Ausland

Nina Merli
Reporterin


Papas Liebling

Aktualisiert am 20.02.2012

Der ehemalige italienische Premier lässt keine Gelegenheit aus, um Werbung für seinen Nachfolger in spe Angelino Alfano zu machen. Wer ist dieser sizilianische Anwalt, den der Cavaliere grossgezogen hat?

1/5 «Gut gemacht»: Silvio Berlusconi gratuliert Angelino Alfano zur Wahl des Chefsekretärs der Partei PDL. (1.7. 2011)
Bild: Keystone

   

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Silvio Berlusconi will nicht mehr an vorderster Front politisieren. Dies hat der ehemalige italienische Premierminister seit seinem Rücktritt im November letzten Jahres immer wieder betont. «Ich habe meinen Posten geräumt – und zwar mit Eleganz», sagte Berlusconi Anfang Februar gegenüber der «Financial Times», stellte aber im selben Interview klar, dass er als «Gründervater» seiner Partei Popolo della Libertà (PDL – Volk der Freiheit) hinter den Kulissen weiterhin aktiv bleiben wolle.

Seit Anfang an dabei

Das reicht auch. Denn einen Ziehsohn hat er längst gefunden – und aufgebaut: Angelino Alfano, 41 Jahre alt, ehemaliger Justizminister und aktuell Chefsekretär der Partei. Angelino Alfano ist es gewohnt, Vaterfiguren nachzueifern. So tritt der in Sizilien aufgewachsene Angelino schon früh in die Fussstapfen seines Vaters, Angelo Alfano, Politiker der damals wichtigsten Partei, der Democrazia Cristiana (DC). Während des Gymnasiums wird er Mitglied der Partei und ist in deren Jugendorganisation Movimento Giovanile aktiv. Später, als Student, zieht Alfano von Sizilien in den Norden Italiens, nach Mailand, wo er Rechtswissenschaft an der katholischen Università Sacro Cuore studiert.

Hier wird er erstmal auf den Unternehmer Silvio Berlusconi aufmerksam, der mit seiner Partei Forza Italia das Land vor dem Kommunismus retten will. Angelino Alfano, damals 24-jährig und voller Ehrgeiz, will in der Politik mitmischen. Er wechselt zur neu gegründeten Partei Berlusconis, wo er schon bald durch seinen Fleiss auffällt. Fünf Jahre lang (1996–2001) sitzt Alfano im sizilianischen Regionalparlament, wo er Koordinator für Forza Italia in der Region Sizilien ist. Während dieser Zeit besucht er eine Hochzeit, die ihm später fast zum Verhängnis wird. Der Tageszeitung «La Repubblica» wird 2002 ein Hochzeitsvideo zugespielt, das einen jungen Mann zeigt, der den Vater der Braut innig umarmt und ihm zum schönen Fest gratuliert. Dabei handelt es sich um Croce Napoli, einen sizilianischen Mafiaboss. Alfano dementiert jegliche Nähe zur Mafia. Silvio Berlusconi stellt sich schützend hinter ihn.

Den Platz für einen «äusserst fähigen jungen Mann räumen»

Wie ernst es dem Ex-Premier damit ist, Angelino Alfano als seinen Nachfolger ins politische Rennen zu schicken, wird klar, wenn man beobachtet, mit welcher Intensität der Premier die Werbetrommel für seinen Zögling rührt. Kein Interview, kein öffentlicher Auftritt und praktisch auch kein Facebook-Eintrag mehr, in dem der Name Angelino Alfano nicht fällt. «Meine Generation muss sich zurückziehen und den Jungen Platz machen», sagte Berlusconi am Wochenende gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur Efe.

Doch was hat dieser junge Mann so Ausserordentliches geleistet, um eine derart wichtige Funktion, wie die Nachfolge Berlusconis anzutreten? Alfano ist vor allem für die von ihm als Justizminister (2008 - 2011) eingeführte «Lodo Alfano» in Erinnerung geblieben: Das umstrittene Gesetz sah die Aufhebung von Gerichtsprozessen gegen die Inhaber der vier höchsten Staatsämter während ihrer Amtszeit vor (also für den Staatspräsidenten, den Ministerpräsidenten, den Senatspräsidenten und den Präsidenten der Abgeordnetenkammern). Ein Gesetz, das er eigens auf Silvio Berlusconi massgeschneidert hatte aber knapp ein Jahr später, im Oktober 2009 durch das italienische Verfassungsgericht für ungültig erklärt wurde.

Auch in den eigenen Reihen umstritten

Angelino Alfano gibt sich bisher sehr bedeckt, was seine Kandidatur als Berlusconi-Nachfolger betrifft. Er habe sich noch nicht entschieden und wolle sich vorerst auf seine Arbeit konzentrieren, antwortete er in einem Fernsehinterview auf seine politische Zukunft angesprochen. Gegner Berlusconis bezeichnen den jungen Anwalt als Marionette und werfen ihm Profillosigkeit vor. Doch kritische Stimmen kommen auch aus dem eigenen Lager: So äusserte PDL-Politiker und Präsident der Region Lombardei Roberto Formigoni unlängst in einem Interview mit der Tageszeitung «La Repubblica» seine Zweifel an Angelino Alfano und schlug vor, auch weitere Kandidaten zu berücksichtigen. Doch Silvio Berlusconi hält an seiner Wahl fest und nennt keine weiteren Namen. «Ich werde in der Partei bleiben, ihn unterstützen und den nötigen Support organisieren, den er braucht», sagte Silvio Berlusconi in einem Interview in der aktuellen Ausgabe der US-Zeitschrift «The Atlantic».

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.02.2012, 14:35 Uhr

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