Drogenpartys, ein gesuchter Student, Schlägereien
Von Anita Zielina, Marijana Miljkovic (Der Standard). Aktualisiert am 21.12.2009 6 Kommentare
Die letzten Besetzer ziehen friedlich ab.
Wenige Stunden später war schon das Reinigungspersonal am Werken.
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«Wessen Uni? Unsere Uni!» skandierten einige Besetzer noch vor den Toren des Seiteneingangs zum Audimax der Universität Wien. Doch Zutritt hatten sie keinen mehr zum Hörsaal. Denn das besetzte Audimax wurde in den frühen Morgenstunden geräumt. Die Räumung ging ohne Zwischenfälle über die Bühne. Die Besetzer haben eine Protestaktion angekündigt: Treffpunkt für die Demonstration um 16.30 Uhr ist der weiterhin besetzte Hörsaal C1 auf dem Uni-Campus.
Das Auditorium Maximum (lat. grösster Hörsaal oder Aula Magna; Kurzform Audimax) ist auch in Wien der grösste und repräsentativste Hörsaal der Hochschule.
Räumung am Tag 61
Seit 6.30 Uhr hatte sich vor dem Hörsaal Polizei versammelt. Zum Zeitpunkt der Räumung, so die Sprecherin der Uni Wien, Cornelia Blum gegenüber «Standard.at», waren etwa 80 Obdachlose und 15 StudentInnen im Audimax. Vorab hiess es, innerhalb der nächsten Stunde sollten diese verbliebenen Besetzer «herausgebeten» werden. Wenige Stunden später war schon das Reinigungspersonal am Werken.
Die Räumung ging dann ohne Zwischenfälle über die Bühne. Den Obdachlosen wurde am Ausgang eine Information über eine Stelle der Stadt Wien gegeben, an die sie sich für eine Unterkunft wenden sollten. Das Rektorat der Uni Wien verwies darauf, dass im Vorfeld Kontakt mit verschiedenen Notschlafstellen der Stadt Wien und der Caritas aufgenommen worden sei. «Die Universität Wien konnte in Kooperation mit der Exekutive erreichen, dass die Betreuung der Obdachlosen gewährleistet ist», heisst es. Die Obdachlosen würden im P7 von der Caritas versorgt. NGOs widersprechen dieser Darstellung.
Verhaftung und «ausschweifende Drogenpartys»
Der Grund dafür, dass sich die Uni Wien jetzt zur Räumung entschieden hat, sei eine zunehmende «Gemengelage» an Sicherheitsproblemen, so die Uni-Leitung. Georg Winckler, Rektor der Uni Wien, führte bei der Pressekonferenz am Vormittag eine Reihe von Ereignissen an, die zum Schritt geführt hätten: Unmut erregt habe etwa die Verhaftung eines polizeilich gesuchten deutschen Demonstranten namens «Volvo», den die Polizei am 14. Dezember im Audimax aufgespürt hatte.
Am 16. Dezember folgte der Einbruch in Räumlichkeiten, die den Studierenden ohnehin als Ausweichquartier angeboten worden waren. Am 18. Dezember fand eine «ausschweifende Technoparty» statt, die dem Rektor ebenfalls nicht zusagte: Es seien dort Drogen konsumiert und verkauft worden. Einen Demonstranten hatte man vor dem Fenstersturz retten müssen, am Samstag kam die Polizei wegen Schlägereien, am Sonntag die Rettung wegen anderer Vorfälle. In Hinblick auf die geplanten Feierlichkeiten zu Weihnachten und Silvester seien die Sicherheitsprobleme nicht kalkulierbar gewesen, meinte Winckler.
Freiheit der Lehre gefährdet
Die Sicherheitsbedenken waren offenbar so gross, dass die Uni-Leitung das für heute angesetzte Plenum - wo die Freigabe des Audimax Thema gewesen wäre – nicht abwarten wollte. Auch hätte das Neunerhaus am Dienstag Plätze für die Obdachlosen zur Verfügung gestellt.
