Frankreich halbiert Wachstumsprognose für 2012
Aktualisiert am 30.01.2012 1 Kommentar
Artikel zum Thema
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Die französische Regierung hat ihre Wachstumsprognose für 2012 halbiert. Statt einem Plus von einem Prozent werde nur noch eines von 0,5 Prozent erwartet, erklärte Premierminister François Fillon. Grund sei die «schlechtere Wirtschaftslage».
Fillon hatte bei einer Pressekonferenz die Agenda für die von Präsident Nicolas Sarkozy in einem Fernsehinterview angekündigten Massnahmen zur Ankurbelung der Wettbewerbsfähigkeit vorgestellt. Ursprünglich wollte die Regierung die Ergebnisse des vierten Quartals 2011 abwarten und ihre Prognosen dann entsprechend anpassen. Stattdessen wurden die Erwartungen schon jetzt nach unten korrigiert, damit sie in einen Gesetzentwurf einfliessen können, den die Regierung kommende Woche im Ministerrat vorstellen will.
«Soziale Ungerechtigkeit
Als «soziale Ungerechtigkeit» und einen «wirtschaftspolitischen Fehler» hat die Opposition in Frankreich am Montag die Ankündigung von Präsident Nicolas Sarkozy zur Erhöhung der Mehrwertsteuer kritisiert.
Die sozialistische Parteichefin Martine Aubry warf Sarkozy in einem Radiointerview vor, er habe zu Beginn seiner Amtszeit die Reichen begünstigt und wolle nun kurz vor Ablauf seiner Amtsperiode die Mittelschicht zahlen lassen. Aubry bezeichnete die geplante Steuererhöhung als «wirtschaftspolitischen Fehler und tiefgreifende soziale Ungerechtigkeit».
Sarkozy hatte am Sonntagabend bei einem Fernsehauftritt ein Bündel von Massnahmen zur Stärkung der französischen Wettbewerbsfähigkeit verkündet. Die Mehrwertsteuer soll demnach ab Oktober von 19,6 auf 21,2 Prozent erhöht werden, um im Gegenzug die Lohnnebenkosten senken zu können.
Die Regelungen zur Arbeitszeit sollen für Betriebe flexibler werden. Sarkozy führte dabei mehrfach Deutschland als Vorbild seiner Reformmassnahmen an. Dafür handelte er sich Kritik vom unabhängigen Präsidentschaftskandidaten Dominique de Villepin ein. «Ich mag die Idee eines an Deutschland ausgerichteten Frankreichs nicht», sagte Villepin.
Aubry ihrerseits verwies im Sender RTL darauf, dass die Wettbewerbsfähigkeit auch in Deutschland nicht allein von niedrigen Lohnkosten abhänge. Der frühere sozialistische Premierminister Laurent Fabius hob im Sender Europe 1 hervor, wenn der Präsident wiedergewählt werde, dann werde es eine «Sarkozy-Mehrwertsteuer» geben.
Kandidatur noch offen
Der Wirtschaftsberater des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande, Michel Sapin, kündigte an, dass dieser im Falle seiner Wahl diese Steuererhöhung rückgängig machen würde.
Hollande liegt seit Monaten in den Umfragen vor Sarkozy, der seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen im April und Mai bisher noch nicht offiziell erklärt hat. Auch in dem Interview am Sonntagabend äusserte er sich nur indirekt zur Kandidatur. «Ich habe ein Rendezvous mit den Franzosen und das werde ich mir nicht nehmen lassen», sagte Sarkozy.
Seinen Fernsehauftritt am Sonntag, der von sechs Sendern ausgestrahlt wurde, verfolgten mehr als 16,5 Millionen Zuschauer. Sarkozy hatte dabei auch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer in Frankreich angekündigt.
Für dieses Ansinnen musste Sarkozy vergleichsweise wenig Kritik einstecken. Die Steuer wird grundsätzlich auch von Hollande befürwortet. Sie soll pro Jahr etwa eine Milliarde Euro zum Abbau des Defizits in die Staatskassen spülen. Die Finanzbranche befürchtet, dass die Steuer Unternehmen dazu verleiten könnte, ihren Sitz in andere Länder zu verlegen. (kpn/dapd)
Erstellt: 30.01.2012, 20:40 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
1 Kommentar
Der kleine aber doch existierende Mittelstand in F wird von Abgaben und Steuern erdückt, da Systemfehler vorliegen, die schon längst erkannt sind, aber kein Politiker traut sich ans Problem ran.
Was in F als: Ausbildung, Lehre machen, integrieren usw. für lernfremde junge Leute dargestellt wird, ist grob ausgedrückt eine "Chlüterei", die mit der Einwanderungswelle 1974 begann und immer noch dauert
Antworten
Ausland
- 06:36Demonstranten bewerfen Präsidentschaftskandidaten mit Steinen
- 23:08Grosser Andrang vor ägyptischen Wahllokalen
- 21:28«Dieses Ungleichgewicht zerstört die Europäische Union»
- 19:31Weil er die Spur zu Osama bin Laden legte: Arzt muss ins Gefängnis
- 17:21«Sie wollen Angst verbreiten, indem sie Mädchen vergiften»
- 16:44Die ignorierten Kämpferinnen
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Bitte warten



