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«Irgendwann werden wir dann 16 leere Seiten verkaufen»
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Der französische Radiosender Europe 1 hat heute ein Interview mit dem Chefredaktor des Satire-Magazins «Charlie Hebdo» veröffentlicht. Darin äussert sich der als «Charb» bekannte Stéphane Charbonnier zu den heute veröffentlichten Mohammed-Karikaturen.
Die Karikaturen seien nicht provozierender als sonst, sagte Charb, und rechtfertigte die Veröffentlichung der kritischen Zeichnungen: «Manchmal bilden wir Mohammed ab – wie wir es schon seit 20 Jahren tun.» Und weiter sagt der Journalist: «Sie fürchten sich vor dem Gesetz Gottes, wir fürchten uns höchstens vor den Gesetzen der Republik», ergänzte der französische Satiriker. «Wenn man uns erst sagt, dass wir Mohammed nicht abbilden dürfen, dürfen wir irgendwann keine Muslime mehr zeichnen. Was kommt als Nächstes? Schweine, Hunde? Menschen? Irgendwann werden wir dann 16 leere Seiten verkaufen», sagte Charb weiter.
Schweizer Karikaturisten uneinig
Laut einer Umfrage der Internetseite von Europe 1, bei der über 28'000 User teilgenommen haben, werten 57 Prozent der Teilnehmer die Karikaturen als Zeichen der Meinungsfreiheit.
Charbs Westschweizer Kollegen zeigen sich derweil gespalten. Während Raymond Burki, Karikaturist der Zeitung «24 Heures», die Veröffentlichung der kritischen Zeichnungen begrüsste, zeigten sich andere eher kritisch wie der Waadtländer Karikaturist Barrigue: «Ich kann die Veröffentlichung dieser Zeichnungen keinesfalls gutheissen. Sie bringt nichts. Es ist eine dumme und kindische Provokation, die nur noch mehr Öl ins Feuer giesst.»
«Man darf sich nicht lustig machen»
«Charlie Hebdo» druckte am Mittwoch eine Reihe von Zeichnungen, die sich auf den islamfeindlichen Schmähfilm beziehen, der in den vergangenen Tagen bereits schwere Ausschreitungen in zahlreichen muslimischen Ländern ausgelöst hatte. Das Wochenblatt, das schon mehrfach mit islamkritischen Karikaturen Proteste hervorgerufen hatte, widmete dem Film mehrere Seiten. Auf dem Titel ist die Karikatur eines Muslims mit Turban im Rollstuhl zu sehen, der von einem orthodoxen Juden geschoben wird.
«Man darf sich nicht lustig machen», wird den beiden Figuren in einer Sprechblase in den Mund gelegt. Darüber prangt der Titel «Intouchables 2» in Anlehnung an den beliebten Film «Intouchables». Auf den Innenseiten ist ein Muslim zu sehen, der ähnlich wie beim Oscar verkündet: «Die Nominierten für den besten anti-islamischen Film sind ...».
Paris lässt 20 Botschaften schliessen
Aus Angst vor erneuten Ausschreitungen nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in der französischen Satirezeitung «Charlie Hebdo» schliesst Paris weltweit rund 20 Botschaften, Konsulate und Schulen in muslimischen Ländern. Die diplomatischen Vertretungen sollten am kommenden Freitag geschlossen bleiben, kündigte Aussenminister Laurent Fabius am Mittwoch im Radiosender France Info an. Er sei besorgt über die Sicherheitslage und habe angeordnet, «in all jenen Ländern, in denen es zu Problemen kommen könnte, die Sicherheitsmassnahmen zu verschärfen».
(cor)
Erstellt: 19.09.2012, 15:09 Uhr
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