Der schicke Trumpf
Von Oliver Meiler, Paris. Aktualisiert am 17.02.2012 1 Kommentar
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Ihr Name ist so lang und kompliziert, dass sich in Frankreich das Akronym durchgesetzt hat. Und Nathalie Kosciusko-Morizet, 38 Jahre alt, trägt es mittlerweile wie ein Markenzeichen mit sich herum: NKM. Auch ihr Twitter-Konto heisst so und ist sehr erfolgreich. 117'000 Franzosen wollen das Gezwitscher der bisherigen Nummer 4 der Regierung, Ministerin für Umwelt und Transport, regelmässig lesen. Kein Minister hat mehr Follower als sie.
Nun hat sie Nicolas Sarkozy zu seiner Wahlkampfsprecherin gemacht. Sie wird Gesicht und Stimme des kandidierenden Präsidenten sein, wenn der gerade mal selber nicht redet. Sie wollte diesen Job unbedingt, auch wenn er hart werden dürfte. Er ist eine Promotion, er wird sie landesweit bekannt machen – mit dem vollen Namen, der an ihre adligen polnischen Vorfahren gemahnt. Bislang fiel sie öfter damit auf, dass sie auf Stöckelschuhen über schmutzige Baustellen stelzte, die Haare zu einem «chignon» gebunden, einem Knoten, dem eleganten Stilmerkmal von Damen aus der Pariser Haute Bourgeoisie. Für die Zeitung «Le Monde», die ihr unlängst das Cover ihres Wochenendmagazins widmete, ist sie der «schicke Trumpf» des Präsidenten. Nicht nur modisch.
Eine «Nervensäge» mit hohen Ambitionen
Die Absolventin von Polytechnique, einer Eliteuniversität für Frankreichs Ingenieure, kann auch gut reden, sie kennt ihre Dossiers. In Fernsehstudios scheut sie keine Debatte, rutscht zuweilen aber ins Hochnäsige ab, wirkt besserwisserisch. Jacques Chirac, der sie einst entdeckte, nannte sie einmal im engen Kreis eine «emmerdeuse», eine Nervensäge. Im konservativ-reaktionären Flügel der Regierungspartei Union pour un mouvement populaire (UMP) gilt sie als «volksfern». Nathalie Kosciusko-Morizet sieht sich als Vertreterin einer modernen Rechten. Ihre Aversion gegen den rechtsextremen Front National bezeugte sie unlängst mit einem Pamphlet. So deutlich distanzieren sich nicht alle Parteikollegen. Sie ist gewissermassen ein Korrektiv zu Sarkozys Rechtskurs.
Und sie duzt den Präsidenten – im Gegensatz zu Rachida Dati, die 2007 dieselbe Rolle spielte und Sarkozy siezte. Sie möchte auch deren politisches Schicksal abwenden: Dati fiel in Ungnade. Im Interview mit «Le Monde» sagte NKM: «Ich liebe die Politik. Es wäre absurd, die Ambitionen zu leugnen.» Sie hat welche für 2017, ganz grosse gar. Dann würde die Tochter einer Politiker- und Diplomatenfamilie gerne Präsidentin der Republik werden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.02.2012, 10:01 Uhr
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