Abgesehen von der Verhaftung und dem Einbruch sei «das Ende der Besetzung an Bedingungen geknüpft gewesen, die nicht akzeptabel waren», argumentierte Winckler. So hätten die Besetzer gefordert, am Beginn jeder Lehrveranstaltung zehn Minuten «Propaganda oder anders gesagt, Anliegen» vorzutragen. Das widerspreche der Freiheit der Lehre.
Rektorat gesprächsbereit
«Die Gesprächsbereitschaft bleibt aufrecht», sagt Winckler, «jederzeit» könnten Gespräche aufgenommen werden. Einen Plan, wie eine sofortige Wiederbesetzung des Audimax nach den Ferien verhindert werden kann, gibt es vorerst nicht. «Das ist eine Frage, die wir am 7. Januar klären werden», sagte Winckler. Helmut Fuchs, Senatsvorsitzender der Uni, pflichtete den Studierenden in Sachen Forderungen bei.
Die Uni leide an Unterfinanzierung: «Mit der gleichen Anzahl an Personal betreuen wir doppelt so viele Studierende wie München und drei Mal so viele wie Zürich», sagte Fuchs. «Hier muss die Politik eingreifen».
Audimax wird über Weihnachten versperrt
Anschliessend an die Räumung wurden die restlichen Räumlichkeiten überprüft, danach wurden die Seiteneingänge des Audimax verschlossen. Ein Polizeisprecher sagte im «Standard.at»-Gespräch, dass die Polizei nach der Räumung nicht mehr vor Ort sein werde. Ein privater Sicherheitsdienst werde die Zugänge überwachen. Momentan arbeitet im Audimax noch die Spurensicherung, um die Höhe der Sachschäden festzustellen.
Wie viel die Besetzung der Uni Kosten verursachen werden, sei noch nicht bekannt, sagte Winckler. Derweil geht er von Kosten über 1,3 Millionen Euro aus.
Das gesamte Hauptgebäude der Uni Wien bleibt über Weihnachten geschlossen, nur Mitarbeiter und registrierte Gäste erhalten Zutritt. Ab 7. Jänner soll der normale Vorlesungsbetrieb wieder aufgenommen werden.
C1 bleibt besetzt
Der Hörsaal C1 im Uni Campus bleibt nach Aussagen von Studenten weiterhin besetzt. Rektor Winckler sieht keinen Grund einzuschreiten: «Dort gab es bislang keine Sicherheitsprobleme». Nach der Räumung des Audimax soll das Programm in den Hörsaal C1 verlegt werden. Um 13 Uhr wird es, so die Ankündigung der «unibrennt»-InitiatorInnen, ein «Krisenplenum» geben. Mehrere hundert StudentInnen haben sich bereits dort versammelt.
Die Audimax-BesetzerInnen wollen nicht aufgeben. Die Räumung sei so überraschend gekommen, dass nicht genügend Zeit gewesen sei, um andere Teilnehmer der Protestbewegung zu mobilisieren, sagte einer der Besetzer zur APA. Sie hätten keinen Widerstand gegen die Räumung geleistet, weil es «sinnlos» gewesen wäre. Aber: «Vielen ist klar, dass wir nicht zum letzten Mal im Audimax gesessen sind.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.12.2009, 15:44 Uhr
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6 Kommentare
Das erstaunt eigentlich nicht weiter. Ich, selbst Studentin, wundere mich schon länger, dass auch in meinem Studiengang Unterstützung für die Besetzer vorwiegend von denen mit dem höchsten Konsum an berauschenden Substanzen kommt. Ich interpretiere das so, dass man, um so etwas vorbehaltlos zu unterstützen keinen klaren Kopf mehr haben darf, selbst wenn einige Anliegen in der Sache begründet sind. Antworten
Man hat viel zu lange zugesehen! Es geht einfach nicht an, dass ein öffentlicher Räum - von wem auch immer - besetzt, völlig zweckentfremdet und dann noch verwüstet wird. Die Verantwortlichen sollten die Kosten von ca. Fr. 2 Mio (!!) übernehmen müssen. Jeder Steuern zahlende Bürger fühlt sich durch solches Verhalten nicht nur abgestossen, sondern total veräppelt. Und dies soll die Elite sein ..... Antworten
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