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Ausland

Zahnärztliche Hilfe aus Bern für den Geliebten Führer

Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 20.12.2011 26 Kommentare

Ein Zahntechniker und ein Zahnarzt aus Bern sind regelmässig nach Nordkorea geflogen, um Kim Jong-il zu behandeln.

Hatte eine Teilprothese: Der verstorbene Dikator Kim Jong-il verdankte sein Lächeln der Schweizer Zahnmedizin.

Hatte eine Teilprothese: Der verstorbene Dikator Kim Jong-il verdankte sein Lächeln der Schweizer Zahnmedizin.
Bild: AFP

Dass Kim Jong-il auf den Propagandafotos sein glänzendes Lächeln zeigen konnte, dafür haben zwei Dentalexperten aus Bern gesorgt. Wie Recherchen des «Bund» ergeben haben, sind der Zahnarzt Claude Gerber und der Zahntechniker Peter Immler regelmässig nach Pyongyang geflogen, um den Geliebten Führer zu behandeln.

Die beiden bestätigen zwar, dass sie in den letzten zwei Jahrzehnten ein bis zweimal pro Jahr nach Nordkorea gereist sind. Beide betonen aber, dass dies zu Ausbildungszwecken geschehen sei. An der «Red Cross» Universitätsklinik in Pyongyang hätten sie angehende und diplomierte Zahnärzte unterrichtet. Die Ausbildung sei jeweils so verlaufen, dass sie die Patienten im Plenum behandelt hätten. «Mit der Zeit haben auch sie behandelt – und wir sind eher als Instruktoren tätig gewesen», sagt Gerber. Dass die Patienten wohl eher aus der Elite stammten, dem widersprechen die beiden nicht. Immler war 1991 zum ersten Mal in Pyongyang, Gerber 1994 – der Kontakt sei über die Universität Bern zustande gekommen, vorher liess sich die Nomenklatura laut Immler von DDR-Fachleuten versorgen.

Schweigen wegen Arztgeheimnis

Auf die Frage, ob Kim Jong-il unter den Patienten war, wollen beide keine Auskunft geben – oder weichen aus. Zahnarzt Gerber, der mit einem Berufskollegen in der Länggasse eine Praxis führt, beruft sich auf das Arztgeheimnis. Zahntechniker Immler, Mitinhaber eines Dentallabors im Breitenrainquartier, sagt, dass er «nie bewusst» zur Behandlung von Kim beigetragen habe. «Ich bin der Zahntechniker im Hintergrund, ich bewege mich vor allem in der Klinik.» Es habe stets eine «Geheimnistuerei» geherrscht: «Man munkelte vielleicht mal, dass Patient Nr. 2 Kim Jong-il sein könnte.»

Eine gut unterrichtete Quelle weiss aber, dass die Berner den verstorbenen Machthaber persönlich behandelten – und ihn dabei zu Gesicht bekamen. Mit dabei sei in der Regel auch eine Dentalassistentin aus Gerbers Praxis gewesen. Die Zähne des Diktators seien jeweils der ausschlaggebende Grund gewesen, dass die beiden nach Pyongyang flogen – auch wenn die Ausbildungstätigkeit ebenfalls Teil der Reisen gewesen sei. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Aussage von Immler, dass sie von der nordkoreanischen Botschaft jeweils «sehr kurzfristig» angefragt wurden.

Kim Jong-il hatte Angst vor einem Eingriff

Um Kim II. zu behandeln, sei das Berner Team manchmal mit dem Helikopter transportiert worden. Die Behandlungen hätten mal in einer der Residenzen des Diktators, mal in einem Hotel stattgefunden. Kim habe eine Teilprothese gehabt – eine Art «Teilgebiss», das Zahnlücken auffüllt und mit einer Verankerung befestigt wird. Offenbar wollte der Führer kein Implantat, weil er sich vor einem Eingriff fürchtete.

Gerber und Immler verneinen, dass sie für ihre Hilfestellung in Nordkorea ein Honorar erhalten hätten. Dafür seien Spesen übernommen worden: «Alles wurde bezahlt, wir lebten wie Diplomaten», sagt Immler. Dass die beiden keine Bezahlung erhielten, daran hat die Auskunftsperson, die anonym bleiben will, zumindest starke Zweifel.Haben die beiden Berner keine Skrupel gehabt, ihr Fachwissen einem diktatorischen System zur Verfügung zu stellen? «Wir haben dort etwas vermittelt, was nützlich ist», sagt Zahnarzt Gerber. In Nordkorea gebe es keinen Zugang zu aktueller Literatur. Das Wissen über Zahnmedizin stamme grösstenteils noch aus den Ausbildungen im ehemaligen Ostblock. «Wir haben uns immer wieder moralische Fragen gestellt», sagt Immler.

Zwar habe er das Gefühl, mit seinem Engagement politisch nichts zu bewirken, andererseits habe die Zusammenarbeit aber zu einem Austausch geführt. So sei kürzlich ein nordkoreanischer Oberarzt in der Schweiz gewesen, um sich weiterzubilden. Auch wenn über die Jahre Freundschaften und ein Vertrauensverhältnis entstanden seien – über Politik könne man mit den nordkoreanischen Kollegen kaum reden. Für ihn persönlich seien die Reisen eine spannende Erfahrung, als Zahntechniker komme man sonst kaum in der Welt herum. Einmal wurde Immler sogar mit seiner Familie eingeladen und flog für «ein verlängertes Wochenende» nach Pyongyang, um der riesigen Gymnastik-Parade Arirang beizuwohnen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.12.2011, 06:52 Uhr

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26 Kommentare

Kurt Müller

20.12.2011, 09:06 Uhr
Melden 31 Empfehlung

Das eigene Volk verhungern lassen - aber die Oberkommunisten lassen sich die Zahnärzte und den Cognac aus dem verhassten Westen einfliegen. Einfach toll. So was liest man leider nicht in der WOZ. Antworten


Rainer Duffner

20.12.2011, 09:52 Uhr
Melden 24 Empfehlung

Die Leute, die sich hier echauffieren, sollten sich nicht so aufregen.
So weit ich weiss steht im hippokratischen Eid nichts davon, dass man "Feinde" nicht behandeln darf.
Es waren ja auch keine Schönheitsoperationen a la Michael Jackson.
Bloss eine Zahnbehandlung!
Wen das stört soll sich fragen, ob er nicht genauso ideologisch ist, wie die Nord-Koreaner.
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