Ausland

Familienstreit im Elysée-Palast weitet sich aus

Von Rudolf Balmer, Paris. Aktualisiert am 14.07.2012 24 Kommentare

Unangehme Situation für François Hollande am Nationalfeiertag: Nach seiner Lebenspartnerin tritt nun auch Sohn Thomas ins Fettnäpfchen. In einem Interview breitete er Privates in der Öffentlichkeit aus.

Unangenehm: Thomas Hollande (links) echauffiert sich über Valérie Trierweiler, die Partnerin seines Vaters. (Archivbild)

Unangenehm: Thomas Hollande (links) echauffiert sich über Valérie Trierweiler, die Partnerin seines Vaters. (Archivbild)
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Der französische Nationalfeiertag

Der französische Nationalfeiertag
Der 14. Juli ist der französische Nationalfeiertag. Erstmals nimmt François Hollande die Militärparade ab.

Hollande will sich heute auch zu Privatem äussern

Am französischen Nationalfeiertag will sich Staatspräsident François Hollande heute auch Fragen zu seinem Privatleben gefallen lassen. Eine in den Medien des Landes als «tweetgate» bezeichnete Affäre hatte zuletzt für Aufregung gesorgt und das von Hollande gepflegte Image eines skandalfreien Politikers angekratzt: Über den Internet-Dienst Twitter wetterte seine Lebensgefährtin Valérie Trierweiler kurz vor der Parlamentswahl öffentlich gegen die Ex ihres Mannes - gegen die Sozialistin Ségolène Royal, die in La Rochelle ein Mandat erringen wollte. Am Nationalfeiertag gibt es in Frankreich neben einer grossen Militärparade in Paris traditionell auch ein Fernsehinterview mit dem Staatsoberhaupt. (dapd)

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Nachdem sich bereits Mitte Juni François Hollandes Partnerin Valérie Trierweiler mit einer Twitter-Kurzbotschaft in den laufenden Wahlkampf eingemischt hatte, um ihrer Ex-Rivalin Ségolène Royal en passant einen eifersüchtigen Schienbeintritt zu verpassen, ist nun auch Thomas Hollande, der Sohn des neuen Staatschefs, mit einem Interview ins Fettnäpfchen getreten. In diesem Gespräch mit dem Magazin «Le Point» werden Familienstreitigkeiten ausgebreitet. Zudem kritisiert der Präsidentensohn offen die jetzige Partnerin seines Vaters. Die vier erwachsenen Kinder, die Hollande mit Royal bis zu ihrer Trennung 2007 aufgezogen hatte, wollen die Frau an der Seite ihres Vaters bis auf Weiteres boykottieren.

Sie habe mit ihrem «Getwitter» gegen Royal Hollandes ganze Bemühungen, das Image eines «normalen» Kandidaten und Präsidenten zu schaffen, «zerstört», schimpft dessen ältester Sohn laut Interview. Er findet es unglaublich und «haarsträubend», dass Trierweiler via Twitter den Gegner seiner Mutter öffentlich ermutigt und so deren Niederlage bei der Abgeordnetenwahl in La Rochelle mitverursacht hat. Er revanchiert sich, indem er dieser «Stiefmutter» rät, sie solle zwischen ihrer Tätigkeit als Journalistin bei der Illustrierten «Paris-Match» und ihrer Rolle als First Lady mit einem eigenen Büro im Elysée-Präsidentenpalast wählen, damit es nicht zu Interessenkonflikten komme. Sonst bleibe sie «ein Faktor der Instabilität», meint der 27-jährige Thomas Hollande.

Trierweiler lässt das Twittern sein

Nachträglich versichert er nun nicht sehr glaubhaft, seine Äusserungen seien von «Le Point» verfälscht wiedergegeben worden. Thomas, der bereits in der Präsidentschaftskampagne seiner Mutter 2007 engagiert war und jetzt als Internet-Kommunikationsexperte auch seinen Vater unterstützt hat, kennt die Medien gut genug, um zu wissen, dass solche Dementis vergebliche Mühe sind. Natürlich wird darüber in Frankreich geredet. Der Eindruck, dass in der Patchwork-Familie Hollande-Royal-Trierweiler der Haussegen schief hängt, ist so schnell nicht mehr aus der Welt zu schaffen.

Unangenehm bis oberpeinlich ist es dem französischen Staatspräsidenten François Hollande, wenn Privates über ihn oder seine Angehörigen zum öffentlichen Gesprächsthema wird. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als selber Stellung zu nehmen und seine Angehörigen, inklusive seiner jetzigen und auch seiner ehemaligen Partnerin und der gemeinsamen Kinder, um mehr Diskretion und Zurückhaltung in den Medien zu bitten. Seine Gefährtin lässt bereits bis auf Weiteres die Finger von Twitter. Sie hat bereits gelernt, wie schnell man auch als unververheiratete Hausherrin im Elysée-Palast zur Zielscheibe des Gespötts und der Polemik wird. Carla Bruni hätte ihr da sicher einige Tipps geben können. Nur eine hüllt sich in vornehmes Schweigen, obwohl sie so manches zu sagen hätte: Ségolène Royal.

Hollande wollte vermeiden, dass sein Privatleben in irgendeiner Form seine offizielle Rolle überlagert. Denn das passt gar nicht zu seiner Vorstellung, was ein «normaler» Präsident in Frankreich ist oder sein sollte. Das Gegenbeispiel dieser «Normalität» ist für ihn sein Vorgänger Nicolas Sarkozy. Dieser begann sein Amt im Stil einer Thronbesteigung mit der ganzen (zusammengesetzten) Familie. Am Anfang seiner Präsidentschaft liess er nicht nur sein tägliches Jogging, sondern auch zuerst seine Scheidung von der ungetreuen Cécilia und dann die ersten Flirts bis zur Hochzeit mit Carla Bruni von den Medien breitschlagen. Der Medienrummel aber gefiel den Franzosen nicht. François Hollande hatte seine Lehren daraus gezogen – nicht so seine Partnerin und sein Sohn Thomas. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.07.2012, 12:40 Uhr

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24 Kommentare

Lisa Berg-Schorn, Dr.

14.07.2012, 13:29 Uhr
Melden 32 Empfehlung 0

Francois Hollande ist von seiner Mentalitaet her kein Franzose.
Liebe franzoesischen Landsleute waehlt einen anderen Praesidenten
Lisa
Antworten


Franz Arouet

14.07.2012, 13:33 Uhr
Melden 31 Empfehlung 0

Das kommt in den besten Familien vor,
besonders in den Patchworkfamilien...
Antworten



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