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Raphaela Birrer
Redaktorin News


Nur ein K.-o.-Schlag kann Sarkozy noch retten

Aktualisiert am 02.05.2012 27 Kommentare

Heute um 21 Uhr dürfte sich Nicolas Sarkozys politische Zukunft entscheiden. Das finale TV-Duell fünf Tage vor dem zweiten Wahlgang ist seine letzte Chance, das Ruder herumzureissen – dafür zählt jedes Detail.

Bereiten sich auf das finale Duell vor: Nicolas Sarkozy (rechts) und sein Herausforderer François Hollande.

Bereiten sich auf das finale Duell vor: Nicolas Sarkozy (rechts) und sein Herausforderer François Hollande.
Bild: AFP

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Hollande gemäss aktuellsten Zahlen vorne

Die jüngsten Prognosen sehen Hollande weiter in der Favoritenrolle – wenn auch mit leicht geschrumpftem Vorsprung vor Amtsinhaber Sarkozy. Gemäss heute veröffentlichten Zahlen des Instituts TNS wollten zuletzt 53,3 Prozent der wahlberechtigten Franzosen am kommenden Sonntag für den Herausforderer von Präsident Sarkozy stimmen. Dieser kam dementsprechend nur auf 46,5 Prozent.

Die Meinungsforscher wiesen allerdings darauf hin, dass der Abstand zwischen den beiden Kontrahenten zuletzt schrumpfte. Bei der vorangegangenen Befragung vor rund einer Woche hatte dieser noch bei neun Prozentpunkten gelegen, jetzt sind es nur noch sieben.

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DerBund.ch/Newsnet berichtet ab 21 Uhr live über das TV-Duell in Frankreich.

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Seit Jahren erkennen politische Beobachter die Tendenz, dass sich Medien bei ihrer Berichterstattung über politische Wahlkämpfe der Rhetorik sportlicher Grossanlässe bedienen. Das trifft nun auch auf das finale öffentliche Duell zwischen Nicolas Sarkozy und François Hollande zu. Das heutige TV-Ereignis vor 20 Millionen Zuschauern wird mehr als Boxkampf denn als kultivierter Schlagabtausch zweier Staatsmänner stilisiert.

Wenn die beiden Anwärter auf das französische Präsidentenamt heute Abend um 21 Uhr in den medialen Ring steigen, bleibt Sarkozy nur ein K.-o.-Schlag übrig, lautet die übereinstimmende Einschätzung französischer Kommentatoren. Denn kann er sich seinen Weg zurück an die Spitze der Umfragewerte nicht frei boxen, dürfte für ihn das Rennen um sein Amt gelaufen sein. Schon ein Unentschieden gehe zugunsten seines Herausforderers Hollande, sind sie überzeugt.

DSK könnte wieder zum Thema werden

Diese Ausgangslage dürfte dem Niveau der Debatte kaum zuträglich sein. Vielmehr müsse Sarkozy noch ein letztes Mal aufholen und seinen Gegner attackieren, während dieser sich damit begnügen könne, seinen Vorsprung zu verteidigen, berichtet etwa die «Süddeutsche Zeitung» auf ihrer Homepage. Sarkozy könnte gar versucht sein, die Affäre um den ehemaligen IWF-Chef und Anwärter auf eine sozialistische Präsidentschaftskandidatur Dominique Strauss-Kahn wieder aufzugreifen, um auf diese Weise schmutzige Wäsche zu waschen.

Inhaltlich ist daher wohl kaum Bahnbrechendes zu erwarten. Hollande kann den Amtsinhaber zwar ein letztes Mal mit dessen schlechter Regierungsbilanz provozieren; gleichzeitig hat er bisher kaum präzise Auskünfte über sein Regierungsprogramm geliefert.

Keinem der beiden Kandidaten sei es bisher gelungen, den Bürgern ein klares Rezept für den Weg aus der Krise zu vermitteln, und keiner habe die künftige Gestaltung Europas deutlich umrissen, resümiert denn auch die «Süddeutsche online».

