Ausland

Das Kreuz mit dem Verrat

Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 11.11.2011 5 Kommentare

Er war überrascht und enttäuscht – und notierte auf einem Blatt Papier: «8 Verräter». Wie Berlusconi das Ende seiner Macht erlitt.

Zustechen, wenn es weh tut: Berlusconi schreibt nach seinem Mehrheitsverlust im Parlament «8 Verräter» auf einen Zettel.

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Bild: Keystone

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Die vielen politischen Leben und Gesichter des Silvio Berlusconi.

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Es ist ein kompliziertes Wort, gerade in der Politik: Verrat, ital. tradimento. Verräter, ital. traditori, so lehrt es die Geschichte der Menschheit, sind in aller Regel feige, undankbar. Sie stechen dann zu, wenn es wehtut. Und natürlich immer von hinten: durch den Rücken, mitten ins Herz. Als es tatsächlich passiert war, als Silvio Berlusconi seine Mehrheit im Palazzo Montecitorio verloren, der Parlamentspräsident die Zahlen hastig und monoton heruntergelesen hatte, da nahm der Verratene ein Stück weisses Papier und notierte: «8 traditori». Drehte sich zu seinen Ministern und fragte nach den Namen der Verräter.

Berlusconi war überrascht, enttäuscht, getroffen – alles zusammen. Wie konnten sie es nur wagen, diese verlorenen Ziehsöhne und Ziehtöchter, die nichts geworden wären ohne ihn, gar nichts, die nur in seinem Licht strahlten, ja, die von ihm und durch ihn lebten? Rund um Berlusconi war stets viel Gefühlsduselei, zu viel für einen Leader in einer Demokratie. Sie nährte sich an der Bewunderung für den Aufsteiger, für dessen Reichtum, von dem viele auch etwas abbekamen, und für dessen lächelnde Unverfrorenheit. Die Bewunderung der Seinen hatte quasireligiöse Dimensionen. Und dieser Verblendung erlag er selber auch, seine Selbstbewunderung kannte keine Grenzen.

«Auch Jesus passierte das!»

Gian Antonio Stella erinnert im «Corriere della Sera» daran, wie Berlusconi jedes Mal, wenn ihn ein Politiker, ein Alliierter oder eine Partei verliess, sagte: «Auch Jesus passierte das!» Eine Mischung aus Ironie und viel bitterem Ernst. Unvergessen bleibt, wie er 1994, im Jahr seiner ersten kurzlebigen Regierung, den Treuebruch von Umberto Bossi kommentierte: «Bossi ist ein Judas! Ein Stimmendieb, ein Betrüger, ein Verräter, ein Spekulant.»

Aus seiner Entourage erfährt man jetzt, dass Berlusconi noch Minuten vor der Abstimmung, die das Ende seiner Macht bedeuten sollte, fest überzeugt war, dass er von den Seinen getragen würde. In ewiger Liebe und Treue gewissermassen. Kategorien, die er nur in der Politik einforderte. Alle Vorwarnungen seiner Berater, die ihn bis dahin immer mit unschönen Prognosen verschont hatten und nun plötzlich krude Wahrheiten verkündeten, schlug er in den Wind und sagte: «Gemach, meine Mehrheit ist kompakt.» Da stand er aber schon unter dem Kreuz. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.11.2011, 07:26 Uhr

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5 Kommentare

Hansueli Zürcher

11.11.2011, 08:40 Uhr
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Eines verbindet die totalitären Parteien in dert ganzen Welt miteinander? Ein Widerspruch wird sofort als Verrat empfunden und nur der Führer dieser Paertei darf denken! Die Partteimitglieder müssen das herunterleiern was vorgegebn wurde. Antworten


Ursula Schüpbach

11.11.2011, 08:19 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Sehr skurrile Geschichte, dieses ganze Berlusconi-Kapitel Antworten




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