Ausland

Maut vertreibt in der Mailänder City ein Drittel der Autos

Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 01.02.2012 82 Kommentare

Das Autofahren in der Innenstadt Mailands kostet seit Mitte Januar eine Gebühr von fünf Euro pro Tag. Die ersten Resultate des Pilotversuchs gegen Staus und Luftverschmutzung sind ermutigend.

1/6 In der Cerchia di Bastioni in Mailand wird neuerdings eine Maut erhoben. Erreichbar ist die Innenstadt über 43 Strassen, die allesamt von Videokameras überwacht werden.

   

Artikel zum Thema

Cerchia dei Bastioni, Mailand

Links

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

In den letzten zwei Wochen hat sich die Verkehrssituation in der Innenstadt von Mailand merklich verändert: Im Herzen der lombardischen Metropole, in der Cerchia di Bastioni, sind Tag für Tag rund ein Drittel weniger Autos unterwegs. Möglich gemacht hat dies die Einführung einer Gebühr von fünf Euro für die Area C.

Bis Mitte Januar hatten rund 122'000 Fahrzeuge die Mailänder Innenstadt durchquert. Mit der neuen City-Maut waren es nach einer Woche 37 Prozent weniger, wie die «Repubblica» berichtet. Das Verkehrsaufkommen reduzierte sich um etwa 45'000 auf 77'000 Fahrzeuge. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass im Januar ein Streik der Taxifahrer stattfand – aus diesem Grund ging der Verkehr um ein paar Tausend Fahrzeuge zurück. Verlässliche Zahlen zur Einführung der City-Maut werden in ein paar Wochen vorliegen, sobald sich das Verhalten der Autofahrer stabilisiert hat.

Montag bis Freitag von 7.30 bis 19.30 Uhr

Gemäss italienischen Medienberichten hat die City-Maut nicht nur zu einer Reduktion der Staus geführt, sondern auch die Umweltbelastung gesenkt. So ging die Russpartikelmenge um etwa 30 Prozent zurück, auch andere Schadstoffe liegen unter den bisherigen Werten. Das Total der Feinstaubbelastung blieb aber über den Grenzwerten. Und der Smog bleibt ein gravierendes Problem, wie auch die Zeitung «Il Giornale» berichtete. Im Weiteren stellten die Behörden fest, dass seit Mitte Januar die öffentlichen Verkehrsmittel deutlich besser frequentiert werden. Aber auch, dass der Individualverkehr an den Rändern der Cerchia di Bastioni leicht zunahm.

Die vorerst für eine Probezeit von 18 Monaten eingeführte City-Maut wird jeweils von Montag bis Freitag zwischen 7.30 und 19.30 Uhr erhoben. Erreichbar ist die Cerchia di Bastioni über 43 Strassen, die allesamt von Videokameras überwacht werden. Wer in die Innenstadt fahren will, muss ein Ticket kaufen, das an Kiosken und bei Verkaufsstellen der Mailänder Verkehrsbetriebe erhältlich ist. Möglich sind auch Zahlungen übers Internet, diese haben bis am Folgetag um Mitternacht zu erfolgen.

Proteste von Innenstadtbewohnern und Geschäftelieferanten

Die City-Maut ist – wenig überraschend – nicht ohne Kritik eingeführt worden. Teils heftige Proteste kamen insbesondere von Bewohnern der Innenstadt sowie von Lieferanten für Geschäfte im Herzen Mailands: Beide Personengruppen müssen zahlen. Wer in der Innenstadt wohnt und ausserhalb arbeitet, wird für den Heimweg zur Kasse gebeten. Die Innenstadtbewohner müssen zwei Euro pro Fahrt abliefern, sobald sie das Kontingent von 40 Gratisfahrten aufgebraucht haben. Eine Maut von drei Euro kosten die Fahrten von Firmen, die Geschäfte innerhalb der Cerchia di Bastioni beliefern.

Die Gebühr für die Area C ersetzt den bisherigen Ecopass, den die Mailänder bisher erhoben hatten. Mit dem Ecopass-System, das unterschiedliche Gebühren je nach Emissionskategorie der Fahrzeuge vorsah, konnten die Verkehrsprobleme allerdings nicht zufriedenstellend vermindert und schon gar nicht gelöst werden. Die neue City-Maut begründet die Stadtregierung mit einer im Jahr 2010 vom Mailänder Volk angenommenen Vorlage, die Massnahmen gegen Staus und Luftverschmutzung fordert. Dank der Staugebühr werden 30 bis 35 Millionen Euro in die Stadtkasse fliessen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.02.2012, 15:55 Uhr

82

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

82 Kommentare

Elisabeth Meier

01.02.2012, 16:00 Uhr
Melden 64 Empfehlung

Alle, die sich ein paar lumpige Euro's leisten können, freuen sich über weniger Stau und mehr Parkplätze. Der "kleine" Mann bleibt auf der Strecke. Antworten


Thomas Steffen

01.02.2012, 16:35 Uhr
Melden 49 Empfehlung

Super Idee - müsste es in jeder Stadt geben ! Antworten




Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.