Journalisten entlarven Frauke Petry als «Pinocchio»

Bei der Überprüfung von TV-Aussagen deutscher Politiker schneidet die AfD-Chefin am schlechtesten ab. Wie sie darauf reagiert.

Hält sich oft nicht an die Fakten: AfD-Chefin Frauke Petry.

Hält sich oft nicht an die Fakten: AfD-Chefin Frauke Petry. Bild: Wolfgang Rattay/Reuters

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Frauke Petry, die Chefin der Alternative für Deutschland (AfD), hat sich immer wieder über die sogenannte «Pinocchio-Presse» aufgeregt. Um ihre Partei ins Zwielicht zu bringen, seien einige Medien bereit, auch den «haarsträubendsten Quatsch» ohne jede Prüfung zu verbreiten, sagte sie vor kurzem. Nun zeigt eine Analyse der Kölner Journalistenschule: Petry nimmt es mit der Wahrheit offenbar selbst nicht so genau.

Die Nachwuchsreporter sind ähnlich vorgegangen wie das Faktencheck-Team von «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung». Die deutschen Journalisten haben 350 dokumentierte Talkshowaussagen von sieben ausgewählten deutschen Politikern überprüft, darunter Petry. Ihr Ergebnis: Fast jede siebte Behauptung (14 Prozent) war entweder falsch oder überwiegend falsch. Negative Spitzenreiterin aller Politiker ist die AfD-Chefin.

26,3 ProzentSo gross war bei Petry der Anteil falscher und überwiegend falscher Aussagen

Bei Petry war mehr als jede vierte Aussage falsch oder überwiegend falsch, was bedeutet, dass sie einen wahren Kern hatte, aber von den Fakten abwich. So sagte sie beispielsweise in der Sendung «Maischberger» am 27. Januar dieses Jahres: «Die Obergrenze (für Flüchtlinge) wird aus der SPD gefordert. Die wird inzwischen auch aus allen anderen Parteien gefordert.» Überwiegend falsch – urteilten die «Faktenzoomer», die sich unter anderem auf eine Erklärung auf der Internetseite der Grünen-Partei stützen.

Auch andere Politiker wie der bayrische Finanzminister Markus Söder (CSU) oder Katrin Göring-Eckardt, Bundestagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende der Grünen, kommen nicht gut weg. Für die Journalisten, die der Frage nachgegangen sind, ob sich Politiker an die Fakten halten, fällt das Fazit «ernüchternd» aus.

«Der Terminplan von Frau Dr. Petry lässt es im Moment nicht zu, umfassend Stellung zu nehmen.»Antwort der AfD auf die Konfrontation mit den Ergebnissen

Nach der Analyse konfrontierten die Nachwuchsreporter die Politiker und Parteien mit ihren Erkenntnissen – und bekamen mitunter recht zweifelhafte Reaktionen. Die AfD beispielsweise – die ursprünglich lobte, der «Faktenzoom» könne für mehr Transparenz sorgen – begnügte sich mit dem Hinweis, dass ihre Chefin momentan keine Zeit habe, sich umfassend zu den «aufgeworfenen Aspekten» zu äussern.

Immerhin ging Petry auf Nachfrage der Journalisten noch auf ihre überwiegend falsche Aussage zur Obergrenze für Flüchtlinge ein, die ihrer Ansicht nach alle Parteien fordern würden. Sie habe mit ihrer Behauptung lediglich deutlich machen wollen, dass mittlerweile keine Partei mehr der Meinung sei, Deutschland könne unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen, verteidigte sich die AfD-Chefin. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.06.2016, 13:54 Uhr

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