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«Milliarden für die Reichen, nichts für uns»

Aktualisiert am 24.02.2010

Griechenland ist fast pleite und der kleine Mann soll die Zeche zahlen: Mit Sprechchören wie «Milliarden für die Reichen, aber nichts für uns» machten am Mittwoch 30'000 Demonstranten in Athen ihrem Ärger Luft.

1/4 Zusammenstösse zwischen der Polizei und Demonstranten.
Bild: Keystone

   

Ein 24-stündiger Generalstreik lähmte unterdessen das ganze Land: Alle Flüge fielen aus, es fuhren keine Züge und Fähren, der öffentliche Nahverkehr fand kaum statt. Dabei sind die bereits beschlossenen Einschnitte im Kampf gegen das explodierte Staatsdefizit noch nicht das Ende der Fahnenstange: Die sozialistische Regierung beriet inmitten des Generalstreiks über weitere Einsparungen. Bis zum 16. März muss sie der EU Fortschritte bei dem Auftrag aus Brüssel vorweisen, das auf 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angeschwollene Defizit in diesem Jahr auf 8,7 Prozent zurück zu führen.

Die beiden Gewerkschaftsdachverbände – GSEE für den privaten Sektor und ADEDY für den Öffentlichen Dienst – befürchten durch das Engerschnallen des Gürtels einen raketenmässigen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Diese liegt derzeit ohnehin bereits bei 10 Prozent. «Wenn alle Massnahmen umgesetzt werden, geht die Arbeitslosigkeit steil nach oben», sagte GSEE-Sprecher Stathis Anestis. «Unser Land wird in eine schwere Rezession gehen und die Arbeitslosigkeit wird einen Rekord in Europa erreichen.»

«Sie müssen uns anhören»

Zu den beschlossenen Sparmassnahmen gehören im öffentlichen Dienst das Einfrieren der Löhne und Gehälter, ein Einstellungsstopp und das Kürzen von Zusatzleistungen. Zudem wurden Verbrauchssteuern erhöht und das Rentenalter angehoben.

Die Kundgebung in Athen verlief zunächst friedlich, die Bereitschaftspolizei hielt sich im Hintergrund. «Wir sind alle aus demselben Grund hier», sagte der Musiker Dimitris Petridis, während er unablässig einen Trauermarsch-Rhythmus auf seiner Trommel schlug. «Das sind die Massnahmen, die ergriffen worden sind. Sie müssen uns anhören.» Die Arbeitslosigkeit treffe auch ihn, fügte er hinzu: Die meisten Musiker verdienten bei ihren Auftritten in Diskotheken und Nachtclubs dasselbe wie vor 20 Jahren.

Dann kam es zu Zusammenstössen zwischen Polizei und Demonstranten, die Plastikflaschen warfen. Nach der Kundgebung warfen weitere gewaltbereite Gruppen in der Nähe des Parlaments Steine und mit roter Farbe gefüllte Plastikflaschen. Die Polizei setzte Tränengas ein und nahm zwei Personen fest. (sam/ddp)

Erstellt: 24.02.2010, 15:33 Uhr

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