Ausland

In der Krise wollen Griechen deutsches Geld wegen Nazi-Besatzung

Aktualisiert am 24.02.2010

Mit einem Generalstreik haben die Griechen gegen die drastischen Sparpläne der Regierung protestiert. Gleichzeitig überrascht der griechische Vize-Premier mit seltsamen Forderungen an Deutschland.

Im Streit über EU-Finanzhilfen für das hochverschuldete Griechenland hat Vize-Ministerpräsident Theodoros Pangalos am Mittwoch die deutsche Regierung scharf angegriffen. Griechenland sei nie für die Folgen der nationalsozialistischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg entschädigt worden, erklärte Pangalos am Tag des Generalstreiks gemäss Meldungen von Nachrichtenagenturen.

«Sie haben das griechische Gold weggenommen, das bei der griechischen Zentralbank lag, sie haben das griechische Geld weggenommen und es nie zurückgezahlt.» Deutschland müsse das Geld nicht unbedingt zurückzahlen, aber «sie sollten sich wenigstens bedanken». Er machte jedoch klar, dass Deutschland Griechenland helfen müsse.

Deutschland stehe Kritik an Griechenland nicht zu, weil die Nationalsozialisten die Wirtschaft Griechenlands ruiniert und überdies Tausende Menschen ermordet hätten, sagte der griechische Vize-Premier weiter.

Berlin wehrt sich gegen Vorwürfe

Deutschlands Regierung wies die Äusserungen vehement zurück. Das Aussenministerium verwies auf ein Wiedergutmachungsabkommen aus dem Jahr 1960, nachdem die Bundesrepublik Zahlungen von damals 115 Millionen D-Mark (knapp 59 Millionen Euro) geleistet hat. Zudem hätten auch griechische NS-Zwangsarbeiter Geld aus der deutschen Stiftung «Erinnerung, Verantwortung und Zukunft» erhalten.

Der deutsche Regierungssprecher Ulrich Wilhelm riet der griechischen Regierung dazu, keine Themen zu vermengen, «die überhaupt nichts miteinander zu tun haben». Dies sei «überhaupt nicht hilfreich». Er sagte, die aktuellen Probleme liessen sich nur in Griechenland selbst lösen. Dazu seien eine «entschlossene Konsolidierung» und zusätzliche Reformschritte nötig.

Unter Aufsicht

Griechenland steht unter hohem internationalem Druck, seine Finanzen in Ordnung zu bringen. Es hat Schulden in Höhe von fast 300 Milliarden Euro. Die EU-Kommission hat die griechischen Staatsfinanzen unter ihre ständige Aufsicht gestellt. (vin)

Erstellt: 24.02.2010, 16:56 Uhr


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