Ausland

Eine Generation am Abgrund

Aktualisiert am 28.01.2012 35 Kommentare

Jeder zweite junge Erwachsene in Spanien ist arbeitslos. Die Bevölkerung fordert die neue Regierung zu Arbeitsmarktreformen auf. Diese ist jedoch vor allem mit der Begrenzung des Schuldenstands beschäftigt.

Schlechte Perspektiven in Zeiten der Finanzkrise: Junge Spanier demonstrieren in Madrid gegen das politische Establishment. (20. Mai 2011)

Schlechte Perspektiven in Zeiten der Finanzkrise: Junge Spanier demonstrieren in Madrid gegen das politische Establishment. (20. Mai 2011)
Bild: Keystone

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Die Arbeitslosigkeit in Spanien nimmt immer dramatischere Formen an: Mehr als jeder zweite junge Spanier ist ohne Arbeit, wie die nationale Statistikbehörde am Freitag mitteilte. 51,4 Prozent der Spanier unter 25 Jahren haben demnach keinen Job.

Ende September lag die Arbeitslosenquote in dieser Altersgruppe noch bei 45,8 Prozent. Insgesamt sind in Spanien knapp 5,3 Millionen Menschen ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote lag Ende 2011 bei 22,85 Prozent und damit so hoch wie zuletzt Anfang 1995, wie die Statistiker weiter mitteilten.

Im dritten Quartal 2011 waren 4,978 Millionen Arbeitslose gezählt worden, eine Quote von 21,52 Prozent. Auch die Zahl der Haushalte, in denen alle Angehörigen arbeitslos sind, stieg weiter auf nun 1,575 Millionen.

Arbeitslosigkeit seit 2007 verdreifacht

Seit ihrem niedrigsten Stand von 7,95 Prozent im Jahr 2007 hat sich die Arbeitslosenquote in Spanien damit fast verdreifacht. Die spanische Zentralbank, die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds sind zunehmend besorgt angesichts der Arbeitslosenzahlen in Spanien und drängen die neue Regierung des Konservativen Mariano Rajoy zu Arbeitsmarktreformen.

Die spanische Regierung hat derweil einen Gesetzentwurf zur Begrenzung des Schuldenstands der 17 Regionen des Landes gebilligt. Die Regionen würden verpflichtet, spätestens ab dem Jahr 2020 einen ausgeglichenen oder einen Überschusshaushalt vorzulegen, sagte Finanzminister Cristóbal Montoro nach einer Kabinettssitzung in der Hauptstadt Madrid. Sonst drohten Strafzahlungen von 0,2 Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistung.

Ziel der neuen Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy sei es, «bei unseren Investoren einen soliden Ruf zurückzuerlangen», sagte Montoro. Spaniens Regionen mit ihren umfangreichen sozial- und bildungspolitischen Aufgaben kämpfen seit dem Platzen der Immobilienblase im Jahr 2008 mit hohen Schulden. Das vergangene Jahr dürften sie mit einem Gesamtdefizit von bis zu 2,4 Prozent des gesamtstaatlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP) abgeschlossen haben, obwohl Madrid einen Wert von 1,3 Prozent vorgegeben hatte.

Auch Fitch stuft Spanien ab

Spanien will seinen Schuldenstand bis zum Jahr 2020 auf 60 Prozent des BIP drücken. Dann sollen auch alle Haushalte mindestens ausgeglichen sein. Eine Schuldenbremse hatte das Land im vergangenen September in die Verfassung ausgenommen. Auf gesamtstaatlicher Ebene dürfte das Defizit Ende 2011 etwa acht Prozent betragen haben.

Am Freitag stufte zudem eine weitere Ratingagentur die Kreditwürdigkeit des Landes ab. Die Bonitätswächter von Fitch senkten das langfristige Emittentenrating (IDR) für Italien, Spanien, Belgien, Zypern und Slowenien. Die Bewertung für Irland wurde nicht angetastet. Für alle Länder bewertet Fitch den Ausblick mit negativ.

(mrs/sda)

Erstellt: 27.01.2012, 23:28 Uhr

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35 Kommentare

Linus Huber

28.01.2012, 02:45 Uhr
Melden 34 Empfehlung 0

1. Platzen der Kreditblase (2008)
2. Finanzkrise (2008/09)
3. Staats-Ueberschuldung (im Gange)
4. Währungskrise (im Gange)
5. Soziale Unruhen (am Anfang)
6. Politische Veraenderung (wird kommen)
7. Handelskriege (wird kommen)
8. Bewaffnete Kriege (hoffentlich nie
Antworten


Robert Herz

28.01.2012, 00:31 Uhr
Melden 29 Empfehlung 0

Für die spanischen Arbeitnehmer ist das eine Katastrophe - wie auch für die Gesellschaft insgesamt. Man halte sich nur die stolze, spanische Mentalität vor Augen. Aber ein Staat der Pleite ist, kann nun mal keine Impulsprogramme mehr starten - das wäre eigentlich Aufgabe der Wirtschaft. Sonst wird die Abhängigkeit vom staatlichen Futtertrog ja nochmals zementiert. Antworten



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