Ausland
Der Geheimdienst jagt die Bombenleger
Boykott der Fussball-EM möglich. (Video: Reuters )
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Nach den Explosionen in der Ukraine hat der Geheimdienst SBU am Sonntag Phantombilder von drei Verdächtigen veröffentlicht. Die Männer zwischen 30 und 45 Jahren würden wegen «terroristischer Attentate» gesucht, teilte die SBU-Zweigstelle in Dnjepropetrowsk mit. Zu den möglichen Motiven der Verdächtigen machte der SBU keine Angaben. Ein Unbekannter namens «Eurobomber» hatte am Samstag auf einer örtlichen Nachrichtenseite im Internet erklärt, am Vortag gemeinsam mit einem Komplizen Anschläge in Dnjepropetrowsk verübt zu haben.
Bei den Explosionen in der Heimatstadt der inhaftierten Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko im Osten des Landes waren am Freitag etwa 30 Menschen verletzt worden. 14 Menschen lagen am Sonntag weiter im Krankenhaus, wie die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine unter Berufung auf die örtlichen Behörden meldete.
Boykott der EM möglich
Die Führung in Kiew sorgt wegen ihres Umgangs mit der schwer erkrankten Ex-Regierungschefin derweil für Negativschlagzeilen. Timoschenko leidet seit Monaten unter starken Rückenschmerzen und war aus Protest gegen ihre Haftbedingungen vor einer Woche in einen Hungerstreik getreten. Die Ukraine ist im Juni zusammen mit Polen Gastgeber der Fussball-Europameisterschaft; Dnjepropetrowsk ist kein Austragungsort bei dem Sportereignis. Angesichts der Situation Timoschenkos gibt es zahlreiche Aufrufe zum Boykott des Sportereignisses.
Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erwägt einen politischen Boykott der Fussball-EM, die die Ukraine gemeinsam mit Polen ausrichtet. Sollte die in Haft erkrankte Politikerin bis zu dem in knapp sechs Wochen beginnenden Turnier nicht freigelassen worden sein, will Merkel nach Informationen des Magazins «Der Spiegel» ihren Ministern empfehlen, den Spielen in der Ukraine fernzubleiben. Das Bundespresseamt wollte sich zu dem «Spiegel»-Bericht nicht äussern.
Schwere Vorwürfe
Timoschenko klagt seit längerem über starke Rückenschmerzen. Sie wirft dem Staat Foltermethoden in Haft vor, weil sie nicht ordnungsgemäss behandelt werde. Jüngste Fotos zeigen die 51-Jährige mit Prellungen, die ihr Wachbeamte bei einem erzwungenen Transport in eine Klinik vor einer Woche zugefügt haben sollen .
Die Strafvollzugsbehörde in Charkow wies die Vorwürfe erneut zurück. Timoschenko beklage sich bereits seit August immer wieder über Blutergüsse, sagte ein Justizsprecher.
Er äusserte auch Zweifel an dem angeblich am 20. April begonnenen Hungerstreik. Da Timoschenko sich aus einem Kühlschrank in der Zelle selbst versorge und keine Gefängniskost beziehe, sei eine Kontrolle schwer möglich.
Zweiter Prozess
Trotz internationaler Proteste hatte ein Gericht in Charkow am Samstag einen zweiten Strafprozess gegen Timoschenko fortgesetzt. In Abwesenheit der erkrankten Oppositionsführerin wurde die Verhandlung auf den 21. Mai vertagt. Beobachter nennen den Prozess, bei dem der 51-Jährigen wegen angeblicher Veruntreuung und Steuerhinterziehung zwölf Jahre Haft drohen, politisch motiviert. (kle/AFP)
Erstellt: 29.04.2012, 22:13 Uhr
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