Ausland

Paris wird nicht mehr Paris sein

Von Stephan Israel. Aktualisiert am 23.04.2012 14 Kommentare

Frankreichs europäische Partner schwanken mit Blick auf einen möglichen Machtwechsel zwischen Hoffen und Bangen.

Keine rosigen Aussichten: Womöglich wird der neue Präsident Frankreichs das Schicksal des Euro besiegeln.

Keine rosigen Aussichten: Womöglich wird der neue Präsident Frankreichs das Schicksal des Euro besiegeln.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Euro (EUR/CHF)

  • Euro (EUR/CHF)
[Alt-Text]

Teilen und kommentieren

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Werbung

Wer auch immer am Ende gewinnt, Frankreich wird für die Europäer ein schwieriger Partner. Frankreich befinde sich in einem Zustand der Realitätsverweigerung, konstatierte das britische Wirtschaftsmagazin «The Economist» und brachte eine verbreitete Stimmung auf den Punkt. Favorit François Hollande versprach ebenso wie Amtsinhaber Nicolas Sarkozy die Rückkehr in eine heile Welt. Kein Wunder, befürchten viele nach der Stichwahl im Mai ein böses Erwachen.

François Mitterrand habe als letzter sozialistischer Präsident einst knapp zwei Jahre Zeit gehabt, seinen Linkskurs zu korrigieren, erinnern befreundete Regierungspolitiker und mahnen: Hollande werde nach einem Wahlsieg höchstens eine Frist von zwei Monaten haben, um den Franzosen reinen Wein über die wirtschaftliche Lage einzuschenken. Vor dem Hintergrund nervöser Finanzmärkte ist kein Spielraum für Experimente. Überall wird derzeit in Europa über Sparmassnahmen und Strukturreformen geredet, nur im französischen Wahlkampf nicht. Das befremdet selbst europäische Genossen der französischen Sozialisten.

Angst im Norden

Vielleicht entscheidet sich das Schicksal des Euro nicht in Italien oder Spanien, sondern in Frankreich. Dort ist die Neuverschuldung nicht im Griff, die Arbeitslosigkeit hoch und die Wettbewerbsfähigkeit stark rückläufig. Rezepte dagegen? Fehlanzeige. Regierungspolitiker aus nördlichen EU-Staaten machen deshalb aus ihren Ängsten in Hintergrundgesprächen kein Geheimnis: Die Finanzmärkte könnten sich schnell auf Frankreich einschiessen, sollte Hollande wie angekündigt den zwischen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Sarkozy vereinbarten Kurs gegen die Eurokrise grundsätzlich infrage stellen.

Deutschland muss überhaupt befürchten, in der Eurokrise mit seinem Sparkurs noch isolierter dazustehen als schon bisher. Und zwar unabhängig davon, ob Hollande oder Sarkozy das Rennen macht. Beim Amtsantritt vor fünf Jahren hatte Sarkozy noch die «Rückkehr Frankreichs nach Europa» angekündigt. Im Wahlkampf spielte er ohne Rücksicht auf europäische Partner und immer unverschämter die nationale Karte. Sollte Sarkozy die Stichwahl gewinnen, dürfte er gegenüber Merkel wieder selbstbewusster auftreten als bisher. Frankreichs sozialistischer Favorit steht ohnehin für alles, was Angela Merkel bisher ablehnt. Hollande will über Konjunkturprogramme reden statt über neue Sparprogramme. Er ist ein Befürworter von Eurobonds, also gemeinsamen Schuldscheinen, und einer aktiven Rolle der Europäischen Zentralbank.

Hoffnung im Süden

Doch der wahrscheinliche Machtwechsel weckt auch Hoffnungen, vor allem in den südlichen EU-Staaten. Bei der konservativen Regierung in Madrid sind Sarkozys jüngst geäusserte despektierliche Kommentare über Spanien schlecht angekommen. Umso mehr als Spanien die Reformen zumindest eingeleitet hat, die in Frankreich noch immer von links bis rechts tabu sind.

Für Spanien, Portugal oder Griechenland wäre ein Präsident François Hollande aber vor allem ein willkommener Verbündeter, um gegenüber Berlin mehr Flexibilität bei den Sparzielen und einen stärkeren Akzent auf Wachstumsimpulse durchzusetzen. Auch die EU-Kommission in Brüssel und Übergangspremier Mario Monti in Rom könnten einem Ende der Ära «Merkozy» positive Seiten abgewinnen. Ähnlich wie Hollande unterstützt Monti den Brüsseler Vorschlag für Eurobonds, mit denen sich die Eurozone besser gegen Spekulanten wappnen könnte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.04.2012, 17:28 Uhr

14

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

14 Kommentare

Florian Inhausen

23.04.2012, 07:36 Uhr
Melden 48 Empfehlung 0

So oder so,die Lage ist jetzt ganz verfahren. Gewinnt Sarkozy (das kleinere Übel), muss er sich je länger je intensiver mit der franz. Überschuldungspolitik auseinandersetzen - er konnte wenigstens bis jetzt immer A.Merkel für seine kruden Ideen gewinnen. Hollande aber wird das Land schneller in den Ruin führen. Er wird Merkel ignorieren und sich mit den sozialistischen Pleiteländern verbünden. Antworten


seiler martin

23.04.2012, 07:30 Uhr
Melden 34 Empfehlung 0

Frankreich wird nicht erwachen als eher im Schlaf sterben Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen


Jetzt wechseln und sparen

Finden Sie in nur fünf einfachen Schritten die optimale Fahrzeugversicherung.

Fernstudentin an der FFHS

Award für beeindruckende Weiterbildungsbiografie

Genusswelt

Besuchen Sie unsere Genusswelt und entdecken Sie die Welt des Genuss!

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.