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Nasse Haare, nasser Anzug, nasser Präsident

Aktualisiert am 15.05.2012 15 Kommentare

François Hollande zieht in den Elysée-Palast ein. Bei der Ehrenfahrt über die Champs-Elysées regnete es in Strömen. Am Abend wird der neue französische Präsident Angela Merkel in Berlin treffen.

1/20 Sein erster Tag als Präsident war vor allem nass: François Hollande auf der Champs-Elysée. (15. Mai 2012)
Bild: Keystone

   

In seiner Antrittsrede kündigte Francois Hollande einen Pakt an, der Schuldenabbau und Wachstumsförderung verbinden soll. Am Nachmittag reist der neue Präsident zum Antrittsbesuch nach Berlin. (Video: Reuters )

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Jean-Marc Ayrault: Frankreichs neuer Premierminister

Jean-Marc Ayrault: Frankreichs neuer Premierminister
Der Favorit machte das Rennen: Der neue Premierminister von Frankreich heisst Jean-Marc Ayrault.

Amtseinführung ohne Kinder

Wie sein Vorgänger Nicolas Sarkozy hat auch der neue französische Präsident François Hollande eine grosse Familie. Im Gegensatz zum scheidenden Staatschef präsentierte Hollande allerdings seine vier erwachsenen Kinder am Dienstag zur Amtseinführung nicht der Öffentlichkeit. «François Hollande wurde zum Präsidenten gewählt, nicht seine Familie», sagte die Mutter seiner Kinder, die sozialistische Politikerin Ségolène Royal, im Vorfeld. Die Kinder hätten sich bewusst gegen eine Teilnahme an der Zeremonie im Elysée-Palast entschieden, um nicht ein ähnliches Bild wie bei der Amtseinführung Sarkozys vor fünf Jahren zu bieten, ergänzte Hollandes Ex-Partnerin. Der konservative Präsident hatte zu seiner Amtseinführung seine beiden Söhne aus erster Ehe, die beiden Töchter seiner damaligen Frau Cécilia und den gemeinsamen kleinen Sohn Louis über den roten Teppich vor dem Elysée-Palast laufen lassen. Hollande verzichtet auf den Patchwork-Effekt: Die drei Söhne seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler waren ebenfalls nicht bei der Feier dabei. (AFP)

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François Hollande hat sich im kalten Nieselregen von seinen Anhängern auf den Champs-Elysées feiern lassen. Der neue französische Präsident will nicht nur ein «normaler» Staatschef sein, sondern auch ein moderner. Deshalb fuhr der 57-Jährige nach seiner Amtseinführung mit einem Hybridauto der Marke Citroën, das sowohl einen Diesel- als auch einen Elektromotor hat, über die Pariser Champs-Elysées zum Arc de Triomphe. Extra für den neuen Staatschef hatte Citroën in den silbergrauen DS5 ein Verdeck eingebaut, so dass Hollande im Auto stehen und in die Menge winken konnte.

Das Wetter machte dem Sozialisten allerdings einen Strich durch die Rechnung: Es regnete in Strömen, als der neue Staatschef die Pariser Prachtmeile entlangrollte. Völlig durchnässt kam Hollande am Arc de Triomphe an, um am Grabmal des unbekannten Soldaten einen Kranz niederzulegen. Zurück fuhr der Präsident dann in einem zweiten, trockenen Auto – bei geschlossenem Dach.

«Wir sind ein grosses Land»

Zuvor machte Hollande in seiner Antrittsrede allen Franzosen Hoffnung auf die Zukunft. «Wir sind ein grosses Land, das schon viele Krisen durchgestanden hat», sagte der Sozialist. «Ich werde Frankreich wieder aufbauen und zum Frieden in der Welt und der Bewahrung der Erde beitragen», sagte Hollande. Er wolle als Präsident gerecht und vorbildlich handeln. «Alle Franzosen sollen mit meiner Hilfe vereinigt zusammen leben, unabhängig von Herkunft, Alter und Beruf.»

