Ausland

Merkel gibt Sarkozy Rückendeckung

François Hollande könnte als französischer Präsident die Europapolitik umkrempeln. Deshalb geht nun Merkel mit Sarkozy auf Wahlkampftournee. Der sozialistische Herausforderer nimmt es gelassen.

Wollen weiterhin zusammen Europapolitik betreiben: Nicolas Sarkozy und Angela Merkel.

Wollen weiterhin zusammen Europapolitik betreiben: Nicolas Sarkozy und Angela Merkel.
Bild: Keystone

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Hat bei den Präsidentschaftswahlen nichts zu verlieren: Der sozialistische François Hollande. (Bild: Keystone )

Wichtiger TV-Auftritt für Sarkozy

Fernsehauftritt von Sarkozy zur Reformpolitik
In einem mit Spannung erwarteten Fernsehinterview äußert sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy am Sonntagabend (20.15) zu den Reformen, die er noch vor dem Ende seiner Amtszeit angehen will. In dem einstündigen Auftritt will Sarkozy nach dem Job-Gipfel vor zehn Tagen seine Massnahmen zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit vorstellen. (afp)

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Angela Merkel (CDU) will sich im französischen Präsidentschaftswahlkampf aktiv für den konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy einsetzen. Merkel werde im Frühjahr mehrere gemeinsame Wahlkampfauftritte in Frankreich absolvieren, kündigte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe am Samstag an. Das Tandem Merkel-Sarkozy müsse weiter die Führungsrolle bei der Beilegung der Schuldenkrise spielen.

Die CDU sei überzeugt, dass Sarkozy «der richtige Mann im Elysée ist - und es auch künftig sein wird», heisst es im Manuskript einer Rede, die Gröhe am Samstag auf einer Konferenz von Sarkozys Partei UMP in Paris hielt. An Sarkozys sozialistischem Herausforderer François Hollande übte Gröhe scharfe Kritik. Er vertrete «verstaubte Konzepte und linke Umverteilungsphantasien», heisst es in Gröhes Redetext, der AFP vorab vorlag.

Gefahr Hollande

Die Wahl des Sozialisten Hollande würde die europäische Zusammenarbeit erschweren, sagte Gröhe. Hollande wäre «ein Hemmschuh für die weitere Integration und die Zukunft der Europäischen Union». Insbesondere kritisierte Gröhe die von Hollande angekündigte Senkung des Renteneintrittsalters.

Hollande hatte zudem in Aussicht gestellt, dass er im Fall eines Siegs einige der EU-Beschlüsse zur Beilegung der Schuldenkrise neu verhandeln wolle und auch einen neuen «deutsch-französischen Vertrag» anstrebe. Europa müsse sich stärker auf Wachstum orientieren und nicht nur aufs Sparen, wie es von Berlin vertreten wird. Mit Blick darauf warnte Gröhe ausdrücklich vor «nationalistischen Einzelgängen oder dem Zurückdrehen von wichtigen Reformen».

Hollande hat derweil gelassen auf die Ankündigung reagiert, dass sich die Bundeskanzlerin im Wahlkampf aktiv für Sarkozy einsetzen will. Wenn die Kanzlerin nach Frankreich kommen wolle, um Sarkozy zu unterstützen, dann stehe ihr das völlig frei, sagte der sozialistische Herausforderer am Samstag in der im Grossraum Paris gelegenen Gemeinde Montreuil. Sollte er Präsident werden, werde er deshalb nicht weniger «einvernehmlich» mit der Bundeskanzlerin zusammenarbeiten.

Parteiinterne Kritik an Merkel

In Merkels Partei wurde unterdessen der Unmut über die Euro-Krisenpolitik lauter. Fraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) forderte Merkels Regierung auf, einen «monatlichen Statusbericht» über die aktuelle Haftungssumme Deutschlands vorzulegen. Eine «grösstmögliche Transparenz bei eingegangenen Verpflichtungen und Risiken» sei «unverzichtbar», sagte Singhammer der «Süddeutschen Zeitung» vom Samstag. Viele Abgeordnete fühlten sich unzureichend über die Risiken informiert.

In der Debatte um neue Griechenland-Hilfen lehnten führende Koalitionspolitiker höhere Zahlungen ab. Er sei gegen weitere Hilfen über die beschlossenen Programme hinaus ab, sagte CSU-Chef Horst Seehofer dem «Spiegel». «Wenn die Griechen die Reformprogramme nicht umsetzen, kann es keine weiteren Hilfen geben.» Auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle forderte eine harte Haltung gegenüber Athen: Die EU müsse «hart bleiben und die notwendigen Strukturreformen einfordern».

Die ersten Koalitionsabgeordneten kündigten an, gegen ein neues Griechenlandpaket stimmen zu wollen. Der FDP-Abgeordnete Erwin Lotter, der bisher allen Euro-Rettungspaketen zugestimmt hat, würde das im Falle Griechenlands nicht mehr tun. Er erwarte in Athen einen Staatsbankrott. «Die Probleme können mit mehr Geld nicht gelöst werden», sagte er dem «Spiegel». Auch der CDU-Abgeordnete Wolfgang Bosbach kündigte an, er werde nicht für neue Griechenlandhilfen stimmen: «Den Griechen fehlt nicht der politische Wille, sondern die ökonomische Kraft, um wieder auf die Beine zu kommen.»

