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Ein ungeliebter Partner

Von David Nauer. Aktualisiert am 23.04.2012 53 Kommentare

Die Kanzlerin hatte Nicolas Sarkozy im Wahlkampf unterstützt. Jetzt muss sie sich wohl mit dem Sozialisten Hollande anfreunden. Warum dies für Berlin sehr schwierig ist.

Sein erster Besuch werde ihn trotz allem nach Berlin führen: François Hollande.

Sein erster Besuch werde ihn trotz allem nach Berlin führen: François Hollande.
Bild: Keystone

Empfing Hollande im Wahlkampf nicht: Angela Merkel. (Bild: Keystone )

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich gewann Hollande knapp vor Sarkozy. (Video: Reuters )

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Frankreich erwartet den Machtwechsel

Frankreich erwartet den Machtwechsel
Das zweitgrösste EU-Land wählt den Staatspräsidenten. Bis der Sozialist François Hollande tatsächlich ins Elysée einziehen kann, stehen ihm noch zwei Wochen Konfrontation mit Nicolas Sarkozy bevor.

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Eine Verliererin der gestrigen französischen Wahl sitzt auch in Berlin: Angela Merkel. Sie hatte sich aussergewöhnlich stark für Amtsinhaber Nicolas Sarkozy eingesetzt. Im Februar gaben die beiden ein viel beachtetes TV-Interview im Elysée-Palast; auch bei anderer Gelegenheit liess Merkel durchblicken, wie gern sie mit Sarkozy zusammenarbeite. Kurz vor der Wahl schenkte sie ihrem französischen Partner sogar eine Attacke auf das Schengen-Abkommen. Die Innenminister beider Staaten forderten das Recht, wieder Grenzkontrollen durchführen zu dürfen. Offensichtlich ein Manöver, das Sarkozy im letzten Moment rechte Wähler hätte zutreiben sollen.

Der Grund für so viel deutsches Engagement ist die Eurokrise. Merkel hatte zwar ursprünglich ein distanziertes Verhältnis zum französischen Präsidenten. Doch angesichts der dramatischen Lage der Gemeinschaftswährung fanden die beiden eine gemeinsame Sprache. Zahlreich und immer harmonischer wurden die Auftritte des europäischen Politikerpaares. Aus zwei unterschiedlichen Charakteren war «Merkozy» geworden, das Erste-Hilfe-Team für den Euro.

Lob für das deutsche Modell

Merkel schätzte den französischen Partner auch deshalb, weil er nach anfänglichem Zögern die deutschen Rezepte zur Bekämpfung der Krise weitgehend übernahm. Einen strikten Sparkurs für die angeschlagenen Mittelmeerstaaten drückten beide gemeinsam durch. Sarkozy nahm auf Merkels Druck hin auch Abschied von Plänen, die Geldpresse anzuwerfen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Zeitweise steigerte sich der Franzose sogar in eine öffentliche Bewunderung für das deutsche Modell. Tiefe Löhne, lange Arbeitszeiten, schlanker Sozialstaat – nach diesem Rezept von jenseits des Rheins müsse auch Frankreich wieder fit werden, erklärte er seiner staunenden – und skeptischen – Wählerschaft.

Inzwischen hat sich Sarkozys Begeisterung für die Deutschen wieder abgekühlt. Dennoch fürchtet man in Berlin, dass mit einem Präsidenten Hollande die Euro-Rettung schwieriger wird. Der Sozialist hat angekündigt, dass er den europäischen Fiskalpakt nur akzeptiert, wenn gleichzeitig die Konjunktur angekurbelt wird. Eine reine Sparpolitik à la Berlin will er nicht mittragen. Mit Sorge beobachtet Berlin, dass Hollande die Einführung von Eurobonds befürwortet, der Europäischen Zentralbank eine wichtigere Rolle zubilligen möchte und es für richtig hält, die Franzosen mit 60 in die Pension zu schicken. Die deutsche Regierung hofft, dass dadurch nicht neue Unruhe in die Euro-Rettung kommt. Nichts wäre giftiger für die Stimmung an den Märkten, wie wenn sich Frankreich und Deutschland nicht einig sind.

Neues Paar, neues Spiel

Angesichts der schwierigen Lage von Sarkozy bereitet sich die Bundesregierung dennoch auf einen Machtwechsel in Paris vor. In den vergangenen Wochen hat das Kanzleramt erste Kontakte mit dem Lager von François Hollande geknüpft. Noch lief alles auf Arbeitsebene ab, wie Insider berichteten. «Natürlich stellen sich die Deutschen darauf ein, dass sie mit Hollande werden zusammenarbeiten müssen», sagt ein Diplomat in Berlin. «Schliesslich wissen die auch, wie schlecht es für Sarkozy aussieht.»

Auch in Paris, im Lager des sozialistischen Kandidaten, werden die Kontakte nach Berlin bestätigt. Hollande sei nicht nachtragend, heisst es. Nicht einmal, dass ihn die Kanzlerin im Wahlkampf nicht empfangen habe, nimmt er ihr übel. «Ich verstehe, dass Frau Merkel Herrn Sarkozy unterstützt, sie sind ja in der gleichen konservativen Parteienfamilie», sagte Hollande dem «Spiegel». Sein erster Besuch werde ihn nach Berlin führen. Inhaltlich will der Sozialist allerdings fordernd auftreten, wie einer seiner Vertrauten bereits erklärte: «Wir haben eine Reihe von Erwartungen und Forderungen, die wir auf den Tisch legen werden.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.04.2012, 17:58 Uhr

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53 Kommentare

lara kraft

23.04.2012, 11:10 Uhr
Melden 188 Empfehlung 0

Lustig wie viele sagen, Sozialdemokraten fahren den Karren an die Wand. Wenn man die letzten 15 Jahre betrachtet, auch in CH, sieht es ganz anders aus. Die Neokonservativen und Rechten wirtschaften nur in die eigene Tasche und bauen Parallelgesellschaften auf, lügen und betrügen. Nein Danke. Antworten


Eric Studer

23.04.2012, 11:03 Uhr
Melden 121 Empfehlung 0

Die Deutsche Bundeskanzlerin hat sich in den Wahlkampf eines Souveränen Staates eingemischt und obenrein noch auf das Falsche Pferd gesetzt, sie muss hoffen und beten das Hollande nicht nachtragend ist sonnst wirds für sie ungemütlich auf dem Internationalem Parkett. Antworten



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