Dem Islamischen Staat geht das Geld aus

Die Terrororganisation besass ein beachtliches Vermögen. Nun geht aus einer Studie hervor: Wichtige Einnahmequellen des IS versiegen.

Die Plünderung historischer Städte gehörte zu den Haupteinnahmequellen: IS-Konvoi im Irak.

Die Plünderung historischer Städte gehörte zu den Haupteinnahmequellen: IS-Konvoi im Irak. Bild: Keystone

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«Je kleiner der ‹Islamische Staat› wird, umso tiefer sinkt der Kontostand der Terroristen», heisst es in einer Mitteilung des Beratungsunternehmens EY und des International Centre for the Study of Radicalisation (ICSR). Der Terrororganisation sei es nach allen vorliegenden Daten nicht gelungen, ihre Einnahmequellen zu halten oder neue zu erschliessen.

EY und ICSR haben gemeinsam die Studie zur Finanzlage der IS-Miliz erstellt und an der Münchner Sicherheitskonferenz vorgestellt. Über wie viel Geld die Islamisten genau verfügen, sei unmöglich herauszufinden, heisst es. Die publizierten Zahlen seien deshalb Schätzungen. Sie basieren auf an die Öffentlichkeit gelangte Dokumente des IS, Aussagen von Regierungsvertretern und Experten, Think-Tank-Studien sowie journalistischen Nachforschungen.

Steuern, Plünderungen, Öl

Als die Miliz 2014 ein Kalifat ausgerufen habe, habe sie bis zu 1,9 Milliarden US-Dollar eingenommen, heisst es in der Studie. 2016 seien es höchstens noch 870 Millionen Dollar gewesen.

Die wichtigsten Einnahmequellen des IS seien Steuern und Abgaben, die Plünderung historischer Stätten und Beschlagnahmung von Besitz, sowie der Verkauf von Öl. Mit der Eroberung neuer Gebiete im Irak und Syrien 2014 machte die Miliz besonders mit Plünderungen viel Geld.

Diese Einnahmequelle falle nun weg, je mehr Gebiet der IS verliere. Das gleiche gelte für Steuern. «Wenn sich der Trend fortsetzt, bricht das 'Geschäftsmodell' des Islamischen Staates bald zusammen», wird EY-Experte Michael Faske in der Mitteilung zitiert.

Klassische Bekämpfung hilft nichts

Anders als klassische Terrororganisationen hänge der IS weniger von ausländischen Spenden und organisierter Kriminalität ab. Die Geschäfte der Terrormiliz würden nicht über das internationale Bankensystem abgewickelt. Darum griffen auch klassische Mittel zur Bekämpfung der Terrorfinanzierung nicht.

Die Finanzierungsquelle des IS seien vielmehr Einnahmen aus IS-kontrollierten Gebiet, die Miliz müsse deshalb ständig ihr Territorium ausbauen. Werde diese Expansion militärisch und politisch gestoppt, bringe das auch die Finanzierung des IS ins Wanken, wird Faske zitiert.

Anschläge weiter möglich

«Es gibt hinreichend Gründe davon auszugehen, dass die Einnahmen des IS weiter sinken werden», wird Faske weiter zitiert. Doch er warnt: Das heisse nicht, dass die Organisationen keine Terroranschläge mehr durchführen könne. Die Miliz habe gezeigt, dass sie trotz finanzieller Engpässe und militärischer Rückschläge weitermachen könne. (kat/sda)

Erstellt: 17.02.2017, 16:50 Uhr

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