«Fussball-Diplomatie» in der Türkei
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Die Türkei und Armenien setzen bei ihrem politischen Annäherungskurs nach Jahrzehnten der Feindschaft weiter auf «Fussball-Diplomatie». Der armenische Präsident Sersch Sargsjan war bei einem Spiel der beiden Nationalmannschaften in der Türkei offizieller Gast. Vor dem Spiel kamen der türkische Präsident Abdullah Gül und sein armenischer Kollege Sersch Sarksjan am Mittwoch vor dem Anpfiff des WM-Qualifikationsspiels ihrer Nationalmannschaften in Bursa zusammen. In einem Hotel schüttelten sich die Politiker herzlich die Hände - eine noch vor wenigen Jahren undenkbare Geste.
Erst vor vier Tagen unterzeichneten die beiden Länder in Zürich nach Vermittlung durch die Schweiz Protokolle für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Mit ihrer Anwesenheit warben Gül und Sarksjan um öffentliche Unterstützung für das Vorhaben.
Zum Abbruch der politischen Kontakte kam es 1993. Grund war ein Streit zwischen Armenien und Aserbeidschan um die Grenzregion Berg- Karabach. Die Türkei schlug sich auf die Seite Aserbeidschans. Zudem belastet der Vorwurf des Völkermordes an Armeniern im Ersten Weltkrieg die Beziehungen.
Vereinzelt kam es zu Protesten einzelner Gruppen von Türken. In Sprechchören protestierten sie gegen die Annäherung an Armenien. Zudem gellten Pfiffe beim Abspielen der armenischen Nationalhymne.
Ausgewähltes Publikum
Nach türkischen Berichten war nur ein ausgewähltes Publikum aus Polizeischülern, Soldaten in Zivil und türkischen Familien in das Stadion gelassen worden. Für den Schutz der armenischen Mannschaft sind demnach insgesamt etwa 3000 Polizisten im Einsatz gestanden. Für armenische Fans gab es gerade einmal 100 Tickets.
Sportlich hatte das Spiel dagegen keine Bedeutung. Beide Mannschaften haben keine Chance mehr auf eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Die Türkei entschied das Spiel 2:0 für sich.
Gül hatte im vergangenen Jahr schon das Hinspiel der Nationalmannschaften in der armenischen Hauptstadt Jerewan besucht und war dort freundlich empfangen worden. Die Bemühungen um eine Normalisierung des beiderseitigen Verhältnissen waren als «Fussball- Diplomatie» bezeichnet worden. (vin/sda)
Erstellt: 14.10.2009, 22:56 Uhr
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