Ausland

Ermittlungen gegen Wulff-Gefährten

Aktualisiert am 19.01.2012 3 Kommentare

Die Kripo durchsuchte das Haus von Olaf Glaeseker, dem ehemaligen Pressesprecher von Christian Wulff. Auch die Wohn- und Geschäftsräume des Eventmanagers Manfred Schmidt wurden durchkämmt.

Im Visier der Staatsanwaltschaft: Das Haus von Olaf Glaeseker in Wunstorf am 19. Januar 2012.

Im Visier der Staatsanwaltschaft: Das Haus von Olaf Glaeseker in Wunstorf am 19. Januar 2012.
Bild: Reuters

Bildstrecke

Die Affäre Wulff

Die Affäre Wulff
Der deutsche Bundespräsident gerät immer mehr in Bedrängnis. Die Protagonisten in der Kredit- und Presse-Affäre Wulff.

Artikel zum Thema

Hausdurchsuchung in Wunstorf. (Video: Reuters )

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Paukenschlag in der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff: Heute durchkämmten Beamte des niedersächsischen Landeskriminalamtes das Privathaus von Wulffs ehemaligen Pressesprecher Olaf Glaeseker. Zuvor hatte die Landesregierung in Hannover zur Kreditaffäre Rede und Antwort stehen müssen. Wulffs Nachfolger im Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten, der CDU-Politiker David McAllister, hielt sich bei der mehr als vierstündigen Debatte zurück. Die Opposition sprach von einer «bizarren Verteidigungsstrategie».

Auf Anweisung der Staatsanwaltschaft Hannover durchsuchten die Beamten das Haus von Glaeseker im niedersächsischen Wunstorf sowie Wohn- und Geschäftsräume des Eventmanagers Manfred Schmidt in Berlin und der Schweiz. Glaeseker und Schmidt werden Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung vorgeworfen, wie Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel mitteilte.

«Gefällig gefördert»

Aufgrund von Medienberichten und Ermittlungen bestehe der Verdacht, dass Glaeseker in den Jahren 2007 bis 2009 die Durchführung und Finanzierung des von Schmidt organisierten Nord-Süd-Dialogs «gefällig gefördert» habe, hiess es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Als Gegenleistung habe Glaeseker mehrfach unentgeltlich Urlaube in Ferienhäusern von Schmidt gemacht.

Oberstaatsanwalt Lendeckel sprach auf dapd-Nachfrage davon, dass seine Behörde inzwischen von einem «qualifizierten Anfangsverdacht» gegen Glaeseker ausgehe. «Das ist ein bisschen mehr als nur ein Anfangsverdacht», erklärte er.

Gratisurlaube im Visier

Glaeseker soll ab 2008 mit seiner Frau dreimal in Auslandsquartieren des Eventunternehmers Manfred Schmidt gratis Urlaub gemacht haben. Der 50-Jährige, der als enger Vertrauter von Wulff gilt, war damals Niedersachsens Regierungssprecher im Rang eines Staatssekretärs und hätte als Landesbediensteter teure Geschenke wie einen Gratisurlaub vermutlich nicht annehmen dürfen. Wulff hatte Glaeseker am 22. Dezember ohne Angabe von Gründen entlassen.

Bei den Razzien wurde explizit nach Aufzeichnungen zum Nord-Süd-Dialog, den Urlaubsaufenthalten sowie allgemein beruflichen und privaten Verbindungen der beiden Beschuldigten miteinander gesucht. Der «Nord-Süd-Dialog» war eine privat organisierte Veranstaltungsreihe, bei denen sich niedersächsische und baden-württembergische Unternehmen präsentieren sollten. Die Schirmherrschaft hatten Wulff und der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Günter Oettinger (CDU) übernommen.

Kredit-Affäre im Landtag

Niedersachsens Ministerpräsident McAllister verwies im Landtag noch einmal darauf, dass viele Fragen von der Landesregierung wegen rechtlicher Beschränkungen nicht beantwortet werden könnten. Die Landesregierung werde sich dennoch bemühen, weitere Fragen zu beantworten. «Aber erlauben Sie mir einen Hinweis: Wir haben noch viele andere Themen im Interesse des Landes und der Menschen in diesem Jahr in Niedersachsen anzupacken», fügte er hinzu.

Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) hatte zuvor für die Landesregierung die Antworten auf mehr als 50 Fragen gegeben und Wulff dabei verteidigt. Die Opposition gab sich damit nicht zufrieden. Die Sache sei weiterhin nicht geklärt, sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. Auch am Freitag wird die Affäre Wulff Thema im Landtag sein. Die Linke will einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss beantragen. Die SPD plant einen Missbilligungsantrag. Beide Vorhaben werden aber voraussichtlich an den notwendigen Mehrheiten scheitern. Die Grünen haben sich noch nicht endgültig entschieden.

Deutsche uneins bei Rücktrittsfrage

Die Affäre um Wulff bringt nach Überzeugung von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier die Politik generell in Verruf. «Viele wollen doch glauben, es sei übliche Praxis in der Politik, ständig nur auf der Suche nach persönlichen Vorteilen zu sein», sagte er den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. Für Wulff werde es «ein langer Weg», Vertrauen und Respekt zurückzugewinnen. «Und ich habe Zweifel, ob es gelingt.»

Laut einer heute veröffentlichten Umfrage für den Deutschlandtrend des ARD-«Morgenmagazins» befürworten 46 Prozent der Bürger einen Rücktritt. 45 Prozent sind der Meinung, Wulff solle weiter Staatsoberhaupt bleiben. Bei der letzten Umfrage am 9. Januar hatten gleich viele Bürger einen Rücktritt des Bundespräsidenten verlangt. Allerdings waren noch 46 Prozent der Meinung, Wulff solle im Amt bleiben.

(kle/dapd)

Erstellt: 19.01.2012, 21:15 Uhr

3

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

3 Kommentare

Kurt Müller

20.01.2012, 08:45 Uhr
Melden 1 Empfehlung 0

Es sind "Wohn- und Geschäftsräume des Eventmanagers Manfred Schmidt in Berlin und der Schweiz" durchsucht worden - und dem Tagi ist es keine weitere Recherche wert, um die Rolle des Standorts Schweiz zu erhellen? Das ist doch eine Steilvorlage! Antworten


Ursula Jungo

19.01.2012, 22:08 Uhr
Melden

Wie sagt man, eine Hand wäscht die andere oder Säuhäfeli-Säudeckeli. Da hat doch jeder Dreck am Stecken!!! Ist in jedem Land so, keine Ausnahme! Die, die rauf wollen, wollen auch Geld, geben Geld usw.. Davon wissen die Bürger gar nichts! Ist auch in CH so, oder meint ihr, die National- und Ständeräte werden nicht bezahlt für ihre Stimmen? Wir sind nicht so naiv!!! Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre


Genusswelt

Besuchen Sie unsere Genusswelt und entdecken Sie die Welt des Genuss!

Jetzt wechseln und sparen

Finden Sie in nur fünf einfachen Schritten die optimale Fahrzeugversicherung.

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Abopreise vergleichen

Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.

Flugpreise vergleichen

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.

DAS GELD und ich

Börsen auf Höchstständen: Wie weiter?