Ausland

«In London Thatcher und in Paris Mitterrand»

Aktualisiert am 19.02.2012 7 Kommentare

In Marseille hat Nicolas Sarkozy heute vor tausenden Anhängern den Auftakt seines Wahlkampfs gefeiert. Dabei hat der französische Präsident seinem Gegner François Hollande einige Seitenhiebe verpasst.

Liegt zwei Monate vor den Wahlen laut Umfragewerten hinter Hollande: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy.

Liegt zwei Monate vor den Wahlen laut Umfragewerten hinter Hollande: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy.
Bild: Keystone

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Der konservative französische Präsident Nicolas Sarkozy hat seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande Doppelzüngigkeit vorgeworfen. Bei seinem ersten grossen Wahlkampfauftritt sagte Sarkozy heute vor tausenden Anhängern in Marseille, Hollande habe in London den Marktwirtschaftler gegeben, während er daheim den Kapitalismus angreife. Knapp zwei Monate vor der Wahl liegt Hollande in den Umfragen vorne.

Sarkozy vermied es, seinen Gegner beim Namen zu nennen. «Wo bleibt die Wahrheit, wenn man alles und zugleich das Gegenteil davon sagt?», fragte der Präsident. Hollande habe versucht, «in London Thatcher und in Paris Mitterrand» zu sein, sagte Sarkozy in Anspielung auf die frühere konservative britische Regierungschefin Margaret Thatcher und den früheren sozialistischen französischen Präsidenten François Mitterrand, deren wirtschaftspolitische Grundüberzeugungen unvereinbar waren. Hollande hatte kürzlich gesagt, «die Welt der Finanzen» sei sein «einziger Gegner».

«Ein starkes Frankreich»

Vor einem riesigen Poster mit dem Motto «Ein starkes Frankreich» versuchte Sarkozy seine Anhänger für den mehrwöchigen Wahlkampf zu mobilisieren. Der erste Wahlgang der Präsidentenwahl findet am 22. April statt. Sarkozy muss nicht nur mit den guten Umfragewerten Hollandes zurecht kommen, sondern auch mit Sympathien in seiner Anhängerschaft für die Positionen der Kandidatin Marine Le Pen von der Front National. Le Pen wolle «die Ausländer rauswerfen - da bin ich nicht dagegen», sagte eine Anhängerin Sarkozys in Marseille. Aber die rechtsextreme Politikerin wolle «aus dem Euro raus - das geht zu weit».

An dem Wahlkampf-Termin in Marseille nahm auch Sarkozys Frau Carla Bruni-Sarkozy teil, die seine Rede «sehr bewegend und ausgezeichnet» fand. Zu den Gästen im Saal zählte Premierminister François Fillon. Sarkozy wies Hollandes Vorschlag zurück, den Ausländern bei Kommunalwahlen ein Stimmrecht einzuräumen. Hollande promenierte am Sonntag mit seiner Partnerin Valérie Trierweiler über Märkte im Osten von Paris. Er stelle sich auf einen Wahlkampf «ohne Erniedrigungen ein», sagte der Sozialist.

Wahlkampfzentrale in Paris

Am Samstag hatte Sarkozy seine Pariser Wahlkampfzentrale eröffnet. Sie liegt im Südwesten der Hauptstadt und damit zwischen seinem Wohnsitz und dem Elysée-Palast. So könne er dort am Morgen auf dem Weg zur Arbeit vorbeischauen, sagte Sarkozy. Für sein Hauptquartier im Wahlkampf hat sich Sarkozy in einer 600 Quadratmeter grossen Wohnung für 18'000 Euro pro Monat eingemietet.

Sarkozy bestätigte die Ernennung der bisherigen Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet zu seiner Wahlkampfsprecherin. Sie werde in wenigen Tagen die Regierung verlassen, kündigte er an. Das Umweltministerium werde dem Premierminister unterstellt. (wid/AFP)

Erstellt: 19.02.2012, 20:11 Uhr

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7 Kommentare

Linus Huber

20.02.2012, 01:05 Uhr
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Lehre aus Socionomics:
Sofern die Börsenindex am Wahltag über dem heutigen Stand liegen sollte, hat Sarkosy eine Chance. Ansonsten wird Hollande gewinnen. Warum? Der Aktienmarkt gibt die Stimmungslage wider, welche jeweils vorherrscht; eine positive Stimmung unterstützt den sitzenden Präsidenten, eine negative die andern Kandidaten.
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Stefan Flüeler

19.02.2012, 20:37 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Ich befürchte, Citoyen - äh President - Sarkozy wird schon bald ein Steinhagel aus der Banlieue um die Ohren fliegen. Gerade hat der Iran bekannt gegeben, dass ab sofort keine Erdöllieferungen mehr an Frankreich und UK erfolgen (auch nicht an weitere EU-Länder).
Ab Morgen Montag wird es in Europa unvermeidlich zu heftigen Preisanstiegen beim Erdöl und somit allen
Treib- und Brennstoffen kommen.
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