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«Ich bin nicht optimistisch»

Interview: Fabienne Klenger. Aktualisiert am 07.05.2012 18 Kommentare

Der griechische Journalist Nikos Ikonomu im Interview mit DerBund.ch/Newsnet über die Ursachen für die Polarisierung in Griechenland und Wege aus der verfahrenen Situation.

«Die Stimmung ist bedrückt»: Der Mond geht hinter der Statue von Göttin Athena auf. (6. Mai 2012)

«Die Stimmung ist bedrückt»: Der Mond geht hinter der Statue von Göttin Athena auf. (6. Mai 2012)
Bild: AFP

Nikos Ikonomu schreibt im Ressort Politik bei der grössten Zeitung von Thessaloniki, «Aggelioforos». Er selbst hat für die liberale Reformpartei Drassi gestimmt, die es nicht ins Parlament geschafft hat.
(kle)

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Die konservative Nea Dimokratia und die sozialistische Pasok haben massiv Stimmen verloren. Wie interpretieren Sie die Ergebnisse?
Das ist eine Trotzreaktion des Wählerpublikums gegen das Sparpaket, das ist meine Erklärung. Entweder waren die Sparprogramme zu hart oder die Politiker haben zu wenig erklärt, weshalb sie nötig sind. Das Wahlergebnis ist eine gelb-rote Karte an ND und Pasok. Ich finde das auch verständlich: Seit 1964 haben, mit einer Ausnahme 1989, immer nur ND und Pasok regiert, die Leute sagen jetzt: Ihr seid mitverantwortlich für die Krise.

Zeigt das Wahlergebnis, dass die Griechen die EU satt haben?
Es gibt keine klare Antwort auf diese Frage. Es herrschen sicher antieuropäische Tendenzen, aber es ist nicht so, dass alle Griechen plötzlich Antieuropäer geworden sind. Gegen das Sparpaket sind sie aber fast alle, die Griechen glauben einfach, es gäbe noch eine andere Möglichkeit, nachzuverhandeln.

Wie ist der Einzug der rechtsextremen Partei «Goldene Morgenröte» ins Parlament zu werten?
Der Wahlerfolg der Rechtsextremen war keine Überraschung. Neu ist, dass die Partei von jungen Leuten gewählt wurde, diese Jungen wissen nicht, was die Diktatur (die griechische Militärdiktatur 1967 bis 1974, Anm. d. Red.) in Griechenland gebracht hat. Dass die Rechtsextremen nun im Parlament sind, finde ich gar nicht so schlecht, jetzt ist fertig mit der Heimlichtuerei und die Politiker der Rechtsextremen müssen öffentlich Farbe bekennen, das war bislang nicht so.

Wie ist die Stimmung im Land nach der Wahl?
Ein bisschen bedrückt, man weiss nicht, wie es weitergeht. Man wartet ab, was die Verhandlungen bringen, aber ich bin nicht optimistisch.

Sie rechnen mit Neuwahlen?
Ja. Dass die zwei grössten Parteien ND und Syriza koalieren, schliesse ich aus.

Im Mai schon sollen nach dem Willen der Troika neue Einschnitte folgen. Die Staatsverschuldung soll von 165,4 Prozent des Bruttosozialproduktes bis Ende 2020 auf 117 Prozent gedrückt werden. Wird das mit der neuen Regierung möglich sein?
Das neue Sparpaket kann nur eine neue und starke Regierung durchziehen. Die beste Lösung wäre eine Koalition aller proeuropäischen Parteien. Das sind ND, Pasok und Demokratische Linke, zum Teil auch die Unabhängigen Griechen. Sie müssten sich zusammensetzen und gemeinsam ein Programm ausarbeiten, sodass eine grosse Mehrheit entsteht. Ein Jahr lang dürften dann keine Streiks und keine Demos stattfinden, bis das Land wieder in Einklang kommt. Ohne den Zusammenschluss mehrerer Parteien sehe ich jedoch schwarz.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.05.2012, 17:25 Uhr

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18 Kommentare

Stefan Studer

07.05.2012, 17:45 Uhr
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Ich weiss nicht, ob das Interview auf Griechisch oder Englisch geführt wurde und ob nur ein Übersetzungsfehler dahinter steckt, aber von "antieuropäischen Tendenzen" zu sprechen ist schlicht falsch. Wenn schon, dann sind es anti-EU Tendenzen. Diese beiden Begriffe werden leider zu oft verwechselt und vermischt. Antworten


Eric Schmid

07.05.2012, 17:47 Uhr
Melden 33 Empfehlung 0

Das Problem mit den Rechtsextremen wie auch Linksextremen ist, dass sie die Folge der Politik der sogenannten demokratischen Parteien sind. Dass man nun laut aufschreit, da die Rechtsextremen ins Parlament einziehen, ist schon sehr heuchlerisch. Das Versagen der 2 grossen Parteien ist anzuprangern, nicht die Wahl der Rechts- und Linksextremen. Da müssen sie sich selbst an den Nasen nehmen. Antworten



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