Die Pannen-Papiere zum Irak-Krieg
Tony Blair vorgeladen: John Chilcot, Chef der Untersuchungskommission zum Irak-Krieg. (Bild: Keystone)
In zwei Tagen beginnt in Grossbritannien die Anhörungen einer parteiübergreifenden Untersuchung zum Irak-Krieg. Aus den Dokumenten, die der Zeitung «Sunday Telegraph» zugespielt wurden, soll zudem hervorgehen, dass der damalige Premierminister Tony Blair die Öffentlichkeit getäuscht haben.
Demnach habe es schon im Februar 2002 Pläne für eine Invasion und einen Sturz des Regimes von Saddam Hussein gegeben. Blair hatte zu dieser Zeit behauptet, dass es Grossbritannien nur um Abrüstung gehe und keine militärischen Aktionen geplant seien.
Fehler über Fehler dokumentiert
Zu den Dokumenten gehörten dem Blatt zufolge auch Niederschriften von Aussagen hochrangiger Militärs, die ihren Ärger über eine schlechte Vorbereitung der Invasion Luft machen. Demnach habe es bei den Plänen für den Einmarsch im März 2003 kein Konzept für den Fortgang der Operation nach dem Fall der Hauptstadt Bagdad gegeben.
Zudem seien Pannen beim Nachschub aufgetreten. Schutzwesten seien nicht rechtzeitig zum Kampfeinsatz eingetroffen, zudem habe es an Stiefeln und Schutz gegen chemische Waffen gefehlt. Manche Soldaten, die mit zivilen Fluggesellschaften eingeflogen wurden, hätten ihre Ausrüstung als Handgepäck befördern müssen. Zudem seien Waffen von Sicherheitsbehörden an Flughäfen einbehalten worden.
Weiter soll den Dokumenten zu entnehmen sein, dass manche Soldaten nur fünf Schuss Munition gehabt hätten. Und weil die Funkgeräte der Armee die Hitze nicht vertrugen, hätten sich Soldaten mit Handys verständigen müssen.
Blair wird bei Anhörungen aussagen
Zwar sei der Kampfeinsatz als deutlicher militärischer Erfolg eingeschätzt worden, so berichtet der «Sunday Telegraph» weiter, doch der Gegner sei auch eine drittklassige Armee gewesen. «Ein fähigerer Gegner hätte die Unzulänglichkeiten schwer bestraft», hiess es in dem Bericht.
Bei der Untersuchung des Irak-Kriegs, die Ende Juli formell begonnen hatte, wird bei den mehrmonatigen Anhörungen auch der ehemalige britische Premierminister Tony Blair aussagen. Blair hatte Grossbritannien an der Seite der USA 2003 in den Irakkrieg geführt – trotz grossen Widerstandes im eigenen Land.
Bei der Untersuchung handelt es sich nicht um einen Gerichtsprozess. Deshalb wird es keine strafrechtlichen Konsequenzen geben – ganz gleich, welche Resultate am Ende in den Bericht geschrieben werden. (raa/sda)
Erstellt: 23.11.2009, 09:04 Uhr
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