willen mit Gewalt ins Krankenhaus gebracht wurde», sagte die Tochter der «Bild am Sonntag». Der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» berichtete sie, ihre Mutter sei vom Direktor der Strafkolonie in Charkow mit einem Faustschlag niedergestreckt worden.
«Meine Mutter wird ihren Hungerstreik weiterführen», sagte Jewgenija Timoschenko der Nachrichtenagentur DAPD. «Ich habe zwar versucht, sie davon abzubringen, weil ihre Gesundheit bereits angeschlagen ist. Aber sie sagte, sie wird nicht aufhören, bis die Führung in Kiew die medizinische Versorgung bewilligt, die von den Berliner Professoren Einhäupl und Haas vorgesehen ist.»
Die Absage einer Reise in die Ukraine von Bundespräsident Joachim Gauck wertete Jewgenija Timoschenko als «sehr starkes Signal der Unterstützung» und «Solidaritätssignal an die gesamte Opposition und alle politischen Gefangenen». Deutschland sei das Schlüsselland, um in Europa Druck auf die Ukraine auszuüben. Jewgenija Timoschenko appellierte an andere europäische Spitzenpolitiker, es Gauck gleichzutun: Kein europäischer Staatsmann mit Selbstrespekt könne sich neben den ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch stellen. «Er sollte boykottiert werden.»
Timoschenko verbüsst eine siebenjährige Haftstrafe wegen Machtmissbrauchs. Im Westen wurde der Prozess gegen sie als politisch motiviert kritisiert. Ein weiteres Verfahren wegen des Vorwurfs der Unterschlagung von mehreren Millionen Euro in ihrer Zeit als Vorsitzende eines Energieunternehmens wurde am Samstag auf den 21. Mai verschoben. Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich zuvor Anhänger und Gegner Timoschenkos versammelt und lautstark protestiert.
Kooperation mit EU auf dem Prüfstand
«Die Weise, in der die ukrainischen Behörden Julija Timoschenko behandeln, ist gegen alle Prinzipien der Partnerschaft zwischen der EU und der Ukraine», sagte EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle der «Welt am Sonntag» laut Vorabbericht. «Der Umgang mit ihr ist ein schmerzhafter Schandfleck für Kiew.» Die Aussicht des Landes auf eine Kooperation mit der EU stellte Füle dann auf den Prüfstand. «Wenn die Ukraine das angestrebte Assoziierungsabkommen mit der EU abschliessen will, muss sie sich an Gesetz und Demokratie halten. Die Regierung muss beweisen, dass der Vorwurf politisch motivierter Prozesse nicht gerechtfertigt ist.»
Auch der deutsche Bundesaussenminister Guido Westerwelle nahm die Regierung in Kiew im Fall Timoschenko in die Pflicht. Europäische Werte verlangten die Achtung von Grundrechten auch von Inhaftierten. «Ich fordere die ukrainische Regierung auf, in diesem Sinne ihrer Verantwortung für die Gesundheit von Julija Timoschenko und der anderen Häftlinge gerecht zu werden», appellierte der Aussenminister an die Regierenden in Kiew. Deutschland setze sich für eine Annäherung der Ukraine an die EU ein. Das gehe aber nicht ohne glaubwürdige Schritte zu mehr Rechtsstaatlichkeit.
Noch keine Hinweise zu Drahtziehern
Einen Tag nach den Bombenanschlägen im Osten der Ukraine herrscht weiter Rätselraten über die Hintergründe. Die Ermittler hätten die mutmasslichen Drahtzieher noch nicht identifiziert, sagte Präsident Janukowitsch. Bei vier Explosionen in Dnipropetrowsk wurden am Freitag mindestens 30 Menschen verletzt, darunter neun Schulkinder. Am Samstag reiste Janukowitsch in die Stadt, um sich in die Ermittlungen vor Ort einzuklinken. Bei der Eingrenzung möglicher Szenarien habe es Fortschritte gegeben, sagte der Präsident. Nähere Einzelheiten nannte er jedoch nicht. Für Hinweise zur Ergreifung von Tatverdächtigen setzten die Behörden eine Belohnung von zwei Millionen Hrywnja aus.
(kle/dapd)
Erstellt: 28.04.2012, 21:50 Uhr
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32 Kommentare
Nicht schlecht....man geht in den Hungerstreik und keiner hinterfragt, was genau hat Timoschenko während ihrer Amtszeit "undemokratisches" gemacht!! Vetternwirtschaft? Korruption? Und alle Westlichen Politiker rennen auf dem "Solidaritätszug" mit....und wetten wir, dass nicht mal die hälfte dieser Politiker weiss, wie man Timoschenko schreibt!!?? Antworten
Sowohl die Gasprinzessin wie auch ihre Tochter sehen gut aus und sind redegewandt. Diese Eigenschaften braucht Julia Timoshenko auch, um für die abservierten Millionen milder bestraft zu werden als ein gewöhnlich sterblicher Tagedieb. Eigentlich müsste Herr Gauck der ukrainischen Justiz gratulieren, dass sie vor den oberen Zehntausend nicht Halt macht. Antworten
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