Ausland

Holocaust-Überlebender boykottiert Treffen mit Papst

Aktualisiert am 15.01.2010

Papst Benedikt XVI. besucht am Wochenende eine römische Synagoge. Dies hat Proteste in der jüdischen Gemeinde ausgelöst.

Sie werden einander nicht begegnen: Piero Terracina und Papst Benedikt XVI.

Sie werden einander nicht begegnen: Piero Terracina und Papst Benedikt XVI.

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Der Vorsitzende der italienischen Rabbiner-Versammlung, Giuseppe Laras, und ein Holocaust-Überlebender kündigten einen Boykott des für Sonntag vorgesehenen Treffens an. Sie begründeten dies in der Zeitung «Corriere della Sera» mit dem Vorhaben des Vatikans, den umstrittenen Papst Pius XII. selig zu sprechen.

Pius XII. wird von einigen Historikern und jüdischen Organisationen vorgeworfen, während seiner Amtszeit im Zweiten Weltkrieg nicht genug gegen die Deportation und Ermordung von Millionen Juden getan zu haben. Der Holocaust-Überlebende Piero Terracina sagte in dem Zeitungsinterview: «Ich bin überzeugt, wenn der Papst öffentlich protestiert hätte oder auch nur eine einzige Geste gemacht hätte, wären die römischen Juden nicht deportiert worden.» Auch Rabbi Laras sagte, das Verfahren zur Seligsprechung von Pius XII. sei «keine besonders freundliche Geste».

Bereits im vergangenen Jahr hatte Papst Benedikt XVI. zahlreiche Juden dadurch verärgert, dass er die Exkommunikation des Holocaust-Leugners Richard Williamson aufhob. Der britische Bischof wurde zusammen mit drei weiteren Bischöfen der umstrittenen Pius-Brüderschaft im Januar 2009 wieder in den Schoss der katholischen Kirche aufgenommen.

Oberrabbiner sieht Besuch als Zeichen der Versöhnung

Der Oberrabbiner von Rom, Riccardo Di Segni, pries den geplanten Besuch Benedikts in der grössten Synagoge der Stadt als Gelegenheit zur Versöhnung. «Es wird ein Treffen des Friedens, der Freundschaft und des gegenseitigen Respekts sein», sagte Di Segni. «Aber vor allem wird es zeigen, dass man friedlich zusammenleben kann, selbst wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt.»

Benedikt XVI. hat in seiner Amtszeit bereits zwei Synagogen einen offiziellen Besuch abgestattet: 2005 kam er am Rande des Weltjugendtags in die Kölner Synagoge, auch in New York besuchte er ein jüdisches Gotteshaus. Die römische Hauptsynagoge nahe dem Tiber-Ufer empfing bereits 1986 Benedikts Vorgänger, Papst Johannes Paul II. Johannes Paul besuchte damals als erster Papst überhaupt offiziell eine Synagoge. (vin/ddp)

Erstellt: 15.01.2010, 16:10 Uhr


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