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Die ungleichen Gefährtinnen

Von Oliver Meiler, Paris. Aktualisiert am 30.04.2012 11 Kommentare

Ihre Männer duellieren sich in der Stichwahl vom kommenden Sonntag ums Elysée, während sie im Schatten leuchten: Valérie Trierweiler vs. Carla Bruni. Auch ihre Popularität wurde in Umfragen erhoben.

1/7 Seit fünf Jahren ein Paar: François Hollande und seine Lebensgefährtin Valérie Trierweiler kurz vor dem TV-Duell mit Nicolas Sarkozy in Paris. (2. Mai 2012)
Bild: AFP

   

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Carla und Nicolas

Carla und Nicolas
Die Beziehung zwischen Carla Bruni und Nicolas Sarkozy faszinierte und polarisierte von Anfang an. Die Bilder.

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Selbst der Titel ist erfunden: Première Dame, so etwas wie das Pendant zur amerikanischen First Lady, gibt es in Frankreich nur als Medienbegriff. Es gibt auch keine Jobbeschreibung dafür, wie sich die Frau des Präsidenten der Republik zu verhalten hat, was sie soll, was sie nicht darf.

Und doch spielen die Damen dieser Herren, die am 6. Mai in die Stichwahl ums Elysée gehen, die Gefährtinnen von Nicolas Sarkozy und François Hollande also, eine Rolle – oder man müsste eher sagen: Sie spielen ihre Rollen. Sie spielen sie sehr unterschiedlich. Es gab schon Umfragen dazu, welches Paar den Franzosen besser gefalle, das verheiratete Amtsinhaberpaar oder das (noch) unverheiratete Anwärterpaar. Das Resultat fiel so klar aus wie die politischen Studien: Die Bewerber sind populärer.

Kommt von der anderen Seite

Valérie Trierweiler, 47, aus Angers, hat noch ihre liebe Mühe mit der Aufmerksamkeit, die ihr da gerade erwächst. Sie kennt die Medien von der anderen Seite, als Journalistin. Seit 1988 arbeitet sie als Reporterin für «Paris Match», ein Hochglanzmagazin der gehobenen Klasse mit Geschichten zu People und Politik. Das Heft setzte sie einst auf den Parti Socialiste an. So lernte sie François Hollande kennen – und dessen damalige Lebenspartnerin Ségolène Royal. Selber war sie mit dem Redaktionssekretär der Zeitschrift verheiratet, von dem sie den elsässisch klingenden Namen übernahm.

Ihre Liebe zu Hollande wurde erst vor fünf Jahren bekannt, kurz nach Royals Wahlniederlage. Man hat jetzt eine Patchworkfamilie mit sieben Kindern. Trierweiler soll die treibende Kraft hinter der Verwandlung Hollandes sein. Dessen ganzer Auftritt veränderte sich in den letzten Jahren. Er verlor 15 Kilos, trug plötzlich passende Anzüge, eine modernere Brille, tönte sich die Haare. Vor allem aber wirkte der Sozialist selbstsicherer und noch beseelter von seiner hehren Bestimmung, als er es davor schon gewesen war. Operation Elysée 2012 begann, als noch niemand an seine Wahlchancen glaubte und Trierweiler auf dem kleinen Fernsehsender Direct 8 politische Talkshows moderieren durfte.

Nur sie hat ein Einzelbüro

Als Hollandes Beliebtheitswerte dann aber schlagartig stiegen, gab sie den politischen Journalismus auf und interviewte nur noch unverfängliche Gäste: Musiker etwa, Maler, Sportler. «Ich weinte», erzählte sie kürzlich, als man sie zu ihrem Abschied bei Direct 8 befragte. Sie stellt sich auf ein neues Leben ein, von dem sie hofft, es lasse genug Platz für Arbeit – vielleicht sogar für Journalismus? Doch das ist wohl eine Illusion.

Trierweiler gehört jetzt inoffiziell zum Beraterstab ihres Mannes. Im Pariser Hauptquartier von Hollandes Wahlkampfteam hat sie ein Einzelbüro, Zimmer 306. Nicht einmal Leute, die bald einmal Minister werden könnten, haben ein Einzelbüro. Man hört auch, sie bewege sich wie eine «Duchesse», wie eine divenhafte Herzogin, und vertrage Kritik nur schlecht. Als sie «Paris Match» kürzlich ohne ihr Wissen aufs Cover setzte und sie zu «Hollandes charmantem Trumpf» machte, twitterte sie genervt: «Bravo, ‹Match›, für den Sexismus.»

