Gespräche mit Sarrazin ufern aus
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Die Bundesbank will vor morgen Donnerstag keine Entscheidung über die Zukunft ihres Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin treffen. Der Vorstand der Bank sah am Mittwoch noch weiteren Gesprächsbedarf und vertagte seine Entscheidung. Die Gespräche gestalteten sich offenbar schwierig. Über die Inhalte sei Stillschweigen vereinbart worden, wie eine Banksprecherin in Frankfurt am Main auf Anfrage sagte.
Entlassen werden kann ein Vorstandsmitglied nur durch den Bundespräsidenten. Notwendig ist dazu ein entsprechender Antrag des Bankvorstandes. In der 50-jährigen Geschichte der Bank hat es dies aber noch nicht gegeben. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht in dem Verhalten Sarrazins einen Verstoss gegen die Verpflichtung zur Zurückhaltung, der ein Bundesbankvorstand unterliege. Sarrazins Äusserungen wertete er am Mittwoch in Berlin als «verantwortungslosen Unsinn». Schäuble betonte, dass «diese Art von Tabuverletzung unser Land nicht voranbringt».
«Halbjude» oder «Viertelmoslem»
Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel betonte unterdessen, dass der Umgang der SPD mit Sarrazin den Wählern und an der SPD-Basis nicht leicht zu vermitteln sei. Sarrazin habe «eine rote Linie überschritten mit der Behauptung, dass sich Intelligenz und Leistung verschiedener Kulturen genetisch vererben würden», sagte Gabriel der «Bild»-Zeitung. Eine solche Diskussion ende bei Rassentheorien, die Menschen genetisch sortieren, mit Begriffen wie «Halbjude» oder «Viertelmoslem», fügte der SPD-Chef hinzu.
Gabriel verdeutlichte in dem Bericht, dass nicht die Inhalte von Sarrazins neuem Buch Anlass für das Parteiausschlussverfahren gewesen seien: «Ursprünglich hatte ich vor, Thilo Sarrazin zu einer Debatte über sein Buch ins Willy-Brandt-Haus einzuladen – aber dafür hat er sich mit seinen jüngsten Sprüchen disqualifiziert», sagte er dem Blatt weiter. Wer Thesen vertrete, die gegen sozialdemokratische Grundwerte und das Menschenbild der Partei verstiessen, der könne nicht für die SPD sprechen. «Mit dem wollen wir auch nicht identifiziert werden», ergänzte Gabriel. (oku/dapd)
Erstellt: 01.09.2010, 16:29 Uhr
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