Ausland

«Sie haben mich in eine Folterzelle gebracht»

Aktualisiert am 07.02.2012 57 Kommentare

Während 132 Tagen war ein deutscher Reporter in einem Gefängnis der iranischen Revolutionsgarden in Haft. Nun spricht er erstmals über die Zeit in Gefangenschaft.

Gezeichnet von den Haftbedingungen: Jens Koch und Marcus Hellwig (r.) am iranischen Flughafen nach ihrer Freilassung. (19. Februar 2011)

Gezeichnet von den Haftbedingungen: Jens Koch und Marcus Hellwig (r.) am iranischen Flughafen nach ihrer Freilassung. (19. Februar 2011)
Bild: Reuters

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Für Recherchen über die zum Tod durch Steinigung verurteilte Iranerin Sakineh Mohammadi Ashtiani reiste der deutsche Reporter Marcus Hellwig Ende 2010 gemeinsam mit einem weiteren Journalisten nach Teheran. Während einem Interview mit dem Sohn von Ashtiani wurden die beiden festgenommen und kamen im Gefängnis der iranischen Revolutionsgarden in Täbris in Haft. Nach 132 Tagen reiste der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle in den Iran und bekam die beiden frei.

Am Sonntag sprach Marcus Hellwig in einem Interview mit der Boulevardzeitung «Bild am Sonntag» erstmals über seine Zeit in Täbris. Er erzählt von schrecklichen Haftbedingungen, von Gewalt und Folter: Er habe täglich Schreie von anderen Gefangenen gehört, wurde selbst während Verhören geschlagen. «Sie haben mich in eine Folterzelle gebracht, um mir zu zeigen, womit sie dort Menschen quälen. Ich hatte Todesangst.»

Am schlimmsten war die Ungewissheit

In den ersten Tagen sei er ständig verhört worden, manchmal auch nachts. Man habe ihm immer wieder die gleichen Fragen gestellt. In seiner Zelle habe permanent eine 150-Watt-Birne gebrannt. Die Heizung habe entweder gar nicht funktioniert oder «auf Saunatemperatur».

Am schlimmsten sei für ihn die Ungewissheit gewesen, da er nie wusste, was auf ihn zukommt. Weil er häufig eine Augenbinde tragen musste, konnte er nicht sehen, was um ihn herum geschah.

In seiner Zelle habe es weder ein Bett noch ein Lavabo oder ein WC gehabt, fünfmal pro Tag hätten sie zu festgelegten Zeiten die Möglichkeit gehabt, auf ein WC zu gehen. Häufig hätten sich die Wärter nicht an die festgelegten Zeiten gehalten. Alle vier Tage durfte er duschen. «Aber auch das variierte, manchmal konnte ich zehn Tage hintereinander nicht duschen», sagt Hellwig.

Kritik an der Mission

Für ihre Mission wurden die zwei Journalisten nach ihrer Rückkehr auch kritisiert. Sie hätten zu wenig Erfahrung gehabt, um den Fall zu behandeln, und sich leichtfertig in Gefahr gebracht. Christiane Hoffmann, Redakteurin der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» sagte beispielsweise gegenüber dem NDR: «Als im Land vollkommen unerfahrener Journalist gegen die Regeln einen sehr brisanten Fall zu behandeln, ist, ja, Hasardeurtum kann man sagen. Das ist nicht mutig, denn eigentlich ist klar, dass da was passieren muss.»

Ashtiani war 2006 wegen der angeblichen Verwicklung in den Mord an ihrem Ehemann und wegen mehrfachen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Die Verurteilung wegen Mordes an ihrem Ehemann wurde im Jahr 2007 in zehn Jahre Haft umgewandelt, die Todesstrafe wegen Ehebruchs jedoch im selben Jahr bestätigt. Der Fall hatte international für grosses Aufsehen gesorgt. Das Steinigungsurteil wurde weltweit kritisiert. Zuletzt verkündete der Iran, das Todesurteil werde durch eine zehnjährige Haftstrafe ersetzt. (kle)

Erstellt: 07.02.2012, 08:46 Uhr

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57 Kommentare

Parvaneh Ferhadi

07.02.2012, 09:06 Uhr
Melden 45 Empfehlung

Nach der offiziellen Definition der U.S. Regierung ist dies alles keine Folter sondern "enhanced interrogation techniques" (verbesserte Verhörmethoden). Danach hätte man sie sogar "waterboarden" können, es wäre immer noch keine Folter gewesen. Da hatten sie Glück wurden sie nicht in Afghanistan von den U.S.A. aufgegriffen, sonst währen sie wohl in Guantanomo gelandet. Antworten


Willi Wollherr

07.02.2012, 10:32 Uhr
Melden 27 Empfehlung

Sorry, da wird im in Syrien und scheinbar, nach Zeugen, auch im Iran gemordet und gefoltert. Die ganze Welt schaut täglich hin. Dauerbrenner Frau Ferhadi ist nun wirklich nicht mehr zumutbar. Antworten



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