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Der Showdown der Populisten

Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 14.05.2012 7 Kommentare

Marine Le Pen gegen Jean-Luc Mélenchon: Frankreichs Parlamentswahl hat ihr Spektakel.

Sind sich in manchen Punkten gar nicht so uneinig: Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon, die sich bei den Parlamentswahlen im Département Pasde-Calais gegenüber stehen.

Sind sich in manchen Punkten gar nicht so uneinig: Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon, die sich bei den Parlamentswahlen im Département Pasde-Calais gegenüber stehen.
Bild: Keystone

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Es ist der Match im Match, das Duell der Demagogen, für manche gar eine «homerische Schlacht». Im 11. Wahlbezirk im nordfranzösischen Département Pas-de-Calais stehen sich bei den Parlamentswahlen vom 10. und 17. Juni zwei nationale Politgrössen direkt gegenüber: Marine Le Pen, Präsidentin des rechtsextremen Front National, und Jean-Luc Mélenchon, Chef des linksextremen Front de Gauche. Front gegen Front also, Populismus gegen Populismus. «Le Monde» erwartet ein «würziges Duell», ein Politspektakel der deftigen Sorte. Es wird wohl alle anderen 576 Ausmarchungen für die neue Assemblée Nationale mächtig überstrahlen.

Gewollt hat es Mélenchon – als Revanche. In der ersten Runde der Präsidentenwahl war er im Messen der Tribune klar unterlegen: Er brachte es nur auf 11,1 Prozent der Stimmen, während Le Pen mit 17,9 Prozent selbst das beste Resultat ihres Vaters übertraf. Eine Schmach. Für die Revanche lässt er sich wie ein Fallschirmspringer über Hénin-Beaumont abwerfen, wie die Franzosen sagen, wenn ein Politiker ohne lokale Verankerung eine Wahl fernab seiner traditionellen Jagdgründe anvisiert. «Wir müssen sie stoppen», sagte er zu den Seinen am Wochenende. «Dafür gehen wir von Haustür zu Haustür, von Strasse zu Strasse.»

Le Pens Plan

Auch Le Pen ist nicht aus dem Pas-de-Calais. Sie beackert das frühere Bergbaurevier, diese alte Hochburg der Linken, die unter der Trostlosigkeit der Desindustrialisierung leidet, aber seit vielen Jahren schon. Es dient ihr als Labor. Sie beweist sich dort, dass der FN auch unter Arbeitern Stimmen machen kann. Das liegt einerseits an ihrem prominenten Auftritt und ihrem persönlichen Bekanntheitsgrad, andererseits aber auch an der Schwäche der Sozialisten in der Region, die in Affären verwickelt sind und sich gegenseitig zerfleischen.

Le Pens Chancen galten deshalb bislang als sehr gross. Ein Wahltriumph hätte ihren Aufstieg zur ernsthaften, ambitionierten und in den Institutionen vertretenen Politikerin beschleunigen sollen. Mélenchons «Fallschirmsprung» stört nun den Plan. Noch gibt sie sich siegessicher und ironisiert: «Ich dachte, es sei Wut, doch offenbar ist es Liebe», sagte Le Pen am Wochenende. «Mélenchon kann wohl nicht mehr ohne mich leben.»

Wo sich linke und rechte Frontisten einig sind

Tatsächlich haben sich die nationalen Nummern 3 und 4 vor der Präsidentschaftswahl einen passionierten Kampf um die Wutbürger und Europafeinde geliefert. Man nannte sich gegenseitig auch schon mal «Fledermaus», «nützlicher Idiot», «Faschistin».

Das Duell ist umso leidenschaftlicher, als sich die linken und rechten Frontisten in etlichen Programmpunkten einig sind: in ihrer Kritik an der Europäischen Zentralbank, am Freihandel, an der Globalisierung, am Grosskapitalismus. Fundamental verschieden denken sie über Immigration, Integration, den Islam – die Paradethemen Le Pens. «Wählt den sozialen Weg aus der Krise», sagt Mélenchon, «und nicht Le Pens ethnischen.» Der Showdown ist lanciert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.05.2012, 17:10 Uhr

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7 Kommentare

Simone Robach

14.05.2012, 09:22 Uhr
Melden 22 Empfehlung 0

"«Wählt den sozialen Weg aus der Krise», sagt Mélenchon, «und nicht Le Pens ethnischen.» "
Wohl die weisesten Worte dieses Jahr aus Frankreich.
Wie kann man so jemanden als Extremisten verklären?
Auch in Frankreich sollte man die Termini ändern, "Sozialisten" sind auch dort nur noch Sozialdemokraten die verraten.
Dann kann man auch endlich von den peinlichen Steigerungsformen absehen.
Antworten


Dario Brenner

14.05.2012, 09:50 Uhr
Melden 17 Empfehlung 0

Mélenchon vertritt keinerlei extremistische Standpunkte. Er hat nie gesagt, er wolle in FR die Planwirtschaft einführen, oder den privaten Handel verbieten, oder Leute/Firmen systematisch enteignen. Alles, was er will, ist, die Gesellschaft etwas sozialer und die Kluft zwischen arm und reich etwas kleiner machen. Und wer das dieswöchige Magazin gelesen hat, weiss, dass dies ja allen zugutekäme... Antworten



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