Europas Medien schimpfen über Berlusconi
Polarisiert: Silvio Berlusconi. (Bild: Keystone)
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Der französischen Zeitung «Le Monde» ist die europaweite Kritik an Silvio Berlusconi eine Frontgeschichte wert: «Berlusconi, der Prinz der G8, wird attackiert», titelt die Onlineausgabe zuoberst auf ihrer Seite. Mit der schlechten Vorbereitung des Gipfels in L'Aquila, dem kompletten Fehlen einer politischen Agenda sowie der zunehmenden Unzufriedenheit in der italienischen Bevölkerung ziehe Berlusconi Attacken von allen Seiten auf sich, so das Blatt.
Besonders giftig ist die Kritik des britischen «Guardian», der Berlusconi «chaotische und unorganisierte» Vorbereitungen für den Gipfel bemängelt. Sie seien so ungenügend gewesen, dass die G8 gar erwogen hätten, Italien aus ihrer Runde zu verbannen und stattdessen Spanien als Mitglied aufzunehmen. Wenn Italien nicht fähig sei, seinen Politikern klare Verhaltensregeln vorzugeben, dann sei dieser Ort wohl kein guter Ort für einen solch ernsthaften Gipfel.
«Kein Konzept»
Zitiert wird ausserdem ein Experte für internationale Beziehungen an der New York University: «Da ihre Regierung offenbar kein Konzept hat, wären die Italiener noch so froh, Obamas Vorschlägen zu folgen», wird Richard Gowan zitiert. Berlusconi reagierte pikiert: Diese «kleine Zeitung» begehe «kolossale Fehler», liess er verlauten.
Die «International Herald Tribune» publizierte derweil zum Beginn des Gipfels einen «Aufruf an die internationale Gemeinschaft». Darin schreibt die Zeitung über das Gesetz 128, auch bezeichnet als Alfano-Gesetz. Dank diesem von Berlusconi letzten Sommer im Senat durchgebrachten Gesetz geniessen sowohl er selber als auch der italienische Präsident rechtliche Immunität. Der Kommentator der «Tribune» fordert nun angesichts des G8-Gipfels dazu auf, dieses Verhalten zu sanktionieren: «Wir rufen dazu auf, diese Information immer wieder in Erinnerung zu rufen, damit Italien sich nicht auf den Weg zur Diktatur begibt.»
Auch die zwei wichtigsten italienischen Zeitungen wagen kritische Worte. Die «Repubblica» unterstützte öffentlich den Aufruf der «International Herald Tribune», und der «Corriere della Sera» machte sich lustig darüber, dass Berlusconi als einziger Staatschef nicht mit einem Lebenslauf in der Pressemappe des Weissen Hauses zum Gipfel vorgestellt wird. (oku)
Erstellt: 09.07.2009, 16:50 Uhr
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