(AFP-Kontakt: CvD Bundespolitik, inland.deu@afp.com, 030 - 308 76 221)

pw/ju» (mrs/AFP)

Erstellt: 28.01.2012, 22:02 Uhr

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16 Kommentare

maja naef

29.01.2012, 11:54 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Jetzt hat Merkel wohl den Durchblick verloren und weiss nicht mehr so genau wo die Grenze von Deutschland verläuft. Antworten


Sacha Meier

29.01.2012, 21:32 Uhr
Melden 3 Empfehlung

@maja naef Ich denke, die gute Angela Merkel weiss sehr wohl, wo Deutschlands neue Grenze verläuft: Es ist die Aussengrenze von Euroland.


Franz d'Errico

29.01.2012, 11:47 Uhr
Melden

Zu Merkel unterstützt Sarkosy! Frau Merkel sollte zuerst einmal ihren Staat,dem sie als Bundeskanzlerin vorsteht in Ordnung bringen.Dafür währe ich als deutscher Staatsbürger dankbar.Alles andere erinnert mich an Grössenwahn! Antworten


thierry emanuel

29.01.2012, 10:06 Uhr
Melden 12 Empfehlung

Da kann man nur noch hoffen, das die Familie LePen mit ihrem Front National, nicht auf die Idee kommt in die Schweiz zu reisen um der Familie Blocher im SVP Wahlkampf zu unterstützen. Die Merkel ist in Frankreich genauso beliebt wie Monsieur le President, nämlich überhaupt nicht. Das ist das beste was für Francois Hollande hat passieren können. Antworten


will williamson

29.01.2012, 09:10 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Das kann auch in die Hosen gehen. Einer, der im Wahlkampf ausländische Hilfe braucht und in Anspruch nimmt, zeigt doch den Wählern, dass er nicht das Format hat, um den Wahlkampf ohne diese Hilfe zu gewinnen. Ich würde das als Armutszeugnis einstufen und den Mann nicht wählen. Bin gespannt, ob die Franzosen das auch so sehen. Antworten


Alain Burky

29.01.2012, 07:25 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Es wird auch versucht eine hoehere Mehrwertsteuer durchzudruecken;
in F bereits angekuendigt von 19.6 auf 21.6 % TVA.
Frueher (im Mittelalter) wurde bereits der Zehnte als sehr hart beschrieben.
Antworten


Klaus Dubach

29.01.2012, 04:14 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Also das ein Präsident,Kanzler etc. sich in die Wahlen eines anderen Landes einmischt ist eine Unverschämtheit Antworten


Peter Kaegi

29.01.2012, 03:03 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Denke es ist eher umgekehrt. Frau Merkel erhofft sich dadurch bereits Wahlunterstützung für sich selber und für die Rettung des Euro. Bei den Wählern in Frankreich ist dies mit Sicherheit kontraproduktiv. Das Motto: Frankreich den Franzosen und die Sch......... der EU. Antworten


Rudolf Stransky

29.01.2012, 02:33 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Einen Franzosen der "akkurat deshalb" irgendwen oder -was wählen wird, um bloss nicht auf die nicht so sehr geliebten Deutschen zu hören, den gibt es wohl nicht. Ich würde meinen dass die deutsche Aussenpolitik in diesem Fall nicht gerade glänzend aussieht. Aber eben: "Alles schon dagewesen". Antworten


Ulysse Tharin

29.01.2012, 02:32 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Wenn sich Merkel in den französischen Wahlkampf einmischt, könnte das vielleicht das Gegenteil bewirken von dem was angepeilt wird. Ich kenne die Franzosen gut (franz. Muttersprache) und auch die Deutschen. Die Mentalität der zwei Völker ist zu verschieden und ich verstehe die Franzosen, wenn sie sich nicht dreinreden lassen wollen. Der General de Gaulle würde sich im Grab umdrehen. Antworten


Alain Burky

29.01.2012, 09:48 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Die Franzosen machen sowieso, was sie wollen.
Auch, wenn Steinbrueck Monsieur Hollande empfehlen wuerde.
De Gaulle war Gruender der urspr. UMP, und da haben Sie recht,
er waere auch nicht zufrieden mit der heutigen UMP.


Max Heinicke sen.

29.01.2012, 00:33 Uhr
Melden 15 Empfehlung

Es ist davon auszugehen, dass sich die Franzosen eine Einmischung durch ausländische Politiker(innen) verbitten werden. Hat Frau Merkel die Relationen verloren ? Hr. Hollande und Frau Le Pen lassen gruessen Antworten


Mike Keller

28.01.2012, 22:58 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Als Franzose würde ich mich schon fragen, ob Sarkozy nicht ohne Frau Merkel selbständig einen Wahlkampf betreiben kann. Ich glaube nicht, dass er so nochmals gewählt wird, denn seine Unabhängigkeit wäre damit schwer beeinträchtigt. Antworten


igor neuffer

28.01.2012, 22:52 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Die Neocons versuchen sich die Welt unter den Nagel zu reissen und das verblendete konservative Wahlvieh applaudiert und lächelt z.B. die Occupy-Bewegung. Das wird übel ausgehen. Antworten


ursus schwarz

29.01.2012, 04:04 Uhr
Melden

Verstehe nicht wie sie das meinen wegen der Occupy Bewegung koennen sie da noch etwas klarer werden?
Auch finanziele kriesen sind entwicklungschancen


Linus Huber

28.01.2012, 22:21 Uhr
Melden 38 Empfehlung

Der größte Misstand besteht in der Tatsache, dass die Elite es versteht die Kosten von Fehlinvestitionen dem Bürger aufzuhalsen und sich fröhlich vergnügt in Davos und das Volk leider nicht erkennt, wie der größte Diebstahl aller Zeiten am hellen Tageslicht abläuft. Die Manipulationen der Zentralbanken verhindern das Abschreiben von Fehlinvestitionen zulasten des einfachen Sparers. Antworten



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