Ausland

Er sagt A, sie sagt B, am Ende gilt B

Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 25.11.2011 30 Kommentare

Angela Merkel und Nicolas Sarkozy kämpfen mit vollem Einsatz für Europa. Allein, ihr Vorgehen wirkt bisweilen bizarr. Es könnten Szenen aus einer Ehe sein.

1/4 Ein ungleiches Paar: Angela Merkel gibt im europäischen Machtkampf derzeit den Ton an. (Treffen vom 24. November 2011 in Strassburg)
Bild: Keystone

   

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«Der französische Präsident hat eben gesagt, dass die europäische Zentralbank unabhängig ist», erklärte gestern Angela Merkel nach einem Treffen mit Nicolas Sarkozy und Mario Monti. Als ob die anwesenden Journalisten den französischen Präsidenten nicht verstanden hätten. Es war eine Szene, die für das Paar Merkel-Sarkozy – sie wurden auch schon als Merkozy bezeichnet – spricht: Er sagt etwas, sie präzisiert; er meint A, sie sagt B, am Schluss gilt B. Oder wie der «Spiegel» schrieb: «Merkel pfeift Sarkozy zurück.»

Dabei kann der Franzose im Moment machen, was er will, wenn «Madame Non» mit dem Daumen nach unten zeigt, dann muss er sich fügen. Inzwischen hat er sich – wenn auch zähneknirschend – damit abgefunden, im europäischen Führungsduo nur die zweite Geige zu spielen. «Ich versuche, die deutsche rote Linie zu verstehen», wisperte er ebenfalls gestern. Ein selbstbewusster Auftritt tönt anders.

Sarkozy startete selbstbewusst

Das war nicht immer so. Als er 2007 zum Präsidenten gewählt wurde, sah er sich und sein Land an der Spitze eines starken Europa. Und bei seinem Antrittsbesuch in Berlin pries er: «Die deutsch-französische Freundschaft ist unser teuerstes Gut.» Es war wohl eine vergebliche Liebeserklärung. Die kühle Deutsche lässt ihren französischen Amtskollegen wenn immer möglich abblitzen.

«Sarkozy sauer auf Merkel», titelte die «Süddeutsche» bereits im Herbst 2007. Die Kanzlerin liess ihren Kavalleriemeister Peer Steinbrück ungezügelt gegen Schuldensünder Frankreich schiessen. Die Ehe bekam schon Risse. Sarkozy war ein erstes Mal eingeschnappt. Die künftige Rollenverteilung schien sich bereits abzuzeichnen. «Kampf um die Poleposition in Europa», hiess es schon früh in den Medien.

Besuch bei Merkel statt Geburtshelfer bei Bruni

Inzwischen sind weitere Jahre vergangen, und die Verhältnisse sind noch klarer geworden. So klar sogar, dass Sarkozy die Geburt seiner Tochter sausen liess. Statt seiner Carla Bruni im Spital beizustehen, jettete er nach Frankfurt, um ja nicht den Anschluss bei der laufenden Eurorettung zu verpassen. Was seine Ehefrau dazu meinte, blieb bis jetzt unter Verschluss.

Gut vorstellbar aber, dass Bruni dem Treiben ihres Ehemannes nicht mit Freude zuschaut. «Wir telefonieren jeden Tag», verkündete le President gestern den Journalisten. Gemeint war natürlich Merkel. Nicht, dass die Kanzlerin zur ernsthaften Konkurrentin würde. Aber welche Frau freut sich schon, wenn ihr Mann abwechslungsweise als «Hampelmann» und «Zappelphilipp» beschrieben wird.

Gemeinsames Kichern gegen Berlusconi

Zuweilen können Sarkozy und Merkel sogar auch richtig verbündet auftreten. Vor allem dann, wenn es gemeinsam gegen einen Dritten vorzugehen gilt. Das bekam jüngst der abgetretene Premier Silvio Berlusconi zu spüren. Wie zwei Geschwister kicherten die beiden, als sie auf die Zuverlässigkeit des Italieners angesprochen wurden. Auf der appeninischen Halbinsel tobte man, Merkozy hatten ihren Spass.

Das sind aber selten gewordene gemeinsame Freuden einer Beziehung, die zunehmend einseitig wird. Als «Musterkind und der Zappelphilipp» wurden sie schon beschrieben. Man sieht ihn bildlich, der kleine Franzose auf grossen Schuhen tanzt um die eiserne Mutter Europa herum. «Er drängt, doch sie will nicht», schrieb die FAZ zu seinem Betteln in Sachen Eurorettung. «Merkel scheint beim Mittagessen deutlich geworden zu sein. Jedenfalls traute Sarkozy sich (…) nicht, die Forderung zu wiederholen», schrieb «Spiegel online». Dieses Verhältnis wird sich wohl nicht mehr so schnell verändern. Sarkozy muss sich mit seiner Rolle abfinden, zu leer sind seine Staatskassen, zu schwach seine Wirtschaft.

«Seit mehr als vier Jahren sind die kühle norddeutsche Protestantin mit dem Ideal der schwäbischen Hausfrau und der sprunghafte, heissblütige Franzose nun schon das unwahrscheinliche Paar an der Spitze Europas», bringt die FAZ die Beziehung der beiden Staatslenker auf den Punkt. Treffender kann man es wohl nicht sagen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.11.2011, 13:12 Uhr

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30 Kommentare

Bruno Bänninge

25.11.2011, 13:52 Uhr
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Oekonomen, Eurokraten/Innen, Präsidenten/Innen, Politiker/Innen wissen ganz genau, dass die Welt pleite ist. Was sie immer noch nicht wissen: Ihretwegen. Bedenklich ist, dass noch nie so viele Menschen den Entscheiden von so wenigen ausgeliefert sind. Irgendwann kommt er. Der Aufstand der Massen. Antworten


Ernst Dittmar

25.11.2011, 13:40 Uhr
Melden 58 Empfehlung

Ich verstehe da irgend etwas nicht mehr. Was für eine Regierungsform hat eigentlich die Europäische Union? Habe ich da die Weiterentwicklung in eine absolutistische Staatsform verpasst? Antworten




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