Ausland
Die Iberer haben genug vom Sparen
Aktualisiert am 16.09.2012 43 Kommentare
Sparmüde Iberer: In Spanien und in Portugal formierten sich am Wochenende grosse Demonstrationszüge. (Video: Reuters )
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Zehntausende Menschen haben in Spanien und Portugal am Wochenende gegen die Sparpolitik ihrer Regierungen protestiert. In Madrid kamen gestern Teilnehmer aus ganz Spanien zu einer Grossdemonstration zusammen. Zu dem Protest aufgerufen hatten die beiden grössten Gewerkschaften UGT und CCOO zusammen mit 150 weiteren Organisationen. Nach Schätzung der Veranstalter versammelten sich in Madrid 65'000 Menschen, viele davon reisten aus anderen Gegenden Spaniens per Bus an.
An der Grossdemonstration auf der zentralen Plaza de Colón beteiligten sich unter anderem Polizisten in blauen T-Shirts, Feuerwehrleute mit ihren roten Helmen, in Grün gekleidete Lehrer, Menschen aus Gesundheitsberufen in Weiss, Beamte in Schwarz, Alte und Pflegebedürftige in Orange sowie Eltern mit Kinderwagen. «Wir sagen der Regierung klipp und klar, dass wir nicht einverstanden sind, dass ihre Politik zu viel Schaden anrichtet, dass wir uns nicht fügen, weil es Alternativen gibt und weil es eine Lüge ist, zu sagen, es gebe keinen anderen Ausweg», sagte CCOO-Chef Ignacio Toxo an der Kundgebung.
Weniger Geld für Arbeitslose und Staatsangestellte
Die von Mariano Rajoy geführte konservative Regierung will im Kampf gegen die Schuldenkrise des Landes bis Ende 2014 mit einem drastischen Kürzungsprogramm 102 Milliarden Euro einsparen. Ziel ist es, einen Antrag auf Hilfen der EU zu vermeiden – um international überwachte Sparvorschriften zu vermeiden. Die Massnahmen sehen unter anderem die Erhöhung der Mehrwertsteuer und Kürzungen beim Arbeitslosengeld vor. Für neu arbeitslos Gewordene soll es nach sechs Monaten nur noch die Hälfte des Grundgehalts geben. Die Arbeitslosenrate liegt in Spanien bei 25 Prozent, bei jungen Leuten unter 25 Jahren beträgt sie gut das Doppelte.
Beschäftigten im öffentlichen Dienst soll trotz steigender Lebenshaltungskosten das Weihnachtsgeld gestrichen werden. Spanien hat bereits eine Zusage über Hilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) von bis zu 100 Milliarden Euro zur Stützung seiner Banken erhalten.
«Zum Teufel mit der Troika»
In Portugals Hauptstadt Lissabon kamen nach Angaben der Organisatoren gestern rund 50'000 Menschen zu einer Demonstration gegen die Sparpolitik zusammen. Ähnlich viele Menschen gingen in der zweitgrössten Stadt Porto auf die Strasse. Weitere Kundgebungen mit Tausenden Teilnehmern gab es in über 30 Städten des Landes. Aufgerufen zu dem Protest hatten Studenten und Künstler auf sozialen Netzwerken. Sie wurden aber von der grössten Gewerkschaft CGTP und linken Parteien unterstützt.
Portugal hatte 2011 eine internationale Finanzhilfe in Höhe von 78 Milliarden Euro erhalten. «Zum Teufel mit der Troika» hiess es auf Spruchbändern gegen die im Gegenzug mit EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) ausgehandelten Kürzungen. Die Sparpolitik hat zu einem Schrumpfen der Wirtschaft geführt. Vor einer Woche hatte die Regierung in Lissabon weitere Sozialkürzungen angekündigt. Für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft soll es höhere Sozialversicherungsabgaben geben. Dafür werden die Abgaben der Unternehmen gesenkt. Am Dienstag gaben die internationalen Gläubiger des Landes dem hoch verschuldeten Euroland ein Jahr mehr Zeit zur Sanierung des Haushalts. (ses/rbi/sda)
Erstellt: 15.09.2012, 16:37 Uhr
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43 Kommentare
europa brennt ! langsam aber ganz sicher zeichnet sich das ganze gebilde der eu und des euros als totgeburt aus. die bürger beginnen glücklicherweise zu verstehen, dass es sich nicht lohnt, dieser "gemeinschaft" anzugehören. die politik jedoch preist immer noch friede, freude, eierkuchen. mal schauen, wie lange das noch gut geht... Antworten
Ein Vorgeschmack was die Schweiz, Deutschland und alle halbwegs wohlhabenden Staaten im Norden - in einigen Jahren ebenfalls zu erwarten haben! So muss es kommen, wenn man nicht richtig haushaltet und das Geld zum Fenster rausgeworfen hat - mit solch mickrigen Renten und Löhnen, kann kein Wirtschaftswachstum erzielt werden! Noch verteilt die Schweiz das Geld mit vollen Händen - die Quittung folgt! Antworten
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