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Der Eurokommunist

Von Mirko Plüss. Aktualisiert am 08.05.2012 20 Kommentare

Alexis Tsipras führt in Griechenland das mächtige Linksbündnis Syriza an und hält in den nächsten Tagen das Schicksal des Landes in den Händen. Dem Spardiktat werde er sich nicht beugen, sagte er heute.

Politischer Aufsteiger: Alexis Tsipras (M.).

Politischer Aufsteiger: Alexis Tsipras (M.).
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Griechenland wählt ein neues Parlament

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Protestwahl im Krisenland: Die ersten griechischen Wahlen seit über zwei Jahren haben ein politisches Erdbeben ausgelöst.

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Die Wahlen in Griechenland haben keinen absoluten, aber einen relativen Sieger hervorgebracht: Alexis Tsipras, Eurokommunist, Spargegner, Protestler seit Jugendzeiten. Tsipras linkes Bündnis Syriza erreichte bei den Wahlen am Sonntag einen Stimmenanteil von 16,8 Prozent. 2009 waren es noch 4,6 Prozent. Syriza wurde damit auf einen Schlag zur zweitstärksten Kraft des Landes, und Tsipras zu einem gefragten Mann im Krisenland.

Da es der wählerstärksten konservativen Partei Nea Dimokratia bis jetzt nicht gelang, eine Regierung zu bilden, fällt diese Aufgabe nun Syriza zu. Staatspräsident Karolos Papoulias hat Syriza am Dienstagnachmittag den offiziellen Auftrag zur Regierungsbildung erteilt. Alexis Tsipras liess in einem ersten Statement verlauten, eine Einhaltung des «EU-Spardiktats» werde es unter seiner Regierungsbeteiligung nicht geben. Der weitere Zeitplan ist eng geschnürt: Bereits am 17. Mai muss die neue griechische Regierung stehen, sonst werden die Wahlen einen Monat später wiederholt. Für die Sondierungsgespräche hat Alexis Tsipras sogar nur drei Tage Zeit, mehr liegt laut Verfassung nicht drin. Wer ist der politische Aufsteiger, der das Schicksal Griechenlands mindestens für ein paar Tage in seinen Händen hält?

Das Recht auf Schwänzen

Alexis Tsipras wurde am 28. Juli 1974 in Athen geboren, nur wenige Tage nach dem Ende der griechische Militärdiktatur. Bereits in jungen Jahren trat Tsipras der kommunistischen Jugend bei, die bereits unter dem Diktat der Militärjunta gegründet wurde. Anfang der 90er-Jahre beteiligte er sich an verschiedenen Schülerprotesten. Tsipras vertiefte sein Engagement und wurde schliesslich zum Sprecher der Schülerbewegung gewählt.

Zu lokaler Berühmtheit gelangte Tsipras, als er in einem Interview das Recht auf Schwänzen einforderte. Die interviewende Journalistin bezeichnete ihn daraufhin als unaufrichtig, vonseiten der Schülerschaft gabs Applaus. Seine Protestkarriere führte Tsipras auch an der Universität weiter, wo er Bauingenieurwesen studierte. 1995 schaffte er die Wahl zum nationalen Repräsentanten der griechischen Studentenschaft.

Der «Wutfänger»

Tsipras engagierte sich jahrelang in verschiedenen Bündnissen und Anti-Globalisierungsorganisationen. Die «Süddeutsche» nennt Tsipras einen geschickten und gnadenlosen Redner, der Protest stand dabei stets zuvorderst. Ein griechischer Journalist gab ihm deshalb den Übernamen «Wutfänger». Politische Gegner sehen in Tsipras einen Linkspopulisten und kritisieren seine Sympathie für radikal linke Ideen.

2006 zog Tsipras als Anführer der Bewegung Offene Stadt in den Wahlkampf um den Athener Stadtrat ein. Er erreichte auf Anhieb über 10 Prozent und wurde in den Rat gewählt. Im Februar 2008 übernahm er den Vorsitz des Linksbündnisses Syriza und prägte dessen Kurs massgeblich mit.

Gegen das deutsche Spardiktat

Syriza pflegt enge Verbindungen zur deutschen Partei Die Linke und zur französischen Parti de Gauche des Wahlverlierers Jean-Luc Mélenchon. Syriza will zwar im Euroraum bleiben, lehnt aber die angekündigten Sparrunden ab. Tsipras kritisiert das Spardiktat aus Deutschland und richtete sich in seiner Rede in der Wahlnacht auch an Angela Merkel: «Sie müssen verstehen, dass das Sparprogramm eine erschütternde Niederlage erlitten hat.»

Tsipras Hauptproblem in den nächsten Tagen wird sein, die zersplitterte Linke in Griechenland zu vereinen. Die Kommunisten hatten bereits angekündigt, das Gespräch mit Syriza gar nicht erst aufnehmen zu wollen. Für Verwirrung sorgte Tsipras zudem mit seiner Ankündigung vor der Wahl, eine Koalition mit der rechtspopulistischen Partei Unabhängige Griechen in Betracht ziehen zu wollen.

Artikel mit Material verschiedener Nachrichtenagenturen (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.05.2012, 14:31 Uhr

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20 Kommentare

Reto Stadelman

08.05.2012, 16:12 Uhr
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"Einhaltung des «EU-Spardiktats» werde es unter seiner Regierungsbeteiligung nicht geben." Und woher willst du das Geld nehmen mein Lieber? Selbst wenn es dir gelingt die Schulden durch einen Konkurs loszuwerden, glaubst du wirklich das danach noch irgendwer Geld in Griechenland investieren wird? Du tätest gut daran kleinere Brötchen zu backen... Antworten


Lea Gasparis

08.05.2012, 17:59 Uhr
Melden 20 Empfehlung 0

Was ich nicht ganz verstehe: Wenn er sich dem Spardiktat nicht beugt, bekommt Griechenland ab Juni kein Geld mehr. Was will er da machen. Er muss die Staatsangestellten bezahlen und auch die Rentenbezüger. Die Staatskassen sind im Moment ziemlich leer. Antworten



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