Falsche Juden im Araberviertel
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Das niederländische Justizministerium und die Stadtverwaltung von Amsterdam prüfen derzeit die Möglichkeit, verdeckt arbeitende Ermittler mit typisch jüdischen Kopfbedeckungen (Kippa) auf die Strassen zu schicken, um Antisemiten dingfest zu machen.
Auslöser zu der neuen Diskussion war die Ausstrahlung eines versteckt aufgenommenes Video eines kleinen jüdischen Senders in der vergangenen Woche. Es zeigt zwei Jugendliche und einen Rabbi mit Kippa auf dem Kopf beim Gang durch ein vor allem von Marokkanern bewohntes Viertel Amsterdams. Sie ernteten böse Blicke und Beleidigungen, und in einem Fall streckte ein Mann ihnen den Hitlergruss entgegen.
«Seit mittlerweile zehn Jahren können Juden, die durch ihre Kleidung als solche zu erkennen sind, nicht mehr friedlich durch die Strassen laufen», erklärte das Zentrum für Information und Dokumentation Israel, eine jüdische Aktivistengruppe in den Niederlanden. Antisemitische Zwischenfälle dieser Art würden fast nie bestraft. In jüngsten Presseberichten war von wachsendem Antisemitismus in den Niederlanden aufgrund von Reibereien mit der muslimischen Minderheit zu lesen. Muslime machen rund sechs Prozent der niederländischen Bevölkerung aus.
Regierung will Aufklärungsarbeit an Schulen verbessern
Justizminister Ernst Hirsch Ballin erklärte am Donnerstag vor dem Parlament dagegen: «Der Antisemitismus nimmt nicht zu», und berief sich auf die offizielle Statistik der vergangenen Monate. «Die Zahl der Vorfälle steigt und sinkt, und das hängt mit den Spannungen im Nahen Osten zusammen», sagte er. Dennoch kündigte er ein Programm an, das mehr Mittel für die Untersuchung antisemitischer Vorfälle und für Aufklärungsarbeit in den Schulen bereitstellen soll.
In der grössten niederländischen Stadt Amsterdam stieg laut amtlicher Statistik die Zahl antisemitischer Diskriminierungen von 17 im Jahr 2008 auf 41 im vergangenen Jahr. Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl von Diskriminierungsfällen aufgrund der Hautfarbe oder des Herkunftslandes von 232 auf 336 zu. Der amtierende Bürgermeister Lodewijk Asscher erklärte, er denke über den Einsatz verdeckter Ermittler und «anderer unorthodoxer Methoden» nicht nur gegen Antisemitismus, sondern generell gegen Rassismus und Schwulenfeindlichkeit nach. Spezifische Pläne gebe es derzeit aber noch nicht. (mt/dapd)
Erstellt: 25.06.2010, 23:40 Uhr
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