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Bomben im EM-Land: Opposition verdächtigt Regierung

Aktualisiert am 27.04.2012 15 Kommentare

Während der Druck auf die Ukraine wegen der Haftbedingungen Timoschenkos steigt, sind in deren Geburtsstadt Bomben detoniert. Der Anschlag gibt Rätsel auf – Zeitpunkt und Ort scheinen aber kein Zufall zu sein.

1/10 Der Geheimdienst SBU hat Phantombilder von drei Verdächtigen veröffentlicht. (29. April 2012)
SBU

   

Die prominente Gefangene erregt international Aufsehen: Deutsche Ärzte zeigen sich äusserst besorgt über Timoschenkos Gesundheitszustand. (Video: Reuters )

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Die Ukraine steht gleich in mehrfacher Hinsicht unter Druck: Sechs Wochen vor Beginn der Fussball-EM und inmitten der Debatte über den Fall Timoschenko erschütterte heute ein Bombenanschlag das Land. Bei vier Explosionen im Zentrum der östlichen Stadt Dnipropetrowsk wurden heute mindestens 27 Menschen verletzt, darunter neun Schulkinder. Der Vorfall schürt Sorgen über die Sicherheitslage im Land, das vom 8. Juni an Co-Gastgeber der Europameisterschaft ist.

Die erste Explosion ereignete sich an einer Strassenbahnhaltestelle, die zweite vor einem Kino. Der dritte Sprengsatz detonierte vor einem Bahnhof, eine vierte Explosion wurde ebenfalls im Stadtzentrum gehört. Ein Hinweis auf eine mögliche Täterschaft gibt eine berühmte Tochter der Stadt: Dnipropetrowsk ist Timoschenkos Geburtsstadt.

Opposition glaubt an ein Ablenkungsmanöver

Die Behörden in Kiew gingen von einem Terrorakt aus, ein Bekennerschreiben lag zunächst allerdings nicht vor. Die Opposition erhob schwere Vorwürfe gegen Präsident Viktor Janukowitsch: Sie vermutet, die Anschläge könnten von der Regierung initiiert worden sein, um vom Fall Timoschenko abzulenken. Janukowitsch sagte, die besten Ermittler seien mit dem Fall befasst. Die Vorwürfe der Opposition kommentierte sein Büro nicht.

Julija Timoschenko befindet sich derweil weiter im Hungerstreik und ist offenbar ernstlich krank. Tochter Eugenia befürchtet eine mögliche Zwangsernährung ihrer Mutter. Ihre Mutter habe Angst, dass sie mit einer Zwangsernährung gesundheitlich weiteren Schaden nehmen oder sogar umgebracht werden könnte. Die Behörden wollten ihre Mutter möglicherweise zwingen, morgen gegen ihren Willen an einer Gerichtssitzung teilzunehmen, sagte Eugenia Timoschenko. Julija droht ein weiteres Verfahren: Dabei geht es um den Vorwurf der Steuerhinterziehung.

Ähnlich äusserte sich Timoschenkos im tschechischen Exil lebender Ehemann. Fotos, die zeigten, wie seine Frau in einer Gefängniszelle zusammengeschlagen werde, seien «schockierend und entsetzlich», sagte Oleksandr Timoschenko. Die ihr dabei zugefügten Verletzungen seien eine «Generalprobe für ihre physische Zerstörung – ein Mord, den die Behörden seit der Repressionen gegen sie auszuführen planen».

Deutsche Ärzte wollen Timoschenko dringend behandeln

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, die deutsche Regierung versuche alles, um Timoschenkos Lage zu verbessern. Die Situation sei sehr ernst. «Wir haben von deutscher Seite aus schon mehrmals Ärzte geschickt und haben sie auch untersuchen lassen», erklärte Merkel. Das Auswärtige Amt und das Kanzleramt seien darum bemüht, Timoschenko eine Behandlung in Deutschland zu ermöglichen.

Die Regierung folgt damit auch einem Appell von Ärzten der Berliner Charité-Klinik. Diese riefen Kiew heute dringend auf, Timoschenko zur Behandlung ins Ausland reisen zu lassen. Der Gesundheitszustand der Politikerin sei bedrohlich. Eine erfolgreiche Behandlung sei nur in Deutschland möglich, der Bandscheibenvorfall Timoschenkos sei chronisch geworden. Die Charité-Klinik hatte sich zur Behandlung bereit erklärt.

Diskussion über deutschen Boykott der EM-Spiele

Die Inhaftierung Timoschenkos und weiterer Oppositionspolitiker hat in Deutschland eine breite Debatte darüber ausgelöst, ob deutsche Spitzenpolitiker zu EM-Spielen in der Ukraine reisen sollen. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck sagte aus Protest bereits eine Reise in das Land ab. EU-Justizkommissarin Viviane Reding schloss einen Besuch des EM-Eröffnungsspiels im Juni aus. Merkel erklärte, sie habe sich über ihre Reisepläne noch keine konkreten Gedanken gemacht. (rbi/dapd/sda/afp)

Erstellt: 27.04.2012, 19:48 Uhr

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15 Kommentare

Marco Lardi

27.04.2012, 19:57 Uhr
Melden 53 Empfehlung 0

Was nützt es, wenn Politiker nicht an die EM reisen, da müsste schon die deutsche Nationalmanschaft nicht anreisen, damit es eine Wirkung hätte. Die grösste Schande aber ist die UEFA, die Spiele überhaupt in solchen Ländern austrägt. Antworten


Gerhard Keller

27.04.2012, 22:18 Uhr
Melden 18 Empfehlung 0

Ist die Schuldzuweisung der Opposition so abwegig? Unfassbar, wie dieses Land unter der gegebenen Menschenrechts-Situation Co-Gastgeber der EM sein kann. Antworten



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