Raumtemperatur exakt festgelegt

Doch wie kann Sarkozy angesichts der prognostizierten Niederlage – die Demoskopen sehen ihn sechs Prozent im Rückstand – überhaupt noch punkten? Dafür zählt für den Präsidenten jedes Detail. Und auch sein Herausforderer Hollande darf sich nicht zu siegesgewiss geben – eine minutiöse Vorbereitung zählt für ihn ebenso.

Daher wird nichts dem Zufall überlassen: Seit Wochen verhandeln die Berater der beiden Kontrahenten mit den TV-Verantwortlichen über die Bedingungen im Studio: So soll etwa die Temperatur im üblicherweise warmen Fernsehstudio gemäss der französischen Zeitung «Le Figaro online» genau 20,5 Grad Celsius betragen – schliesslich will keiner der Kandidaten angesichts perlender Schweisstropfen auf der Stirn den Eindruck erwecken, er sei zu arg unter Druck geraten.

Sarkozy habe vor fünf Jahren die Temperatur gar noch weiter auf 19 Grad senken wollen, denn er neige zum Schwitzen, heisst es in dem Bericht weiter. Seine damalige Kontrahentin Royal dagegen hätte sie gerne erhöht. Über Hollandes Temperaturpräferenzen ist indes nichts bekannt. Fest steht aber: Unabhängig vom Klima dürfte es hitzig zu und her gehen.

250 Zentimeter trennen die Gegner

Wert legten die beiden Wahlkampfteams zudem auf die Einrichtung des Studios: Ein 250 Zentimeter langer Glastisch trennt die Kontrahenten, und der Saal soll betont nüchtern eingerichtet sein.

Bisher sind Hollande und Sarkozy in diesem Rahmen übrigens erst als Parteipolitiker gegeneinander angetreten. Beobachter hatten ihnen dabei gemäss «Figaro online» jeweils ein Unentschieden attestiert. Doch auch damals war der Ton bereits rau. Mit Hollande laufe es immer gleich, beklagte sich Sarkozy 1999: Zuerst sei er höflich, dann werde er frech. Hollande zeigte sich damals schlagfertig: «Sie sind weder zu Beginn noch am Ende höflich.»

Fazit: Den Franzosen steht heute zwar keine qualitativ hochstehende, aber eine spannende Debatte bevor. Und ein letzter Funke Hoffnung besteht für Sarkozy noch, sollte er den Kampf heute nicht deutlich für sich entscheiden: Die detaillierte Analyse der Kommentatoren in den Zeitungen von morgen sei für die öffentliche Meinungsbildung ebenso relevant wie die subjektiven Eindrücke des Publikums am Fernsehabend, zitiert «Figaro online» einen Politologen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.05.2012, 15:33 Uhr

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27 Kommentare

Werner Hebeisen

02.05.2012, 13:54 Uhr
Melden 21 Empfehlung 0

Für Hollande könnte es ein Fiasko werden.
Den Redner Hollande, den man in den Medien hört und sieht entspricht nicht seiner Natur wo alles rund ist. Das Fäuste heben, mit den Armen fuchteln hat man nie gesehen.Alles antrainiert. Dazu kommt, dass er kein Redner ist der aus dem Stegreif reden und antworten kann. Man sieht oft,dass er abliest und meist nur kurze, halbfertige Sätze von sich gibt.
Antworten


Heinrich Schibli

02.05.2012, 14:17 Uhr
Melden 14 Empfehlung 0

Hollande ist gegen Sarkozy insofern im Vorteil, da er über die grössere Reichweite verfügt. Und wenn beide barfuss antreten müssten, würde Hollande Sarkozy um Haupteslänge überragen. Da kann man jemand auf Distanz halten, auch ohne einen K.-o.-Schlag anzubringen, denn dann würde der Mitleid-Effekt spielen! Antworten



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