Ausland

Gestärkt aus den Trümmern

Aktualisiert am 10.02.2012 28 Kommentare

Angela Merkels Popularität in Deutschland ist ungebrochen. Die Kanzlerin konnte aus der Eurokrise gar noch politisch profitieren. Dies würde sich auch mit einer Griechenland-Pleite nicht ändern – im Gegenteil.

Wird aufgrund ihrer Führungsqualitäten respektiert: Angela Merkel bei einem Empfang des botswanischen Präsidenten Ian Khama am 7. Februar 2012.

Wird aufgrund ihrer Führungsqualitäten respektiert: Angela Merkel bei einem Empfang des botswanischen Präsidenten Ian Khama am 7. Februar 2012.
Bild: Keystone

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Chronologie der Eurokrise

Chronologie der Eurokrise
Europas Wirtschaft weht noch immer ein rauher Wind entgegen. Ausser Deutschland sind bereits alle grossen EU-Länder in den Sog der Schuldenkrise geraten.

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Für die Union von Bundeskanzlerin Angela Merkel läuft es derzeit richtig gut. Umfragen bescheinigen CDU und CSU Höchstwerte. Für die Europäische Union von Kanzlerin Merkel läuft es wegen der Schuldenkrise nicht so gut. Griechenland steht kurz vor der Explosion. Die Trümmer könnten das europäische Haus nachhaltig beschädigen. Merkels Ruf als Euro-Retterin allerdings müsste darunter nicht unbedingt leiden.

Was Griechenland angeht, hat Deutschland, hat die Europäische Union nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder schlucken die noch funktionierenden Volkswirtschaften die Kröte und pumpen weitere Steuermillionen nach Athen. Oder sie lassen den Karren vor die Wand und Griechenland in die Insolvenz fahren.

Der Weg des geringsten Schadens

Letzteres will Merkel unbedingt vermeiden. «Dann haben wir ein Haftungsrisiko am Hacken, das wir nicht mehr beherrschen können», mahnte die CDU-Vorsitzende am Freitag vor ihrer Fraktion. Man könne leicht in eine unkontrollierbare Situation geraten. Der aktuelle Weg sei der des geringsten Schadens, «der Weg, den ich am meisten verantworten kann», sagte sie.

Ein bisschen drückten diese Worte auch die Ohnmacht der Politik aus. Das ursprüngliche Ziel mussten die Krisenbekämpfer schon längst aufgeben. Strategien sollten in der EU entwickelt werden, um nicht immer den Finanzmärkten hinterherzuhecheln, um selbst voranzugehen und Zeichen zu setzen. Gelungen ist das nicht. Vor vier Wochen beispielsweise war die Macht der Ratingagenturen ein Riesenthema, heute wird es allenfalls noch am Rande diskutiert. Die Politik agiert immer noch nicht, sie reagiert nur. Aber dabei macht Merkel in den Augen vieler Beobachter eine gute Figur.

Sarkozy ist kaltgestellt

Bisher kann die Union von Merkels Krisenmanagement offenbar profitieren. In dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer kommen CDU und CSU auf zusammen 37 Prozent. Das ist ein Prozentpunkt mehr als vor zwei Wochen. Der am Mittwoch veröffentlichte Forsa-Wahltrend von «Stern» und RTL sah die Union bei 38 Prozent - dem besten Wert seit August 2009.

Die Bevölkerung honoriere damit das erfolgreiche Euro-Krisenmanagement von CDU und CSU, erklärte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. Beim Koalitionspartner FDP sehen sie das ähnlich. Die Liberalen geben der Kanzlerin durchweg gute Krisen-Noten, der Parteivorsitzende Philipp Rösler ist gar schon dazu übergegangen, von Merkel nur noch als «meine Chefin» zu sprechen.

Bislang läuft Deutschland ausweislich der Konjunkturdaten gerade in der Spur. Merkel kann sich voll auf die Europa-Politik konzentrieren - dies auch, weil die Opposition der Kanzlerin keine Knüppel zwischen die Beine wirft und offenkundig froh ist, dass Merkel und Schäuble voranmarschieren.

Wenn der griechische Scheck platzt und eine Insolvenz unausweichlich ist, dann muss das Merkels Position nicht schädigen. Laut Politbarometer sind ohnehin 46 Prozent der Deutschen der Ansicht, ein Staatsbankrott Griechenlands sollte von den Euro-Staaten in Kauf genommen werden.

Ausserdem bräuchte Europa dann erst recht jemanden, der den Weg aus der Krise weist. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy muss die nächsten Wochen um seine Wiederwahl kämpfen. Der britische Premier David Cameron ist nach seinem unglücklichen Vorgehen beim EU-Gipfel im Dezember isoliert. Falls alles noch schlimmer kommt, wäre also der Weg für Merkel als alleinige Wortführerin der EU frei.

(mrs/dapd)

Erstellt: 10.02.2012, 20:03 Uhr

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28 Kommentare

Alex Renge

10.02.2012, 20:29 Uhr
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Merkel ist bescheiden, zurückhaltend, freundlich, und trotzdem kompetent und zielstrebig. Die grosse Show liegt ihr nicht. Vermutlich wird sie gerade deshalb von ihren Gegnern völlig unterschätzt. Würde mich nicht wundern, wenn sie solange im Kanzleramt bleibt wie H. Kohl - oder noch ein paar Jahre länger. Antworten


Alain Burky

10.02.2012, 20:21 Uhr
Melden 22 Empfehlung

Einer Kanzlerin, die es geschafft hat, vom "kleinen Maedchen aus der ex-DDR";
zu kommen - und der sogar - im uebertragenen Sinne,
auch Udo Lindenberg (auf seine Art) - bis Rolling Stones ('Angie' - unbeabsichtigt - aber trotzdem treffend)
eine Homage machen - kann man - trotz; oder genau auch wegen menschlicher Schwaechen -
nur Respekt zollen ...
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