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In Italien steht die Wissenschaft vor Gericht
Aktualisiert am 20.09.2011 6 Kommentare
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Im zentralitalienischen L'Aquila hat ein Prozess um das schwere Erdbeben vom April 2009 begonnen, bei dem mehr als 300 Menschen starben. Vor Gericht müssen sich sieben Mitglieder einer Kommission zur Risikobewertung wegen fahrlässiger Tötung verantworten, darunter namhafte italienische Forscher. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, die Bevölkerung nicht ausreichend gewarnt zu haben.
Die sechs Forscher und ein Beamter des Katastrophenschutzes hatten sechs Tage vor der Katastrophe in L'Aquila getagt, um eine Serie von Hunderten leichteren Beben zu analysieren, die die Region in den Abruzzen in den Monaten zuvor erschüttert hatten. Als Ergebnis ihrer Sitzung erklärten sie, ein schweres Beben sei für L'Aquila weder auszuschliessen noch vorherzusehen. Gleichzeitig empfahlen sie, vor allem beim Hausbau stärker auf den Erdbebenschutz zu achten.
Schadenersatz gefordert
Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, sich in ihren Empfehlungen zu beschwichtigend gegeben und nicht ausreichend vor einer möglichen Katastrophe gewarnt zu haben, so dass die Katastrophe die Bevölkerung unvorbereitet traf. Die Familien der Erdbebentoten und weitere Nebenkläger fordern von den Angeklagten 50 Millionen Euro Schadenersatz.
«Es hätte gereicht zu sagen, dass die Situation absolut nicht unter Kontrolle war, und ein Zeltlager einzurichten für diejenigen, die sich in Sicherheit bringen wollen», sagte der Vorsitzende der Hinterbliebenen-Organisation «309 Märtyrer», Vincenzo Vittorini. Der Arzt hatte bei dem Beben seine Frau und seine Tochter verloren.
Italiens Wissenschaftler wehren sich
Anwalt Alfredo Biondi, der den angeklagten Physiker Claudio Eva von der Universität Genua vertritt, sprach von einem Verfahren, das auf äusserst wackligen Füssen stehe: «Man kann die Wissenschaft nicht vor Gericht stellen.» Mehr als 5000 Wissenschaftler beklagten in einem offenen Brief an Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano, dass den Angeklagten ein Strafprozess gemacht werde, obwohl die Vorhersage von Erdbeben bislang technisch unmöglich sei.
Bei dem Beben am 6. April 2009 wurde das mittelalterliche Zentrum von L'Aquila in ein Trümmerfeld verwandelt. 309 Menschen wurden getötet, rund 80'000 wurden obdachlos. (kpn/AFP)
Erstellt: 20.09.2011, 14:52 Uhr
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6 Kommentare
Was für eine absurde Klage, da können die Wissenschaftler ja nur noch jeden Tag neue Erdbebenwarnungen rausgeben, irgend wann kommt sicher eins. Es ist schwer wenn man Menschen verliert und man dann auch noch niemandem die Schuld geben kann, aber leider kommt das vor, da nützen auch Anwälte nichts. Antworten
Genau so entstehen Warnhinweise, dass man sein Haustier nicht in der Mikrowelle trocknen darf und Kaffe wird nur noch lauwarm serviert aus Angst vor Klagen! Es ist eine Illusion zu glauben, das Leben sei sicher - war es nie und wird es auch nie sein, wenn wir uns nicht lebenslang einbunkern wollen. Gerichtsverfahren sind in diesem Fall nur eine Scheinlösung. Vermutlich gehts bloss ums Geld. Antworten
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