Ausland
«Es wird schmutzig»
Interview: Amir Ali. Aktualisiert am 23.04.2012 32 Kommentare
Oliver Meiler ist Frankreichkorrespondent des «Tages-Anzeigers».
Bildstrecke
Artikel zum Thema
- Sarkozy wendet sich «an alle, die ihr Vaterland lieben»
- Paris wird nicht mehr Paris sein
- «Für Sarkozy ist die zweite Runde machbar»
- Ein ungeliebter Partner
- Hollande siegt – Le Pen überraschend stark
- Wahlsonntag: So berichten wir
- Ségolène Royal droht hohe Busse
- Der Niedergang der Ségolène Royal
Stichworte
Teilen und kommentieren
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
François Hollande gab sich ziemlich siegessicher gestern Abend nach dem ersten Wahlgang. Hat er wirklich schon so gut wie gewonnen?
Ich fand, er war relativ bescheiden. Er kam rasch auf den Erfolg von Marine Le Pen zu sprechen, der einer der markierenden Effekte dieser Wahl ist. Aber abgesehen davon: Ich glaube, Hollande hat tatsächlich allerbeste Chancen, in zwei Wochen Präsident zu werden. Kein Politologe, kein Experte – niemand geht hier in Frankreich davon aus, dass Sarkozy das Blatt noch wenden kann.
Sarkozy ist als «bête de campagne», als Wahlkampftier, bekannt. Er wird Hollande das Feld nicht kampflos überlassen.
Für Hollande hätte es kaum besser kommen können. Kein Sozialist seit Mitterrand hat ein derart gutes Resultat im ersten Wahlgang gemacht. Auch dass der links aussen stehende Mélenchon nicht mehr Stimmen gemacht hat, ist ein Glücksfall. Sonst hätte Hollande Zugeständnisse an links machen müssen, so aber kann er seine Taktik in aller Ruhe weiterfahren, defensiv spielen und parieren, was von Sarkozy an Angriffen kommt. Wir werden in den kommenden zwei Wochen ein Duell mit vielen heissen Momenten sehen. Sarkozy wird voll auf den Mann spielen, da ist er stark. Und es wird schmutzig werden. Vielleicht törnt er die Leute damit noch mehr ab, aber es ist seine einzige Chance.
Das heisst, eine kleine Chance hat er noch?
Natürlich, eine Wahl ist nie vorher gelaufen. Aber Sarkozy hat nur sein eigenes Lager wirklich auf sicher, etwa 27 Prozent also. Wenn man sein Lager mit den knapp 20 Prozent des Front National hochrechnet, dann geht man von etwas aus, das es noch nie gegeben hat. Das ist für die Konservativen ein Tabu, genauso wie für die Lepénistes.
2007 hat Sarkozy viele von ihnen überzeugt. Kann er diesmal nicht auch über den Zaun am rechten Rand fressen?
Das könnte man denken. Aber Erfahrungen und Umfragen zeigen, dass die Front-National-Anhänger von damals ernüchtert sind über seine Bilanz. Sie fühlen sich betrogen. Höchstens die Hälfte des FN-Potenzials wird Sarko wählen. Bei 25 Prozent geht man sogar davon aus, dass sie Hollande die Stimme geben. Der Rest dürfte sich enthalten, wie er das schon öfters getan hat.
Le Pen wartet bis zum 1. Mai mit ihrer Empfehlung für den zweiten Wahlgang. Geht es dabei nicht darum, ein Zeitfenster für Verhandlungen mit Sarkozy zu haben?
Das denke ich nicht. Le Pen hofft wie kaum jemand auf eine Niederlage Sarkozys. Das würde ihr ein ergiebiges politisches Feld öffnen. Sarkozys UMP ist eine Sammelpartei, die ein breites Spektrum von weit rechts bis in die Mitte vereint. Le Pen hofft, dass dieses Lager nach Sarkozys Abwahl auseinanderfällt und sie davon profitieren kann. Sie führt sich jetzt schon auf wie eine Oppositionsführerin. Sarkozy zu unterstützen, liegt überhaupt nicht in ihrem taktischen Interesse, wäre aus ihrer Sicht dumm.
Was kann Zentrist François Bayrou mit seinen gut 9 Prozent Wähleranteil ausrichten?
Nicht viel. Seine Partei ist höchstens zur Hälfte rechtsliberal. Der grössere Teil ist eher anti-sarkozystisch. Aus Bayrous Lager kann Sarkozy nicht auf viele Stimmen hoffen.
Wie sieht es in Sarkozys Beamtenheer aus? Verlassen die Ratten nun das sinkende Schiff?
Der Prozess ist schon länger im Gange, weil man hier schon seit Monaten damit rechnet, dass Hollande übernehmen wird. Hollande hat seit Wochen Leute vor der Türe stehen, die sich positionieren wollen. Chefs grosser nationaler Firmen, Botschaftspersonal, hohe Beamte aus den Ministerien – sie haben Angst, dass bald Tabula rasa gemacht wird. Ich glaube allerdings nicht, dass Hollande ein Sektierer ist. Er wird erfahrene Beamte zu schätzen wissen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.04.2012, 13:21 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
32 Kommentare
Europäische Linke adaptieren die Politik der Federal Reserve. Mehr Schulden als Lösung der Schuldenkrise. Ein Blick in die USA sollte reichen, um zu sehen, dass dies seit 2008 nicht mehr funktioniert, sondern dies nur noch verschlimmerte! Scheinbar sind die Linken erst froh, wenn alle Sparguthaben auf den Nullpunkt inflationiert wurden, und dann sind natürlich wieder mal einfach die anderen Schuld Antworten
Verdreht wird hier wieder Ursache und Wirkung! Frankreich hat mit diversen Problemen zu kämpfen, die durch linkspopulistische Ideologien erst entstanden sind, wie z.B. einen völlig überregulierten Arbeitsmarkt, eine absurde Sozialpolitik und eine extremst ungeordenete Einwanderungspolitik. Darum wird Sarkozy im Stichwahlkampf deutlich nach rechts rücken und mit grosser Mehrheit gewinnen. Antworten
Ausland
Online-Wettbewerb
Wir feiern - Sie profitieren. Einen Tag lang freie Fahrt ab CHF 25.- mit Bahn, Bus und Schiff im gesamten BLS-Gebiet.
Jetzt wechseln und sparen
Finden Sie in nur fünf einfachen Schritten die optimale Fahrzeugversicherung.


Bitte warten


Die Welt in Bildern






