Nach aussen will sie normal wirken, wie ja auch ihr Mann ein «normaler Präsident» sein will. Trierweiler verweist gerne auf die bescheidenen Verhältnisse, denen sie entstammt. Ihre Mutter ist Kassiererin in einer Eishalle, ihr Vater invalid. «Ich musste immer hart arbeiten, um mein Leben zu verdienen.» Der Satz gilt der Rivalin.

Konvertierte Kaviarlinke

Denn Carla Bruni, 44, ist die Tochter einer Industriellenfamilie aus Turin. Sie wurde reich geboren und verdiente dann aber auch ordentlich Geld dazu als Mannequin und Sängerin. Heute gilt sie als Multimillionärin.

Als sie 2008 Nicolas Sarkozy heiratete, kam das nicht überall gut an. Im konservativen Lager des Herrn Gemahls fand man, der Präsident hüpfe da etwas gar schnell von seiner Ex Cécilia zur Neuen. Sarkozy hatte seine neue Liebe bei einer eigens dafür einberufenen Pressekonferenz kundgetan: «Mit Carla ist es ernst.» Die schöne Frau, der nach vielen Affären mit berühmten Männern der Ruf eines weiblichen Don Giovanni anhing, war Sarkozys Revanche über Cécilia. Und die Republik sollte daran teilhaben.

Carla Bruni passte auch sonst schlecht zur Wählerschaft ihres Mannes. Als Künstlerin gehörte sie zur sogenannten Pariser Kaviarlinken, verkehrte mit linken Intellektuellen, wählte links. Sarkozy erzählte seinen Gästen im Elysée immer stolz von all der Kultur, die ihm seine Frau vermittelte, über die Filmklassiker, die sie sich am Abend zusammen anschauten.

«Wir sind bescheidene Leute»

Nun gibt sich Carla Bruni auch politisch konvertiert. Wenn ihr Mann im Wahlkampf auf die Bühnen grosser Hallen tritt, steht sie klatschend darunter neben den Ministern, strahlt und haucht danach in die Mikrofone: «Er ist wunderbar, er ist fantastisch.»

Der Linken wirft sie vor, ihrem Holden unfair den Prozess zu machen, wo sich der doch selbstlos aufopfere, Griechenland rette, Frankreich im Schuss behalte.

Das Problem ist nur, dass die Franzosen nie warm wurden mit Carla Bruni. Die Première Dame machte zwar immer eine gute Figur, trug Glamour in die Welt. Viele dünkte es aber, dass sie entrückt lebe von der Wirklichkeit der Franzosen. Und so versuchten Sarkozys Kommunikationsberater in den vergangenen Wochen eine letzte, verzweifelte Aktion: Carla sollte bodenständig wirken, so normal wie die Rivalin. «Wir sind bescheidene Leute», sagte sie in einem Interview. Es war guter Stoff für Satiriker.

Ex-Model im Schlabberlook

Ein Fernsehheftchen befragte sie zu ihren TV-Vorlieben. Und siehe da, auch Carla schaut die Seifenoper «Plus belle la vie», so etwas wie Frankreichs Antwort auf die «Lindenstrasse», meist mit Tochter Giulia auf dem Schoss. Die Liveübertragung der Tour de France habe es ihr ebenfalls angetan, seit ihr Velo fahrender Mann sie mal zum Mitschauen gedrängt habe. Französischer gehts kaum. Für das Titelblatt fotografierte man sie im Trainingsanzug, schuhlos und kaum geschminkt – beim Fernsehen, auf einer Couch im Elysée. Ein paar Tage noch, dann kommt wohl das Umzugsunternehmen.

Man hört, Trierweiler bewege sich wie eine «Duchesse» und vertrage Kritik nur schlecht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.04.2012, 10:10 Uhr

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11 Kommentare

Thomas Tschan

30.04.2012, 10:30 Uhr
Melden 43 Empfehlung 0

...ob Frau Bruni Ihrem geliebten Gatten noch treu sein wird, wenn sein Ruhm nach der bevorstehenden Abwahl verblassen wird? Antworten


Max Untreu

30.04.2012, 10:44 Uhr
Melden 28 Empfehlung 0

Offenbar bekommt Hollande seine Beziehung, zumindest äusserlich. Die Dame scheint auch nichts von Botox zu halten, was ihrem Aussehen Würde und Charme verleiht. Manchmal frage ich mich, wie Sarko sich fühlen muss, immer eine Treppenstufe höher positioniert, Schuhe mit hohen Absätzen tragend. Nicht zu vergessen jenes Bild auf einer Treppe mit anderen Politikern und Sarko stand auf den Zehenspitzen. Antworten



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