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Des Teufels schöne Enkelin
Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 19.06.2012 1 Kommentar
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Wenn sie ans Rednerpult tritt, weiss gekleidet, das lange blonde Haar auch schon mal zum Chignon geknotet, dann wirkt diese junge Frau zwischendurch schüchtern. So wie man das in ihrem Alter vor den Kameras der nationalen und internationalen Fernsehsender nun mal ist – und die standen wieder in grosser Zahl bereit, am Sonntagabend in Carpentras, im Süden Frankreichs. Dann kann sie aber auch sehr bestimmt reden, mit der unverschämten Verve einer Berufenen, mit dem Wortschatz ihrer Familie.
Marion Maréchal-Le Pen, Jusstudentin aus Paris, viertes Jahr Staatsrecht, ist die Sensation der französischen Parlamentswahlen. Und das hat viel mit ihrem zweiten Nachnamen zu tun, mit dem Teil nach dem Bindestrich. Sie ist die Enkelin von Jean-Marie Le Pen, jenem Mann also, der einmal – wie ein Mahnmal – für den europäischen Rechtsextremismus stand.
«Der Name war immer Ehre und Fluch zugleich»
Die Franzosen nannten ihn «Teufel». Der Grossvater ist jetzt 84. Seine Enkelin ist 22, die jüngste Abgeordnete, die Frankreich je hatte. Ihre Wahl beweise, sagt Jean-Marie Le Pen mit seinem unfehlbaren Sinn für Provokationen, dass die Familie eine «gute Rasse» sei. Marions Tante Marine Le Pen ist die Chefin des Front National (FN), zweite Generation der Dynastie, an der Spitze der Partei seit anderthalb Jahren. Nun also ist schon die dritte Generation am Werk.
Von allen neun Enkelkindern ist Marion Le Pen das einzige, das ins Familienbusiness einstig – in die Politik eben. Mit 18 trat sie der Partei bei, nahm an den ersten Lokalwahlen in Saint-Cloud teil, dem heimischen Turf vor den Toren von Paris. Und sie erzählte allen, die es hören wollten: «Der Name Le Pen war immer Ehre und Fluch zugleich. In der Schule habe ich darunter gelitten, das hat meinen Charakter geformt.» Sie kopierte die Stilfigur, irgendwo zwischen Stolz und Opferrolle, von ihrer Tante, die damit viele Sympathien gewann.
Die Enkelin sollte Grossvaters Ehre reinwaschen
Auch Marion verzichtete darauf, den schweren Namen abzulegen, was sie ja hätte tun können. Der Name ist eben auch eine Marke. Und Business ist Business. Heute, sagt sie, begegne man ihr nicht mehr mit Aggressivität, sondern mit Neugier.
Ihre Kandidatur in der FN-Hochburg Carpentras war für alle eine Überraschung. Eigentlich hätte der Grossvater antreten sollen. Doch der schickte seine Enkelin und trug ihr auf, seine Ehre reinzuwaschen wegen einer nie verwundenen Geschichte. 1990 wurden auf dem jüdischen Friedhof von Carpentras 34 Gräber verwüstet. Politik und Presse schoben die Schuld den Frontisten zu, was sich aber als Irrtum erweisen sollte. Le Pen sah darin die verschwörerische Hand des Staates. Und so schmetterte die Enkelin, die 1990 einjährig war, am Abend ihrer Wahl über den Platz: «Gerechtigkeit ist vollbracht!»
«Werde ich Ministerin – oder Präsidentin?»
Das Programm der Partei trägt sie voll mit. Nur die Todesstrafe, die würde sie nicht wieder einführen wollen. Als man sie fragte, wo sie ihre Karriere noch hinführen werde, sagte sie: «Ich kann Ihnen meine Zukunft nicht voraussagen: Werde ich Ministerin – oder Präsidentin? Keine Ahnung. Ich weiss nur, dass das Leben vor mir steht.» Zunächst ist es das Leben eines politischen Pin-ups im Parlament. Immer im Fokus der Kameras, sichere Lieferantin von Schlagzeilen. Ganz Le Pen.
Und man darf davon ausgehen, dass der Grossvater und die Tante genügend viele provokative Ideen bereithalten, damit das Interesse an der jungen Frau nie erlahmt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.06.2012, 10:44 Uhr
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1 Kommentar
So so: in der Ueberschrift wird ein bislang immer und während Jahrzehnten demokratisch handelnder Präsident einer relativ grossen Partei eines Nachbarlandes Teufel genannt. Ich habe mit diesem Herrn ja auch nichts am Hut, aber sowas disqualifiziert Journalist und Zeitung in hohem Masse. Wenigstens muss ich für einen solchen Schrott nicht auch noch bezahlen. Antworten
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