Ausland

Auf einen Klick legal

Von René Lenzin, Mailand. Aktualisiert am 04.02.2011 2 Kommentare

Italien legalisiert auf einen Schlag 52'000 illegale Einwanderer. Die Idee stammt ausgerechnet von der Lega Nord.

Tausende von ihnen sind neuerdings legal in Italien: Die «Clandestini» konnten sich quasi per Mausklick legalisieren.

Tausende von ihnen sind neuerdings legal in Italien: Die «Clandestini» konnten sich quasi per Mausklick legalisieren.
Bild: Keystone

Die junge Frau aus Peru, nennen wir sie Mary, strahlte. Endlich hatte sie geschafft, wovon sie seit ihrer Ankunft in Italien geträumt hatte: eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung zu erhalten und nicht mehr schwarzarbeiten zu müssen. Mary gehörte zu jenen Extracomunitari – Ausländern von ausserhalb der Europäischen Union –, die von einer der regelmässigen Legalisierungsaktionen des italienischen Staats profitierten.

Zu Abertausenden sind sie im Land, putzen, bauen, pflegen Alte und Kranke oder malochen für Stundenlöhne zwischen vier und sieben Euro sonst irgendwo, wo es die Einheimischen trotz hoher Arbeitslosigkeit nicht mehr hinzieht. Aus Lateinamerika kommen sie, aus Nordafrika, aus Asien oder aus Osteuropa. Einige haben eine Bewilligung, die meisten aber sind sogenannte Clandestini, wie die illegalen Einwanderer in Italien heissen.

Modernste technologische Methoden

Solange sie gute Clandestini bleiben, also brav arbeiten und nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten, gilt der illegale Aufenthalt als lässliche Sünde. Mit der katholischen Tradition der Vergebung und des Ablasses bestens vertraut, bietet der italienische Staat immer wieder Amnestien an.

Neu auch mit den modernsten Methoden der Technologie. «Click Day» hiess die jüngste Legalisierungsaktion, die diese Woche über die Bühne ging: Via Computer und mit einem einzigen Klick in die Legalität gelangen, lautete das Motto. 303'252 Extracomunitari haben sich auf der Webseite des Innenministeriums für die 52'080 Bewilligungen angemeldet. Der Grossteil von ihnen lebt und arbeitet in Nord- und Mittelitalien, ein Drittel allein in der bevölkerungsreichsten Region Lombardei. Die meisten Gesuche kamen von Personen aus Bangladesh, fast 50'000, gefolgt von Marokko, Indien, Ägypten und Sri Lanka.

Hoffen auf den nächsten Click Day

Innenminister und damit verantwortlich für den Click Day ist übrigens Roberto Maroni von der Lega Nord, die es ja sonst nicht gerade mit den Extracomunitari hat. Verbirgt sich hinter der harten Schale des bösen Leghista etwa ein grosses, weiches, katholisches Herz? Oder ist es ganz einfach jener Pragmatismus, der die Lega in ihrer konkreten politischen Arbeit immer wieder auszeichnet?

Die gut 50'000 Plätze seien in wenigen Sekunden vergeben worden, berichtete Maroni stolz. Alles habe funktioniert, ohne dass das Computernetz des Ministeriums zusammengebrochen sei. Was er natürlich weiss: Zusammenbrechen würde das Land, wenn es die Extracomunitari nicht gäbe. Die 250'000, die es nicht geschafft haben, und noch Zigtausende mehr bauen, putzen und pflegen weiter – illegal. Und hoffen auf den nächsten Click Day. Der so sicher kommen wird wie das Amen in der Kirche.

Strahlende Einwandererin

So einfach, wie es der Name glauben macht, ist die Legalisierung dann allerdings trotzdem nicht. Die Clandestini müssen nämlich zuerst ihren Arbeitgeber überzeugen, sie anzumelden. Und damit die Vorteile aus der Hand zu geben, welche die Schwarzarbeit für ihn hat: keine Sozialabgaben, tiefe Löhne, hohe Abhängigkeit. Und dann muss der oder die Auserwählte nach Hause reisen und bei der italienischen Vertretung im Heimatland offiziell jene Bewilligung einholen, die er oder sie eigentlich schon hat.

Zwei bis drei Wochen werde das dauern, hatte man Mary gesagt, die bei einer Mailänderin als Collaboratrice familiale, kurz Colf, arbeitet, wie die Haushaltsangestellten hier genannt werden. Geworden sind es schliesslich fünf Wochen. Das machte Mary aber überhaupt nichts aus. Im Gegenteil. Denn schliesslich war sie nun ja legal. Und dann konnte sie erst noch etwas länger bei ihrer Familie in Peru bleiben, die sie erstmals wieder gesehen hatte, seit sie fünf Jahre zuvor mit einem Touristenvisum nach Italien gereist war. Deshalb strahlte Mary gleich doppelt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.02.2011, 22:09 Uhr

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2 Kommentare

Daniel Zollinger

04.02.2011, 10:39 Uhr
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Das System ist mir ehrlich gesagt nicht so geheuer. Funktioniert denn das wirklich auf den Einwanderer genau? Das ist ja fast nicht möglich, wenn man sieht wieviele da tagtäglich in Italien ankommen. Antworten


Boris Kerzenmacher

06.02.2011, 21:32 Uhr
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Mit der Aufenthaltsgenehmigung können diese Menschen auch in andere Länder reisen. Und das dürfte auch geschehen weil der Zustrom von Migranten nach I weiterhin anhält und offenbar auch weitere Amnestien folgen werden. Offenbar wird Europa mit dem ständigen Zustrom von Migranten nicht fertig und muss zu Amnestien greifen. Das spricht sich natürlich herum und so beginnt der Kreislauf von neuem. Antworten



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