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Monsieur le Président bemüht sich um ein neues Image

Aktualisiert am 28.10.2011 1 Kommentar

Nicolas Sarkozy kämpft nicht nur gegen den Eurocrash, sondern auch um seine Wiederwahl – ganz nach dem Motto «Ich oder die Krise». Jetzt müssen das nur noch die Wähler verstehen.

«Ich muss die Franzosen beschützen»: Nicolas Sarkozy macht auf Landesvater.

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Bild: Keystone

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Nicolas Sarkozy hat keine Zeit für vergleichsweise unwichtige Sachen wie Wahlkampf. Der französische Präsident muss Europa und die Welt retten: «Im Moment muss ich die Krise managen, die die Franzosen beunruhigt. Ich muss sie beschützen. Anders als bei anderen besteht meine Arbeit nicht darin, an die Kandidatur zu denken.»

Und so erklärte Sarkozy dem französischen Volk am Donnerstagabend zur besten Sendezeit mehr als eine Stunde lang die Eurokrise und die schwierige Wirtschaftslage. Der grosse Fernsehauftritt war nach Ansicht von Experten allerdings doch auch ein Teil von Sarkozys neuer Imagekampagne vor den Präsidentschaftswahlen im Mai kommenden Jahres.

Zustimmungswerte im Keller

Der Staatspräsident, der in Umfragen nur noch klägliche Zustimmungswerte erhält und weit hinter seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande liegt, sei in einen für die Wahlen entscheidenden «Prozess des Imagewandels» eingetreten, analysiert der Politologe Emmanuel Rivière vom Umfrageinstitut TNS-Sofres. Statt Versprechungen zu machen, trete er nun als «beschützender Präsident» auf.

Ähnlich sieht das Jérôme Fourquet vom Ifop-Institut: Sarkozy habe sich als der Präsident für schwierige Zeiten präsentiert. Auch einige französische Zeitungen kommentierten dies so. Die linksgerichtete «Libération» fasste Sarkozys Fernsehauftritt unter dem Titel «Ich oder die Krise» zusammen.

An Merkels Rockzipfel

Der Staatschef hämmerte den 11,9 Millionen Franzosen, die die Sondersendung verfolgten, denn auch vor allem eine Botschaft ein: Ohne die schwierigen und unpopulären Entscheidungen, die er – teils zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel – treffen musste, würden Frankreich, Europa und die Welt in eine «Katastrophe» schlittern.

Dass immer wieder in den Medien die Ansicht vertreten wird, dass Paris nur den Vorgaben aus Berlin hinterherlaufe, umging der Präsident elegant. Nur im engen Schulterschluss mit dem deutschen Partner könnten die Herausforderungen gemeistert werden, hob Sarkozy hervor. Deutschland und Frankreich sollten ihre Systeme, darunter die Unternehmenssteuer, angleichen, um gemeinsam die Weltmärkte zu erobern.

Noch mehr sparen im Wahljahr

Tatsächlich sind die nackten Zahlen, die der Präsident dem französischen Volk mitteilen musste, alles andere als ermutigend: Die Wirtschaft des Landes wächst im kommenden Jahr nur um ein statt um 1,75 Prozent.

Daher müssten nun weitere sechs bis acht Milliarden Euro aufgetrieben werden, um das Defizitziel einzuhalten, sagte Sarkozy. Immerhin deutete er an, wie er die schwierige Gratwanderung – wenige Monate vor der Wahl den Franzosen dennoch keine allzu harten Sparanstrengungen aufbürden zu müssen – meistern will: Importe aus Billigländern könnten stärker besteuert werden, um das Sozialsystem des Landes zu entlasten.

Dass Frankreich wegen seines hohen Schuldenstandes als ein möglicher Wackelkandidat im Euro-Raum angesehen wird, ist für Sarkozy wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl verheerend. Will er doch einen starken deutsch-französischen Motor in Europa als seinen Erfolg und sich selbst als international erfolgreichen Staatsmann verkaufen.

Beim G-20-Gipfel nächste Woche in Cannes bietet sich Sarkozy die nächste Gelegenheit, dieses Image öffentlich zu zelebrieren. So, wie er vor rund zwei Wochen nach Frankfurt zum Euro-Krisengespräch mit Merkel eilte, obwohl zur gleichen Zeit seine Frau Carla in Paris eine Tochter zur Welt brachte.

Noch nicht Kandidat

Die Franzosen liessen sich von all den Krisenaktivitäten ihres Präsidenten bisher wenig beeindrucken. Die Wähler erwarten nach jüngsten Umfragen zwar von den oppositionellen Sozialisten keine Wunder, trauen Sarkozy beim Schuldenabbau aber nur wenig zu.

Dabei ist Sarkozy offiziell noch nicht einmal der Kandidat der Konservativen. «Ende Januar, Anfang Februar» will er sich erklären. Und auch wenn Sarkozy angeblich noch keinen Wahlkampf führt, obwohl er bereits eifrig durch die Provinz reist, attackierte er bei seinem Fernsehauftritt doch die Versprechungen der Sozialisten: «Meine Aufgabe als Präsident ist es nicht, zu reden, sondern Entscheidungen zu treffen.» (ami/sda)

Erstellt: 28.10.2011, 14:02 Uhr

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1 Kommentar

Jürg Stähli

28.10.2011, 16:43 Uhr
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Also dass man ihm vorwirft, er sei ‘nach Frankfurt gereist während seine Frau in Paris eine Tochter zur Welt brachte’, ist völlig unfair. Seine Frau hätte ihn ja auf der Reise begleiten und die Tochter in Frankfurt zur Welt bringen können. Antworten



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