Papst für harte Linie gegen pädophile Priester
Von Michael Meier. Aktualisiert am 17.03.2010 4 Kommentare
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Das bereits für Mitte März erwartete Schreiben sollte ursprünglich an die Kirche in Irland gerichtet werden, in der es in den letzten Jahrzehnten zu Tausenden von Missbrauchsfällen gekommen war. Wegen der internationalen Dimension der Missbrauchsskandale will der Papst den Brief nun aber auch an andere Landeskirchen zum Beispiel in Deutschland und Österreich adressieren. Noch Ende dieser oder Anfang nächster Woche werde er ein Pastoralschreiben zum Thema Missbrauch veröffentlichen, verlautet aus dem Vatikan, nachdem in den letzten Tagen - auch innerhalb der Kirche - Kritik laut geworden war, Benedikt XVI. habe es versäumt, sich zu all den publik gewordenen Fällen zu äussern.
Nach Informationen des «Corriere della Sera» wird das Kirchenoberhaupt im Hirtenbrief eine harte Linie vertreten und «konkrete Lösungen» anbieten. Der Papst wolle die Stellung der Bischöfe gegenüber den Orden und deren Bildungseinrichtungen stärken, um wirksamer gegen sexuellen Missbrauch vorgehen zu können. Orden sind vom Bischof rechtlich unabhängig. Dieser muss sich aber um das Wohl der gesamten Diözese kümmern.
Münchner Priester suspendiert
Inzwischen wird der Papst in Sachen Missbrauchsfälle gewissermassen von der eigenen Vergangenheit eingeholt. Das Erzbistum München gab gestern bekannt: Ein wegen sexuellen Missbrauchs verurteilter Priester, der 1980 mit dem Einverständnis des damaligen Münchner Erzbischofs und heutigen Papstes nach Bayern geholt worden war, sei suspendiert worden. Der zuletzt in der Erzdiözese als Tourismus-seelsorger tätige Priester H. habe gegen die Auflage verstossen, sich von Kinder- und Jugendarbeit fernzuhalten. Hinweise auf neuerlichen sexuellen Missbrauch lägen aber nicht vor.
Joseph Ratzinger hatte als Münchner Erzbischof 1980 seinen Segen dazu gegeben, dass der bereits als pädophil aufgefallene Priester H. von Essen nach München versetzt wurde. Der Geistliche sollte sich einer Psychotherapie unterziehen, wurde aber, angeblich ohne Wissen Ratzingers, wie das Ordinariat erklärt, wieder in der Seelsorge eingesetzt. In einer Gemeinde in Oberbayern verging sich der Priester dann erneut an Jugendlichen und wurde 1986 von einem Gericht verurteilt. Trotzdem wurde er später erneut als Seelsorger in Pfarreien eingesetzt.
Erst nachdem die «Süddeutsche Zeitung» den Fall vergangene Woche publik gemacht hatte, räumte die Erzdiözese München Fehler in dem Fall ein. Am Montag trat der Vorgesetzte von H., Prälat Josef Obermaier, als Leiter des Seelsorgereferats der Erzdiözese zurück.
Missbrauch hat nichts mit Zölibat zu tun
Während in den deutschsprachigen Ländern praktisch jeden Tag neue Missbrauchsfälle in katholischen Bildungseinrichtungen bekannt werden, behauptet Markus Walser, der Generalvikar von Erzbischof Wolfgang Haas im Erzbistum Vaduz: «Mir sind hierzulande keine Fälle sexuellen Missbrauchs durch Priester bekannt.» Ohnehin habe sexueller Missbrauch nichts mit dem Zölibat zu tun, erklärte er dem «Liechtensteiner Vaterland». Bei den aktuellen Fällen gehe es eher um die konkreten Lebensumstände in Internaten, sagte Walser. In den meisten Fällen sexuellen Missbrauchs seien Verwandte die Täter. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.03.2010, 10:42 Uhr
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4 Kommentare
Der Vatikan wies die katholischen Bischöfe in der ganzen Welt an, Fälle von sexuellem Missbrauch zu decken oder Gefahr zu laufen, exkommuniziert zu werden. Und Herr Ratzinger ist voll involviert... soviel zu der angeblich "harten Linie" des Papstes ! Antworten
Das kann schon sein, dass in den meisten Fällen im nähere Umfeld die Täter sind. Der gravierende Unterschied liegt daran, dass die Kirche Hüterin der Seelen ist. Jedenfalls behauptet sie das. Ob das jetzt mit dem Zölibat zu tun hat oder nicht ist mir eigenlich wurst. Diese Kirche hat kein Recht Offizialdelikte selbst zu ahnden und zu bestrafen. Keine Parallelgesellschaft durch den Vatikan. Antworten
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