Auch an Europa richtete der frisch ernannte Präsident eine Botschaft: Er werde seinen europäischen Partnern einen Pakt vorschlagen, der einerseits das Defizit verringern, aber auch das Wachstum stimulieren solle. Es könne nicht akzeptiert werden, dass die Mehrheit unter der Krise leide und eine Minderheit weiter davon profitiere.

Bewusste Abgrenzung von Sarkozy

Am Morgen hatte Hollande im Elysée-Palast seinen Vorgänger Nicolas Sarkozy getroffen. Das minutiös fest gelegte Ritual will es, dass der scheidende Präsident seinem Nachfolger die Regeln zur Bedienung der französischen Atombombe und auch einige sensible Dossiers erklärt. Die Inhalte dieser rund zwanzigminütigen Unterhaltung bleiben traditionell geheim. Sarkozy verliess den Elysée-Palast unter dem Beifall einiger Anhänger am Strassenrand und an der Seite seiner Frau Carla Bruni. Nach Medienberichten soll Sarkozy nun zu einem zweiwöchigen Urlaub mit seiner Frau und seiner Tochter aufbrechen.

Hollande hob sich mit seinem Festakt bewusst von Sarkozy ab: Hatte der Konservative vor fünf Jahren seine Familie, Stars und reiche Freunde zur Zeremonie eingeladen, trat Hollande nur mit seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler auf. Zudem hatte er die französischen Nobelpreisträger und die Vertreter aller grossen Gewerkschaften Frankreichs eingeladen. Ein Symbol für seine Verbundenheit mit der Arbeiterklasse und der Wissenschaft, die er im Laufe seines Wahlkampfs mehrfach beschwor.

Neuer Premier: Jean-Marc Ayrault

Eigentlich wollte François Hollande diese Neuigkeit erst am Nachmittag in einer Pressemitteilung verbreiten. Doch das Geheimnis wurde schon früher gelüftet: Jean-Marc Ayrault wird der künftige Premierminister Frankreichs sein. Dies kündigte der Chef der Finanzmarktaufsicht AMF, Jean-Pierre Joyet, im Radiosender RTL an.

Joyet, enger Freund von Hollande, hat sich mit seiner Ankündigung also möglicherweise zu weit vorgewagt. Allerdings galt Ayrault ohnehin als grosser Favorit: Als langjähriger Abgeordneter und Fraktionschef kennt er die Regeln des Parlaments. Vor allem soll er als Deutschlehrer viele Kontakte im Nachbarland pflegen und kann so sicherlich das deutsch-französische Tandem weiterbringen. Die weitere Besetzung des Kabinetts soll Hollande erst nach der Rückkehr aus Berlin morgen bekannt gegeben.

Erste Reise nach Berlin

Die erste Auslandreise führt Hollande noch am Abend nach Berlin. Dort steht ein erstes Treffen mit Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Programm. Wichtigstes Thema ist die Suche nach einer gemeinsamen Lösung für die Eurokrise. Beschlüsse werden allerdings keine erwartet.

Der 57-jährige Hollande war am vorvergangenen Sonntag zum Nachfolger des Konservativen Nicolas Sarkozy gewählt worden. Er ist in der Geschichte der Fünften Republik seit 1958 erst der zweite Sozialist im Elysée-Palast.

Hollandes linker Vorgänger François Mitterrand regierte von 1981 bis 1995. Seither waren mit Jacques Chirac und Sarkozy Staatschefs aus dem gaullistischen Lager an der Macht. (bru/dapd/sda)

Erstellt: 15.05.2012, 08:33 Uhr

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15 Kommentare

Hannes Müller

15.05.2012, 11:03 Uhr
Melden 74 Empfehlung 0

Ausserdem hat Sarkozy seinem Nachfolger gezeigt, in welchem Schrank der Schnaps ist. Es wird ja auch beim Neuen schlechte Tage geben. Antworten


Jack Meier

15.05.2012, 13:14 Uhr
Melden 34 Empfehlung 0

Schön, dass Hollande wenigstens die Erzeugnisse der französischen Atomenergie für sein Fahrzeug braucht und nicht auf importiertes Öl angewiesen ist... Antworten



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