Ausland

Vincenzo Capodici
Reporter


Frankreichs Präsidentenmacher

Aktualisiert am 12.04.2012

François Bayrou hat bei den französischen Präsidentschaftswahlen keine Chance. Dennoch könnte der Zentrumspolitiker für den Wahlausgang eine entscheidende Rolle spielen – und mit einem hohen Amt belohnt werden.

1/5 François Bayrou ist Präsidentschaftskandidat und Chef der von ihm gegründeten Zentrumspartei «Mouvement démocrate». (13. März 2012)
Bild: Keystone

   

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Nicolas Sarkozy im Wahlkampf

Nicolas Sarkozy im Wahlkampf
Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich gehen in die entscheidende Phase. Mit einem «Brief an die Franzosen» will Amtsinhaber Nicolas Sarkozy die Wählerschaft für sich gewinnen.

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Präsidentenwahlen in Frankreich

Hollande am Ende vorn

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy liefert sich weiter ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande. Sarkozy käme in einer neuen Umfrage auf 29,0 Prozent, Hollande auf 28,5 Prozent im ersten Wahlgang am 22. April. Beide wären damit im zweiten Wahlgang am 6. Mai. Den würde Hollande der Umfrage zufolge mit 55:45 Prozent gewinnen. Alle anderen Kandidaten müssten schon nach dem 22. April ausscheiden. Die Rechtsradikale Marine Le Pen erhält 15 Prozent, der Linke Jean-Luc Mélenchon 14,5 Prozent, der Liberale François Bayrou 9,5 Prozent. Die gemeinsame Umfrage für die Tageszeitung «Le Monde», France Televisions und den Radiosender France Info stammte vom Institut Ipsos-Logica. (vin/dapd)

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Mit einem «Brief an das französische Volk», der sechs Millionen Haushalten zugestellt wird, versucht Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, im Wahlkampf zu punkten. Dies hat Sarkozy auch nötig, denn gemäss Meinungsumfragen wird er den entscheidenden Wahlgang am 6. Mai gegen den sozialistischen Herausforderer François Hollande verlieren. «Es wird sehr schwierig für Sarkozy. Aber noch ist nichts entschieden», sagte Frank Baasner, Direktor des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg, kürzlich in einem Interview mit DerBund.ch/Newsnet. Wichtig werde sein, wie sich der Kandidat der Mitte, François Bayrou, nach dem ersten Wahlgang äussern werde. «Sollte er seinen Wählern empfehlen, im zweiten Wahlgang Sarkozy zu wählen, könnte es noch eng werden.»

Zehn Prozent für Bayrou

François Bayrou ist Präsidentschaftskandidat und Chef der von ihm gegründeten Zentrumspartei Mouvement démocrate (MoDem). Gemäss Meinungsumfragen wird der 60-jährige Ex-Bildungsminister im ersten Wahlgang am 22. April knapp zehn Prozent der Stimmen bekommen. Bayrou, der bereits zum dritten Mal bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich antritt, hat selber keine Chance auf das höchste Staatsamt. Der populäre Zentrumspolitiker könnte aber zum Königsmacher avancieren. Ob er seinen Anhängern für die Stichwahl im Mai einen der beiden Spitzenkandidaten – Sarkozy oder Hollande – empfiehlt, ist noch offen. Personen, die Bayrou nahestehen, sagen, dass er «zwar Hollande menschlich, aber Sarkozy politisch näher steht», wie die Zeitung «Le Monde» berichtet. Bisher stellte sich Bayrou immer auf den Standpunkt, dass er sich vor dem ersten Wahlgang nicht über den zweiten Wahlgang äussern werde.

Bayrou wird als Premier gehandelt

Weil der amtierende Präsident Sarkozy die Bayrou-Stimmen ganz gut gebrauchen könnte, hat die Regierungspartei UMP schon längst begonnen, um die Gunst des liberal-zentristischen Gegenkandidaten zu werben. Sarkozys Aussenminister Alain Juppé brachte Bayrou am Mittwoch als Premierminister ins Gespräch. «Er ist kein Sozialist. Und was er vorschlägt, steht im völligen Widerspruch zu den Vorstellungen von Hollande», sagte Juppé gemäss France Info.

Ohne den Namen von Bayrou zu nennen, hat selbst Sarkozy bei verschiedenen Gelegenheiten den Zentrumspolitiker als möglichen Ministerpräsidenten ins Spiel gebracht. Im Falle seiner Wiederwahl fühle er sich mehr denn je einer Politik der «Öffnung» hin zu anderen Parteien verpflichtet, sagte Sarkozy. Der Premierminister müsse nicht zwangsläufig aus der eigenen Partei kommen.

«Bayrou wird der Königsmacher sein»

Die Mouvement démocrate markiert Selbstbewusstsein in diesen Tagen. «Bayrou wird der Königsmacher sein», sagt Robert Rochefort, Vizepräsident der Mouvement démocrate. Sarkozy werde nicht an Bayrou vorbeikommen, wenn er gewinnen wolle. Und Hollande könne die Krise nicht meistern, wenn er nur Grüne und Linke in die Regierung hole. Auch Bayrou selbst bringt seine Partei und damit sich selbst für höhere Aufgaben ins Spiel. «Die einzige stabile Mehrheit ist eine Mehrheit der Mitte», sagte der 60-jährige Zentrumspolitiker in einem Interview mit der Zeitung «Le Figaro». (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.04.2012, 12:14 Uhr

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