Ein Job in der Politik – als Dank fürs gerettete Lächeln

Silvio Berlusconi kanns nicht lassen: Bei den Regionalwahlen von Ende März schickt er wieder politisch unerfahrene Frauen ins Rennen. Hauptsache, sie sind attraktiv.

1/4 Nicole Minetti, Zahnarzthelferin und Berlusconi-Kandidatin.

Der 13. Dezember 2009 war ein schlechter Tag für Silvio Berlusconi, aber ein guter Tag für die bis dahin unbekannte Nicole Minetti. Nachdem der italienische Ministerpräsident von einem geistig verwirrten Mann mit einem Miniaturdom attackiert worden war, wurde er in das Mailänder Spital San Raffaele eingeliefert. Glaubt man den Medienberichten, durfte Nicole Minetti, die kurz davor eine Ausbildung als Zahnarzthelferin und Dentalhygienikerin beendet hatte, gleich Hand anlegen bei der Behandlung des mächtigsten Mannes Italiens. Beim Angriff in Mailand hatten unter anderem Berlusconis Zähne Schaden genommen.

Inzwischen hat der Cavaliere sein strahlendes Lächeln zurück. Und die Zahnarzthelferin, die ihm beigestanden hatte, hat eine Bekanntheit erlangt, von der viele junge Italienerinnen träumen. Als leicht bekleidetes Showgirl durfte die 25-Jährige in Unterhaltungssendungen von Berlusconis Mediaset-Gruppe auftreten. Mehr noch: Jetzt soll Nicole Minetti in die Politik einsteigen.

Kandidatur für Regionalwahlen

Laut Medienberichten kandidiert die Zahnarzthelferin auf der Liste von Berlusconis Partei «Popolo della Libertà» (Volk der Freiheit) für die kommenden Regionalwahlen in der Lombardei. Die Regionalwahlen in Italien, die Ende März stattfinden, sind ein wichtiger Test für die Regierung in Rom.

Nicole Minetti ist nicht die einzige junge Frau, die ohne jede politische Erfahrung für ein Mandat kandidiert. Eine andere Kandidatin ist das Model Graziana Capone. Berlusconi soll das Showgirl beim letzten Mailänder Fussballderby zwischen seinem Klub Milan und Inter kennengelernt haben. Die 24-jährige Capone hat einen ganz besonderen Übernamen. Sie wird «Angelina Jolie von Bari» genannt.

Wie schon bei Europaratswahlen

Solche Kandidaturen des «Popolo della Libertà» stossen bei der Opposition auf Häme und Spott. Sie sind auch bei Bloggern willkommen, die gerne Breitseiten auf den Ministerpräsidenten abfeuern. Berlusconi lässt dies kalt. Er hat längst klar gemacht, dass es seine Partei ohne ihn gar nicht gäbe. Gemäss dem Motto «Wer zahlt, befiehlt» setzt er seine Kandidatinnen durch. Dies tat er auch bei den Europaratswahlen im Juni 2009. Damals traten unter anderem eine TV-Moderatorin und eine «Big Brother»-Teilnehmerin an.

Berlusconis Art der Frauenförderung reicht bis in die Regierung. Bekanntestes Beispiel ist die 35-jährige Mara Carfagna, einst Miss-Italia-Kandidatin und TV-Moderatorin und jetzt Ministerin für Gleichstellung. Die jüngste Diskussion um seine Kandidatinnen kann Berlusconi nur recht sein. Verdrängt wird damit ein unangenehmes Thema, nämlich die Korruptionsaffäre um Guido Bertolaso, Staatssekretär und Zivilschutzchef der Berlusconi-Regierung.

(vin)

Erstellt: 24.02.2010, 12:52 Uhr

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